Osteuropa: Alarmierende Aids-Zunahme
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Osteuropa: Alarmierende Aids-Zunahme

Nachfolgestaaten der Sowjetunion und einige Staaten Osteuropas sind nach Angaben der UNO von einem beängstigenden Anstieg der Aidsraten betroffen. Besonders verbreitet ist Aids unter jungen, drogenabhängigen Männern.

Das UNO-Entwicklungsprogramm (UNDP) legte am Dienstag in Moskau einen Bericht über die Ausbreitung der Immunschwächekrankheit in 28 Ländern vor. Demnach verzeichnen Russland, die Ukraine, Weissrussland und Moldawien den stärksten Anstieg von Infektionsfällen.

Auch die Situation in der Baltenrepublik Estland sei Besorgnis erregend: Dort waren dem Bericht zufolge im Jahr 2002 bei nur 1,4 Millionen Einwohnern mehr als 2750 Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Eher niedrige Aidsraten werden laut UNDP in den meisten Ländern Mittel- und Südosteuropas verzeichnet.

Offizielle Zahlen zu niedrig

Insgesamt stieg die Zahl der Aidsinfizierten in den 28 Ländern nach Schätzungen des UNDP von einer Million Ende 2001 auf 1,2 bis 1,8 Millionen Ende vergangenen Jahres. Besonders verbreitet ist Aids demnach unter jungen, drogenabhängigen Männern, die sich Rauschgift spritzen, sowie deren Sexualpartnern.

Vor allem die Ausbreitung der Krankheit in Russland, der Ukraine und in Estland sei bedrohlich. Mindestens ein Prozent der erwachsenen Bevölkerung dieser Länder könnten bereits infiziert sein, heisst es in dem Bericht. Die von den Behörden genannte Zahl von rund 250 000 Infizierten in Russland sei bei weitem zu niedrig.

Nur wenige Aidspatienten haben laut UNDP Zugang zu einer ordentlichen Behandlung. Von etwa 80 000 Patienten, die derzeit dringend Medikamente benötigten, erhielten gerade 7000 eine Aidstherapie.

Entwicklung bedroht

Wenn nicht sofort, schnell und entschieden gehandelt werde, dann drohe Aids die Fortschritte der menschlichen Entwicklung in den Ländern Osteuropas und der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) zu unterminieren und sogar rückgängig zu machen, heisst es in dem Bericht.

So sei auch das Wirtschaftswachstum durch die Ausbreitung der Immunschwächekrankheit ernsthaft bedroht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) könne in einigen Ländern durch die Folgen von Aids um ein Prozent schrumpfen.

(sda)

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