Deutscher Modehändler: Outfittery sucht Personal zu Dumping-Löhnen
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Deutscher ModehändlerOutfittery sucht Personal zu Dumping-Löhnen

2500 Franken pro Monat, dazu eine läppisch tiefe Provision: Zu diesen Dumping-Löhnen sucht der Modehändler Outfittery aus Deutschland Personal für eine Schweiz-Expansion.

von
kwo
Die deutsche Modekette Outfittery möchte in die Schweiz expandieren - die Löhne erinnern aber eher an Deutschland.

Die deutsche Modekette Outfittery möchte in die Schweiz expandieren - die Löhne erinnern aber eher an Deutschland.

Kein Anbieter/Outfittery

«Outfittery ist Europas erfolgreichster Personal Shopping Service für Männer und wir haben einen klaren Auftrag: die Befreiung der Männerwelt von der Qual des Shoppings.» Mit diesem Satz beginnt das Stelleninserat, mit dem der deutsche Kleiderhändler Outfittery in der Schweiz Personal sucht. Das neuartige Konzept des Versandhändlers: Junge Verkäuferinnen stellen aufgrund eines online zugesandten Portraitfotos ihren Kunden ein perfektes Outfit zusammen und schicken es ihnen per Post nach Hause. Nach dem Anprobieren schickt der Besteller das Outfit entweder zurück oder behält und bezahlt es.

Nun möchte Outfittery den Sprung in die Schweiz wagen und plant eine Niederlassung im Raum Zürich. Online kann man sich dafür auf entsprechende Stellen bewerben. Das tat auch 20-Minuten-Leserin F.Z.* aus Zürich. Sie war gerade auf Jobsuche und wurde auf das ihrer Meinung nach sehr ansprechend gestaltete Stelleninserat aufmerksam.

Für 2500 Franken pro Monat

Doch beim Vorstellungsgespräch wurde sie nur schräg angelächelt, als Z. ihre Lohnforderungen von 5'000 Franken nannte. Man sei bereit, ihr 2500 Franken für eine Vollzeitstelle zu bezahlen, beschied man ihr von Seiten Outfitterys. Dazu käme allerdings eine Provision, versprach man Z. Doch es zeigte sich: Diese Provision ist lächerlich tief. Erst ab einem persönlichen Monatsumsatz von 60'000 Franken erhält der Mitarbeiter eine solche Provision, und zwar im Wert von 0,5 Prozent. Das entspräche 300 Franken.

Für die Gewerkschaft Unia ist das ein klarer Fall von Lohndumping, wie Sprecherin Natalie Imoboden dem «Tages-Anzeiger» sagt. «Wer in der Schweiz Leute anstellt, muss auch Schweizer Löhne bezahlen», so die Detailhandel-Verantwortliche der Gewerkschaft. Das Problem in der Modebranche ist aber: Es gibt keinen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) – und somit keine Lohnuntergrenze. Findet Outfittery also Leute, die zum Dumping-Lohn von 2500 Franken arbeiten gehen, ist das sogar legal. Für die Gewerkschaft ist daher klar: «Es braucht dringend einen GAV für alle Mitarbeitenden im Onlinehandel.»

Outfittery wehrt sich gegen den Vorwurf

Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» möchte Outfittery den Vorwurf des Lohndumpings nicht gelten lassen: «Wir bieten unseren Stylisten ein Grundgehalt, das sich in der Regel an den Löhnen im Einzelhandel orientiert», so ein Sprecher des deutschen Unternehmens. Noch seien keine Verträge unterzeichnet worden, der Lohn von 2500 Franken lediglich ein Einstieg in die Verhandlungen. Das verneint 20-Minuten-Leserin Z. klar. Ein höheres Salär sei nie zur Debatte gestanden. Das Angebot über 2500 hatte sie sich sogar per Mail bestätigen lassen.

Update

Outfittery verspricht nun doch höhere Löhne. Der Anbieter reagiert damit auf die öffentliche Kritik. Laut einer Medienmitteilung soll für die ausgeschriebenen Stellen neu ein Lohn von 4'000 Franken bezahlt werden. «Zusammen mit der Provision ergibt dies einen durchschnittlichen Monatslohn in der Höhe von 4'500 bis 5'000 Franken», so Outfittery in einer Medienmitteilung.

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