Weltcup-Premiere: Overall droht zu platzen – Svindal will keinen Airbag
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Weltcup-PremiereOverall droht zu platzen – Svindal will keinen Airbag

Bei Matthias Mayer kommt erstmals in einem Weltcup-Rennen der Airbag zum Einsatz. Auch Aksel Lund Svindal begrüsst den Protektor, verzichtet aber darauf.

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als/pbt

Abfahrts-Olympiasieger Matthias Mayer hat sich bei seinem Sturz in der Weltcup-Abfahrt in Val Gardena schlimm verletzt. Für den Österreicher ist die Saison frühzeitig beendet. Mayer erlitt komplizierte Frakturen am sechsten und siebten Brustwirbel. Noch in der Nacht auf gestern wurde der Kärntner im Sanatorium Kettenbrücke in Innsbruck operiert. Bei diesem Eingriff wurde der Bereich vom fünften bis zum achten Brustwirbel verschraubt.

Dass Mayer nicht noch schlimmer verletzt wurde, lag wohl am Airbag. Bei Mayers Sturz hatte sich zum ersten Mal in einem Rennen das neue Airbag-System, das die Oberkörper der Sportler schützen soll, geöffnet. «Zum Glück habe ich den Airbag angehabt, der ist in der Luft aufgegangen. Das war in dem Fall sicherlich eine gute Lösung», sagte der 25-Jährige.

Hujara: «Vielleicht vor Verletzung der Wirbelsäule bewahrt»

Im Panzer befinden sich Chips, die während der Fahrt Daten wie Geschwindigkeit oder Rotation aufzeichnen. Der Airbag öffnet sich automatisch, wenn der Athlet die Kontrolle verliert und abhebt. Analog zum Motorrad-Rennsport: Dort pumpt sich der Airbag mit Luft auf, wenn der Fahrer vom Motorrad geschleudert wird.

«Algorithmen stellen fest, wenn der Athlet nicht länger in der Lage ist, einen Sturz zu verhindern», erklärte der ehemalige Alpin-Renndirektor Günter Hujara, der froh schien, dass der Airbag seinen Nutzen erstmals im Ernstfall unter Beweis stellte. Seiner Ansicht nach mit Bravour. «Vielleicht hat es ihn (Mayer, Anm. d. Red.) vor einer Verletzung der Wirbelsäule bewahrt.»

Svindal verzichtet, Ligety poltert

Der diesjährige Speed-Dominator Aksel Lund Svindal hat den Airbag während Trainings getestet, verzichtet in den Rennen aber darauf – weil ihm der Overall ohnehin zu eng ist. «Ich habe dieses Jahr schon einen Anzug kaputtgemacht, weil der Reissverschluss aufsprang.» Dennoch unterstützt er die Verwendung des Luftkissens. «Das ist es doch, was alle sehen wollen. Ein grober Sturz, nach dem man unbeschadet aufsteht und dem Publikum zuwinken kann anstatt mit dem Helikopter abtransportiert zu werden.»

Riesenslalom-Spezialist Ted Ligety war weniger erfreut über die Premiere des Airbags. «Es ist bedauerlich, Rennfahrer werden als Crashtest-Dummys verwendet, um mit einem unerprobten Airbag-System zu experimentieren. Meines Wissens war das der erste echte Rennunfall seit mehr als einem Jahrzehnt, der mit einer schlimmen Rückenverletzung endete. Mir scheint, der Airbag hat wie ein Angelpunkt bei einem Hebel gewirkt. Das muss untersucht werden», fordert Ligety.

(als/pbt/si)

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