19.05.2015 03:56

Hörbranz (A)

Ostschweizer verkauft Hanfsamen per Automat

Mit seiner Firma seeds2go will der Ostschweizer Unternehmer Marc Boller den Hanf-Markt aufrollen. Auch viele Schweizer kaufen bei ihm in Hörbranz Hanfsamen ein.

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In Hörbranz stehen fünf seeds2go-Automaten. (Bild: vol.at - Aaron Brüstle)

In Hörbranz stehen fünf seeds2go-Automaten. (Bild: vol.at - Aaron Brüstle)

«Ich kann es nicht in Kilo sagen, aber das Geschäft läuft sehr gut», sagt Marc Boller (39), Eigentümer von seeds2go.eu, gegenüber vol.at. «So gut, dass die Automaten etwa alle drei Wochen neu gefüllt werden müssen.»

Seit Januar 2013 werden an der Krüzastrasse 1 im vorarlbergischen Hörbranz, wenige Autominuten von der Schweizer Grenze entfernt, Hanfsamen feilgeboten. In dem kleinen Laden sind die Kunden normalerweise allein: Gekauft werden kann nur an den fünf Automaten, die rund 280 verschiedene Sorten Hanfsamen enthalten.

«Wir kennen unsere Kunden nicht»

«Zwar ist der Verkauf von Cannabissamen in Österreich erlaubt und fällt eigentlich auch nicht unter das Jugendschutzgesetz», so Boller. «Wir von seeds2go nehmen unsere Verantwortung aber sehr ernst in Bezug auf Jugendschutz und haben freiwillig an jedem Automaten eine Alterskontrolle eingebaut.»

Laut Boller erfassen die Lesegeräte nur das Alter und nicht die Personalien der Kunden. «Wenn ein Kunde etwas im Ausland einkauft, muss er im Prinzip selbst wissen, ob er das in sein Land einführen darf oder nicht», so Boller gegenüber TVO.

Rechtliche Lage

Wie TVO berichtet, ist der Verkauf von Hanfsamen in ganz Europa legal – mit Ausnahme von Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Ein Grund, weshalb viele Ostschweizer nach Hörbranz fahren, um Hanfsamen zu kaufen. Das beweisen die Schweizer Franken in den Automaten: «Wenn man das Währungsverhältnis anschaut, macht der Franken rund 20 Prozent aus», so Boller. Die Zahl der Ostschweizer Kunden dürfte aber höher liegen – schliesslich könnten auch Schweizer mit Euro zahlen.

Der Kauf von Samen in Hörbranz kann für Ostschweizer aber schnell rechtliche Folgen haben, denn nicht nur der Handel von Betäubungsmitteln, sondern auch deren Einfuhr in die Schweiz ist strafbar. Unter das Betäubungsmittelgesetz fällt auch Rauchhanf. «Der THC-Gehalt bestimmt, ob eine Hanfpflanze legal oder illegal ist», so Thomas Hansjakob, Erster Staatsanwalt des Kantons St. Gallen. «Der Grenzwert liegt neu bei 1,0 Prozent THC.» Wer Samen von illegalem Hanf einführt oder verkauft und erwischt wird, muss mit einer Bestrafung rechnen.

Weitere Standorte

Obwohl das Geschäft in Hörbranz gut läuft, möchte Boller keine weiteren Filialen in Vorarlberg eröffnen. «Der Standort Hörbranz reicht für diese Region aus», so Boller. Dennoch befindet sich die Firma des Ostschweizers auf Expansionskurs. Nebst Hörbranz gibt es auch Standorte in Hallein und Laa an der Thaya. Am 6. Juni eröffnet eine Filiale mit fünf Automaten in Wien. Danach sollen Standorte in Linz, Graz, Innsbruck, Villach und Barcelona hinzukommen. Zur Zeit betreibt Boller 14 Automaten – in zwei Jahren sollen es 200 sein.

Auch in Walenstadt in der Schweiz gibt es bereits einen seeds2go-Standort mit einem Automaten. Statt Hanf können hier laut der Firma Samen von 26 «stimulierenden» Tabaksorten und anderen exotischen Pflanzen gekauft werden.

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