Aktualisiert 04.06.2014 13:11

Katastrophe im BalkanOstschweizerinnen sammeln für Flutopfer

Die Bosnierin Azra Bahtic und die Serbin Elizabeta Simic aus St.Gallen haben für die Opfer der Flutkatastrophe gesammelt. Über acht Tonnen Ware und 3000 Franken kamen zusammen.

von
aki

«Wir konnten nicht länger zuschauen und mussten handeln», sagt die 22-jährige Azra Bahtic aus Wittenbach. Zusammen mit ihrer Arbeitskollegin und Freundin Elizabeta Simic (25) aus Flawil organisierte sie am Wochenende eine Spendenaktion für die Flutopfer in Bosnien und Serbien. Nach der Jahrhundertflut herrscht dort nach wie vor der Ausnahmezustand. Millionen Menschen stehen vor dem Nichts. Das Trinkwasser wird knapp und es werden Epidemien befürchtet.

Anfangs wollten die beiden nur Geld sammeln. Die Anteilnahme war jedoch so überwältigend, dass sie sich dazu entschlossen, die Aktion auszuweiten, erzählt Bahtic gegenüber 20 Minuten. «Uns wurde am Sonntag ganz spontan der Lindensaal in Flawil zur Verfügung gestellt. Mit verschiedenen Folklore-Gruppen sowie der bosnisch-serbischen Popband Element wurde die Spendenaktion ein grosser Erfolg», so Bahtic. Alle Mitwirkenden haben dabei auf ihre Gage verzichtet.

Gemeinsam gegen die Flut

Das Aussergewöhnliche an der Hilfsaktion ist, dass Bahtic aus Bosnien und Simic aus Serbien stammt. «Am Anfang haben wir viel Kritik einstecken müssen. Es könne doch nicht sein, dass eine Bosnierin einer Serbin helfe, hiess es aus meinem Umfeld», erzählt Bahtic.

Doch der Erfolg der Aktion hat den jungen Frauen Recht gegeben: «Wir haben über acht Tonnen Sachspenden erhalten und konnten über 3000 Franken auf das Spendenkonto überweisen», so Bahtic. Für sie habe die gemeinsame Aktion auch eine Signalwirkung: «Wir kämpfen Hand in Hand gegen die Flut, unabhängig von der Herkunft.»

Die gesammelten Güter werden bis Freitag in einem Lager bei Flawil zwischengelagert. Dann wollen Bahtic und Simic nach Bosnien und Serbien fahren, um sie an Bedürftige zu verteilen. Wie bei den Geldspenden, so soll auch bei der Verteilung der Güter je zur Hälfte solidarisch vorgegangen werden.

Weitere Spenden willkommen

«Wir gehen extra selbst vor Ort, damit wir wissen, dass die Spenden tatsächlich bei den Flutopfern ankommen», so Bahtic.

Doch damit nicht genug. Die beiden Freundinnen sammeln fleissig weiter. «Babynahrung, Windeln, Decken, Medikamente und sauberes Trinkwasser werden derzeit am meisten benötigt», so Bahtic. Die junge Marketing-Angestellte ist auch selbst betroffen: «Meine Verwandten in Bosnien sind seit Tagen von der Aussenwelt abgeschnitten. Wenn ich telefonisch zu ihnen durchdringe, klagen sie über chaotische Zuständen und Leute, die Nahrungsmittel und Trinkwasser zu überteuerten Preisen an die Flutopfer verkaufen.»

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