Femizid in Rorschacherberg: «Mein Vater ist kein Mörder» – jetzt äussert sich der Sohn

Aktualisiert

Femizid in Rorschacherberg«Mein Vater ist kein Mörder» – jetzt äussert sich der Sohn

Die Kantonspolizei St. Gallen fand in einem Haus in Rorschacherberg SG ein Ehepaar tot vor. Die Polizei ermittelt wegen eines Tötungsdeliktes. Der Sohn der Toten kann sich das aber nicht vorstellen. 

von
Philippe Coradi
Jeremias Büchel
Ammar Jusufi
1 / 3
Polizisten der Kantonspolizei St. Gallen fanden in einer Wohnung zwei Personen tot vor. 

Polizisten der Kantonspolizei St. Gallen fanden in einer Wohnung zwei Personen tot vor. 

20min/Michael Scherrer
Es wird davon ausgegangen, dass der Mann die Frau tötete und anschliessend eines natürlichen Todes starb.

Es wird davon ausgegangen, dass der Mann die Frau tötete und anschliessend eines natürlichen Todes starb.

20min/Michael Scherrer
Der Vorfall ereignete sich in diesem Haus. 

Der Vorfall ereignete sich in diesem Haus. 

Ammar Jusufi

Darum gehts 

  • Die Kantonspolizei St. Gallen fand in einer Wohnung ein Ehepaar tot vor. 

  • Eine Frau starb eines gewaltsamen Todes.

  • Der Mann verstarb an einem Herzinfarkt. 

  • Laut dem Sohn der Toten hatten die Eltern regelmässig Streit und wollten sich eigentlich scheiden lassen. 

  • Dass sein Vater die Mutter getötet hat, kann er sich nicht vorstellen. Stattdessen macht er der Polizei Vorwürfe. 

Am Mittwochmorgen rückten Polizisten der Kantonspolizei St. Gallen nach einer Vermisstmeldung des Sohnes nach Rorschacherberg an den Wohnort des Ehepaares aus. Als die verschlossene Wohnungstüre geöffnet wurde, fanden sie in einem Zimmer das Ehepaar tot vor.

Die Umstände, welche zum Tod des Ehepaars führten, sowie die Todesursachen sind derzeit noch unklar. Nebst verschiedensten Spezialisten der Kantonspolizei St. Gallen rückte auch das Institut für Rechtsmedizin aus. Der fallführende Staatsanwalt koordinierte die Ermittlungen, die Spurensicherung und die Befragungen von Auskunftspersonen. Die Obduktionen der Leichen durch das Institut für Rechtsmedizin am Kantonsspital St. Gallen ergaben, dass die Frau, eine 56-jährige Österreicherin, eines gewaltsamen Todes starb. Man kann also von einem Femizid sprechen. Ihr Ehemann, ein 61-jähriger Italiener, verstarb eines natürlichen Todes, schreibt die Kantonspolizei St. Gallen in einer Mitteilung.

Keine Waffen involviert

Die Strafverfolgungsbehörden gehen im Moment davon aus, dass der Ehemann seine Ehefrau umbrachte und anschliessend eines natürlichen Todes verstarb. Eine Schusswaffe oder ein Messer waren demnach nicht im Spiel. Über die Todesursache der Frau werden keine Angaben gemacht. Die weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und der Kantonspolizei St. Gallen sind noch nicht abgeschlossen und laufen weiter.

«Mein Vater ist kein Mörder»

Die beiden Verstorbenen hinterlassen einen Sohn (26) und eine Tochter (20). Der Sohn der Toten äussert sich gegenüber 20 Minuten. Er sagt, dass die Eltern getrennt, aber unter demselben Dach gelebt hätten. «Es ist immer wieder zu Streit gekommen.» Dabei seien beide nicht gerade zimperlich miteinander umgegangen. Mehrmals musste die Polizei deshalb nach Rorschacherberg ausrücken. Dass der Vater für den Tod der Mutter verantwortlich sei, kann der Sohn aber nicht begreifen. «Mein Vater ist kein Mörder.» Die Mutter sei tot in der Badewanne gefunden worden, der Vater hatte einen Herzinfarkt erlitten. Es sei nicht der erste gewesen.

Wollten sich scheiden lassen

«Die Eltern wollten sich eigentlich scheiden lassen, doch es gab Streit wegen des Geldes», so der Sohn. Die Mutter habe die Scheidung immer wieder hinausgezögert. Es sei deswegen wiederholt zu lautstarken Auseinandersetzungen gekommen, bei denen auch mal Gegenstände herumgeflogen sind. 

«Polizei hätte handeln müssen»

«Mein Vater hat immer viel gearbeitet, manchmal von Montag bis Sonntag», so der Sohn. So habe er für die Familie ein schönes Leben aufbauen können. «Alle haben meine Eltern geliebt.» Dass sie jetzt beide tot sind, kann er kaum fassen. Ihn frustriert, dass die Polizei rund ein halbes Dutzend Mal zum Elternhaus ausgerückt ist, als es zu Streit kam. «Die Polizei hätte handeln müssen. Sie hat in diesem Fall keinen guten Job gemacht», meint er. Die Kantonspolizei bestätigt, dass es zu Einsätzen wegen Streit gekommen ist. Dieser sei von beiden Personen ausgegangen. Gewalttätige Handlungen oder gar blutende Personen oder Ähnliches konnten die ausgerückten Polizeikräfte jedoch nie feststellen. 

Wann verwendet 20 Minuten den Begriff Femizid?

20 Minuten nennt eine Tötung Femizid, wenn eine Frau oder ein Mädchen von ihrem männlichen (Ex-)Partner oder von männlichen Familienmitgliedern getötet wird. Auch tödliche frauenfeindliche Hass-Verbrechen fallen bei uns unter diesen Begriff. 20 Minuten verwendet den Femizid-Begriff immer dann, wenn ein Mann eine Frau oder ein Mädchen tötet. Der Mann kann der (Ex-)Partner, Bruder, Cousin (...) der Frau sein oder ein ihr unbekannter Stalker. 20 Minuten verwendet den Begriff auch, wenn die Hintergründe der Tötung noch nicht bekannt sind.  

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

Deine Meinung