Aktualisiert 09.07.2014 12:04

Praktisch, aber schädlich

Outdoor-Jacken gefährden die Umwelt

Wasserabweisende Jacken sind zurzeit allgegenwärtig - dem Wetter sei Dank. Nichts schützt besser gegen Wind und Regen. Doch die Stoffe, die das möglich machen, sind hochgiftig.

von
fee
Der schöne Schein trügt. Denn das, was den Körper schützt, schädigt ihn auch.

Der schöne Schein trügt. Denn das, was den Körper schützt, schädigt ihn auch.

Outdoor-Jacken sind des Naturfreunds liebstes Kleidungsstück. Doch für die Natur selbst stellen sie eine Gefahr dar. Denn die in ihnen enthaltenen Regen- und schmutzabweisenden Chemikalien gelangen beim Waschen ins Wasser und so letztlich in den Körper von Mensch und Tier. Einige Chemikalien sind schädlich für die Fortpflanzung.

In allen 15 in einer Studie untersuchten wetterfesten Funktionsjacken fanden Forscher sogenannte poly- und perfluorierte Chemikalien (PFC), die in der Waschmaschine freigesetzt werden. Die Studie wurde von der Hochschule Fresenius im Auftrag des deutschen Umweltbundesamts (UBA) durchgeführt und liegt der Nachrichtenagentur AFP vor.

Der Studie zufolge werden die freigesetzten Stoffe in Kläranlagen nicht abgebaut und gelangen so in Flüsse, Meere, das Grundwasser und letztlich in die Körper von Mensch und Tier. Die Gruppe der PFC umfasst den Angaben zufolge über 800 Stoffe. Für einige ist laut UBA beispielsweise nachgewiesen, dass sie die Fortpflanzung schädigen.

In den Jacken hatten die Wissenschaftler 20 verschiedene PFC nachgewiesen. Die Konzentration der Chemikalien sei dabei sehr unterschiedlich ausgefallen: Sie reichte demnach von 0,03 bis 718 Mikrogramm pro Quadratmeter Stoff. Besonders auffällig war den Forschern zufolge die Menge von Vorläuferverbindungen bestimmter PFC. Diese Stoffe dünsten besonders schnell in die Luft aus.

Übertriebener Wetterschutz

«Der Wetterschutz vieler Textilien ist übertrieben. Hier orientieren sich die Hersteller an extremen Verhältnissen», erklärte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. «Kunden sollten daher zunächst überlegen, wie stark die Produkte wirklich Wasser oder Schmutz abweisen müssen», empfahl Krautzberger weiter.

Das UBA hat nach eigenen Angaben bereits sechs PFC für die Kandidatenliste der besonders besorgniserregenden Stoffe in der Europäischen Verordnung über die Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH) vorgeschlagen.

Als besonders besorgniserregend eingestufte Stoffe sollen schrittweise durch Alternativen ersetzt werden, sofern diese wirtschaftlich und technisch tragfähig sind. Erste Textilunternehmen sind laut UBA aber schon heute auf fluorfreie Imprägnierungen umgestiegen oder haben solche für die kommenden Jahre angekündigt.

(fee/sda)

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