Ex-UBS-Chef: Oswald Grübel findet Arme nicht arm
Aktualisiert

Ex-UBS-ChefOswald Grübel findet Arme nicht arm

Den Betroffenen dürften die Worte von Oswald Grübel wie ein Hohn vorkommen: Der ehemalige UBS-Chef behauptet in einer Kolumne, die Schweiz habe «reiche Arme» – und plädiert für mehr Einkaufstourismus.

von
jbu

Oswald Grübel verdiente während seiner Zeit als UBS-Chef jährlich Millionen. Umso mehr erstaunt der Standpunkt, den er in einer Kolumne in der «Schweiz am Sonntag» vertritt: «Die Schweiz hat reiche Arme», schreibt er dort.

Die Aussage bezieht sich auf eine jüngst veröffentlichte Statistik, wonach in der Schweiz jede 13. Person arm ist. Die Armutsgrenze liegt in der Erhebung bei 2200 Franken pro Monat – für Grübel offenbar ein zu hoher Wert.

Der Ex-Banker räumt zwar ein, «dass man mit 2200 Franken im Monat keine grossen Sprünge machen kann.» Weiter heisst es im Meinungsstück jedoch: «In Deutschland zum Beispiel käme dieser Betrag nahe an den Durchschnittsverdienst heran und man würde wohl auf Unverständnis stossen, wenn man dort erzählen wollte, dass dieser bei uns der Armutsgrenze entspricht.»

«Armut könnte schnell gelindert werden»

Immerhin hält Grübel auch gleich ein Rezept gegen die (vermeintliche) Mittellosigkeit in der Schweiz bereit: «Die Armut könnte schnell gelindert werden, wenn wir uns einmal ernsthaft mit unserem exzessiven Preisniveau auseinandersetzen würden», so seine Überzeugung. Die Armutsgrenze in der Schweiz sei nämlich nur wegen der «zum Teil exorbitanten Preise» so hoch angesetzt. «Wir sind bereit, für das gleiche Produkt fast doppelt so viel zu bezahlen wie in Deutschland. Es wird uns vorgegaukelt, dass es ein für die Schweiz hergestelltes Produkt ist, besser und deshalb teurer.» Die Einzigen, die das Prinzip durchschaut hätten, seien die Bewohner von Grenzgebieten, die schon immer im Ausland eingekauft hätten.

So ist die Kolumne wohl als Votum für mehr Einkaufstourismus zu verstehen und als Versuch, das «Tabu (...), über unser Preisniveau zu sprechen», zu brechen.

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