Aktualisiert 06.06.2018 06:44

Vögele-Nachfolger

OVS kündigt Mitarbeitern Massenentlassungen an

Sempione Fashion eröffnet das Konsultationsverfahren für die OVS-Angestellten in der Schweiz. Das heisst: Es drohen Massenentlassungen.

von
R. Knecht/V. Sadecky
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Mitarbeiter erhielten am Dienstag einen eingeschriebenen Brief von OVS.

Mitarbeiter erhielten am Dienstag einen eingeschriebenen Brief von OVS.

Leser-Reporter
Ein Leser berichtet, dass bei OVS die Retouren von Kleidern nicht mehr möglich sind. In den Läden sind Schilder zu sehen, die besagen, dass Umtausch oder Rückerstattung wegen der Nachlassstundung nicht möglich seien.

Ein Leser berichtet, dass bei OVS die Retouren von Kleidern nicht mehr möglich sind. In den Läden sind Schilder zu sehen, die besagen, dass Umtausch oder Rückerstattung wegen der Nachlassstundung nicht möglich seien.

Leser-Reporter
Der Verwaltungsrat der Schweizer OVS-Kleidergeschäfte hat beim Bezirksgericht Höfe ein Gesuch um provisorische Nachlassstundung eingereicht, wie das Unternehmen mitteilte.

Der Verwaltungsrat der Schweizer OVS-Kleidergeschäfte hat beim Bezirksgericht Höfe ein Gesuch um provisorische Nachlassstundung eingereicht, wie das Unternehmen mitteilte.

Keystone/Christian Beutler

Der Vögele-Nachfolger OVS hat seine Mitarbeiter informiert, dass das Unternehmen Massenentlassungen in Betracht zieht. Sempione Fashion, das Unternehmen hinter der Schweizer Marke OVS, hat ein entsprechendes Schreiben an die Angestellten versandt. In diesem Schreiben, das 20 Minuten vorliegt, heisst es, wegen der Nachlassstundung und des drohenden Konkurses habe das Unternehmen das Konsultationsverfahren eingeleitet.

Falls es zu den Massenentlassungen kommt, könnten sämtliche Mitarbeiter und Lernende betroffen sein. Dies wären 1'180 Personen. Ein OVS-Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte, sagte gegenüber 20 Minuten: «Es ist verrückt, wie schnell es mit OVS abwärtsgegangen ist. Wir Mitarbeiter fühlen uns für dumm verkauft.»

Retouren nicht mehr möglich

Ein Leser berichtet, dass bei OVS die Retouren von Kleidern nicht mehr möglich sind. In den Läden sind Schilder zu sehen, die besagen, dass Umtausch oder Rückerstattung wegen der Nachlassstundung nicht möglich seien. «Auf dem Bon stand 30 Tage Rückgaberecht», beschwert sich der Leser.

Bei einem weiteren Leser kam es noch schlimmer: Er hatte am 29. Mai, also am Tag bevor Sempione Fashion in Nachlassstundung ging, für rund 70 Franken Kleider eingekauft und am gleichen Tag gegen einen Gutschein umgetauscht. Als er ihn am Dienstag in einer Filiale einlösen wollte, hiess es, wegen der Nachlassstundung sei dieser nicht mehr gültig. «Also holte ich die Kleider, die ich ursprünglich eingetauscht hatte, und wollte damit gehen – da kam dann die Securitas und hielt mich auf», so der Leser.

Aus dem Brief geht zudem hervor, dass das Unternehmen plant, «einen Teil der Verkaufsfilialen an einen oder mehrere Dritte zu übertragen». Angestellte sollen innert einer Frist von drei Wochen Vorschläge machen, wie sich Kündigungen vermeiden lassen und auch sonstige Folgen gemildert werden könnten. Sempione Fashion bestätigt gegenüber 20 Minuten, dass Massenentlassungen bevorstehen könnten.

Unia kritisierte OVS bereits wegen Massenentlassungen

Bereits in der Vergangenheit hat die Unia OVS unter anderem vorgeworfen, die Verpflichtungen bei Massenentlassungen zu umgehen. Die Filialen würden eine nach der anderen geschlossen, sodass immer zu wenige Entlassungen erfolgten, um das bei Massenentlassungen vorgeschriebene Verfahren durchführen zu müssen.

Die rund 140 OVS-Geschäfte in der Schweiz entstanden aus den ehemaligen Filialen von Charles Vögele, die im Dezember 2016 an OVS verkauft worden waren. OVS ist an der Mailänder Börse kotiert.

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