Aktualisiert 18.03.2016 08:14

Lutry VDPaar lebt vier Jahre unbemerkt am Waldrand

Ausser Sichtweite am Waldrand einer Gemeinde im Kanton Waadt hauste ein Pärchen über vier Jahre in einer Jurte. Nun hat ein Förster sie entdeckt und sie müssen weg.

von
Francesco Brienza
In einer Jurte hat ein Paar über vier Jahre am Waldrand der Gemeinde Lutry im Kanton Waadt gewohnt. Nun haben die Behörden Anzeige erstattet. (Symbolbild)

In einer Jurte hat ein Paar über vier Jahre am Waldrand der Gemeinde Lutry im Kanton Waadt gewohnt. Nun haben die Behörden Anzeige erstattet. (Symbolbild)

Kein Anbieter/20minutes.ch

«Als ich davon hörte, fiel ich aus allen Wolken.» Pierre-Alexandre Schlaeppi, Gemeinderat von Lutry im Kanton Waadt, spricht von einem Paar, das in einer Jurte in der Nähe eines Waldes auf seinem Gemeindegebiet wohnt – seit vier Jahren. Ausgestattet mit einem Holzofen lebten die zwei dort autark und vor allem illegal.

Ein Förster war Mitte Februar praktisch über das Zelt gestolpert, das direkt am Ufer eines Bachs steht. «So etwas kommt sehr selten vor», sagt Jean-François Métraux, Direktor der Waadtländer Waldinspektion, zu 20minutes.ch.

«Die Leute sind sehr sympathisch»

Obwohl das Paar bisher niemanden störte und die längste Zeit unbemerkt am Waldrand lebte, muss es seine Jurte nun abbauen. Denn die Zelt-Bewohner haben gleich dreifach gegen das Gesetz verstossen. «Erstens sind alle Hauskonstruktionen im Wald und in einem Radius von 10 Metern darum herum verboten», sagt Métraux. Zweitens war das Zelt illegalerweise ausserhalb der Bauzone aufgestellt. Drittens – auch wenn man auf dem Gelände hätte bauen dürfen – war die Gemeinde nicht informiert. «Für jedes Wohngebäude braucht es aber eine Genehmigung der lokalen Behörden.»

Diese haben nun Anzeige gegen das Paar erhoben. Zudem wurde eine Untersuchung eingeleitet. Die Gemeinde berät den Fall demnächst. «Die Leute sind sehr sympathisch», sagt Schlaeppi. «Aber ihr Verhalten ist illegal und wir können sie deswegen nicht einfach davonkommen lassen.» Dennoch gibt es möglicherweise eine Lösung – «wenn die Jurte in eine Bauzone verlegt wird und ein Baubewilligungsgesuch eingereicht wird», wie Schlaeppi sagt. Doch auch dann könne die Jurte nicht als fester Wohnsitz dienen, sondern dürfe nur für gewisse Nächte genutzt werden, ähnlich wie ein Wochenendhaus.

Auf Facebook sucht die 30-jährige Frau, die in der Jurte wohnte und von Beruf Künstlerin ist, bereits nach einem neuen Platz – weil sie wegen einer «Anzeige» weg müssten, wie sie schreibt. Gegenüber 20 minutes wollte das Paar sich nicht äussern.

125'ooo Hektar Wald im Kanton

Wie aber konnte ein 27 Quadratmeter grosses und 3,50 Meter hohes Zelt überhaupt so lange unbemerkt bleiben? «Wir haben keinen Radar, der das gesamte Gebiet überwacht», so Schlaeppi. Das Grundstück befinde sich ausser Sichtweite in einer Sackgasse.

Einen Grund, die zwei zu verdächtigen, habe es ausserdem nie gegeben: Das Paar habe gültige Papiere und der Mann miete ein Zimmer und sei daher auch im Besitz einer gültigen Adresse. Métraux: «125'000 Hektar Wald stehen im Kanton Waadt. Wir können nicht wissen, was hinter jedem Busch passiert.»

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