Aquaponik: Ostschweizer züchten Fische wie die Azteken
Aktualisiert

AquaponikOstschweizer züchten Fische wie die Azteken

Zwei neue Fischzuchtanlagen in der Ostschweiz arbeiten umweltneutral. Die Betreiber ziehen Pflanzen, die von den Fischfäkalien leben und das Wasser der Fische reinigen.

von
mlü

Eine uralte Fischzuchtmethode der Azteken wird neu entdeckt: In Balterswil TG und Bad Ragaz SG haben sich zwei Züchter nun auf die sogenannte Aquaponik (siehe Box) spezialisiert.

In einem ehemaligen Fabrikgebäude in Balterswil haben Paul Wreford (36) und Philipp Hofbauer (53) eine Aquaponik-Fischzuchtanlage, die Aquaponic Gardens, aufgebaut. «Schon als Kind träumte ich von meiner eigenen Fischzucht», sagt der Australier Wreford. In der Aquaponik sehen er und sein Geschäftspartner das System der Zukunft: «Es ist sehr wassersparend und kommt ohne Chemikalien aus.»

Seit kurzem werden nun in Balterswil Lachsforellen und Barramundis (australische Riesenbarsche) gezüchtet und dazu Salate und Kräuter angebaut. Die Lebensmittel werden einmal pro Woche den Direktkunden nach Hause geliefert.

Eine Mini-Anlage gibts für 500 Franken

Die Anlage umfasst 500 Quadratmeter und hat eine Kapazität von bis zu 40 Tonnen Fisch pro Jahr. Um eine Wassertemperatur von 26 bis 30 Grad zu erreichen, wird Fernwärme von einer nahegelegenen Sägerei bezogen.

Funktioniert der Kreislauf, muss nur das Wasser nachgefüllt werden, das verdunstet oder von den Pflanzen absorbiert wird – laut Wreford ein bis drei Prozent der gesamten Wassermenge pro Tag. «In einer herkömmlichen Fischzucht müssen wegen der Verschmutzung täglich zehn bis zwanzig Prozent des Wassers ausgetauscht werden», sagt Wreford.

Neben den Lebensmitteln verkaufen Wreford und Hofbauer auch kleine Aquaponik-Anlagen für den Hausgebrauch. «Ein Micro-System mit einem Volumen von 63 Litern kostet rund 498 Franken», sagt Hofbauer. «Damit könnte man bereits selber Fische züchten.»

Mit Regional-Label zertifiziert

Eine weitere Aquaponik-Anlage befindet sich bei Ecco-Jäger in Bad Ragaz. Hier werden jährlich rund 15 Tonnen Buntbarsche sowie allerlei Grünzeug gezüchtet. «Derzeit wächst Nüsslisalat; im Frühling gibt es dann Kresse, Kräuter und Saisonsalate», so Philipp Gschwend, Geschäftsführer von Ecco-Jäger. «Abnehmer sind Bündner, St. Galler und Appenzeller Gastronomen sowie Fischhändler.» Die Fische aus Bad Ragaz sind mit dem Regional-Label Culinarium zertifiziert, was laut Gschwend ein grosser Vorteil ist.

So funktioniert Aquaponik

Der Begriff Aquaponik setzt sich aus Aquakultur und Hydroponik zusammen. Als Aquakultur wird die Fischzucht in einem Kreislaufsystem bezeichnet, Hydroponik steht für den Pflanzenanbau im Wasser. Bei einer Aquaponikanlage wird das Wasser aus dem System durch ein biologisches Filtersystem geleitet, wo feststoffliche Ausscheidungen herausgefiltert werden und mit Hilfe von Bakterien Ammoniak in von Pflanzen leicht aufnehmbare Nitrate umgewandelt wird. Gleichzeitig wird das Wasser dadurch zu einem hochwertigen Dünger.

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