Obdachlosigkeit droht: Paar mit 26 Hunden sucht verzweifelt ein neues Zuhause
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Obdachlosigkeit drohtPaar mit 26 Hunden sucht verzweifelt ein neues Zuhause

Ein junges Paar ist verzweifelt auf der Suche nach einem Zuhause für sich und seine 26 Windhunde. Über hundert Objekte haben die beiden schon besichtigt. Nun stehen sie kurz vor der Obdachlosigkeit.

von
Marino Walser
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Regine (links) und Aurelia Kindler haben 26 Windhunde. Sie alle sind auf der Suche nach einem neuen Zuhause. «Bislang stossen wir aber nur auf taube Ohren», sagt Aurelia Kindler. Die beiden sind mit den Nerven am Ende – bereits über hundert Objekte haben sie besichtigt. Überall erhielten sie eine Absage von den Eigentümern. Bis am Sonntag brauchen sie ein neues Zuhause. Ansonsten sind sie obdachlos. 

Regine (links) und Aurelia Kindler haben 26 Windhunde. Sie alle sind auf der Suche nach einem neuen Zuhause. «Bislang stossen wir aber nur auf taube Ohren», sagt Aurelia Kindler. Die beiden sind mit den Nerven am Ende – bereits über hundert Objekte haben sie besichtigt. Überall erhielten sie eine Absage von den Eigentümern. Bis am Sonntag brauchen sie ein neues Zuhause. Ansonsten sind sie obdachlos. 

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Das Paar sucht für sich und seine Windhunde ein Haus mit mindestens 700 Quadratmetern Umschwung. Dafür sind die Frauen bereit, bis zu einer halben Million Franken zu investieren.  

Das Paar sucht für sich und seine Windhunde ein Haus mit mindestens 700 Quadratmetern Umschwung. Dafür sind die Frauen bereit, bis zu einer halben Million Franken zu investieren.  

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Aurelia (links) und Regine Kindler leben zurzeit mit ihren Hunden in einer Garage in Rüschegg Heubach im Kanton Bern. Das Paar sucht im Umkreis von hundert Kilometern ein Haus für sich und seine Windhunde. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Haus zum Kauf oder zur Miete ausgeschrieben ist.

Aurelia (links) und Regine Kindler leben zurzeit mit ihren Hunden in einer Garage in Rüschegg Heubach im Kanton Bern. Das Paar sucht im Umkreis von hundert Kilometern ein Haus für sich und seine Windhunde. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Haus zum Kauf oder zur Miete ausgeschrieben ist.

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Darum gehts

Aurelia und Regine Kindler suchen seit Monaten ganz bewusst nach einem Haus mit viel Umschwung. Etwas anderes kommt für sie nicht infrage. Denn: Das Paar lebt zusammen mit 26 Windhunden.

«Unseren Hunden und uns will niemand ein Obdach geben», sagt Aurelia Kindler. Die Verzweiflung bei ihrer Partnerin und ihr ist gross. Dass es nicht gewöhnlich ist, mit 26 Hunden zu leben, gibt das Paar zu. Trotzdem: Ein Leben ohne die Hunde kommt für sie nicht infrage. «Sie sind unsere Familie. Unser Lebenswerk und unser Lebensinhalt.»

Aufgrund der Liebe zu den Tieren haben sich Regine und Aurelia Kindler aber in eine Sackgasse manövriert. Am Sonntag, 12. Juni, müssen sie aus ihrem jetzigen Zuhause ausziehen. Und darüber sind sie eigentlich sogar dankbar. Denn zurzeit leben die zwei Frauen mit ihren Windhunden in einer Scheune, die zuvor als Garage genutzt wurde. «In einer Garage zu leben, wünscht sich in der Schweiz wohl niemand», sagt Aurelia Kindler.

Mit den Nerven am Ende

In diese beklemmende Situation ist das Paar gekommen, da der Traum vom Auswandern platzte. «Wir wollten in Frankreich ein Haus kaufen. Alles war geregelt. Doch dann zog der Verkäufer das Angebot zurück», sagt Kindler. Danach begann die Odyssee. Anstatt in Frankreich kamen die beiden mit ihren Hunden bei einer Freundin unter. Dort war abgemacht, nur für eine bestimmte Zeit zu bleiben. Das Paar war damals noch optimistisch, in dieser Zeit ein Haus für sich und die Hunde zu finden. Daraus wurde nichts. Nach der Freundin zog das Paar in die Scheune des Bruders.

Mittlerweile hat sich der Optimismus in Verzweiflung gewandelt. Die beiden Frauen sind mit den Nerven am Ende. Darum starten sie nun einen öffentlichen Aufruf: «An alle tierlieben Menschen da draussen: Habt ihr ein Haus mit Umschwung, auf dem Tiere erlaubt sind? Dann meldet euch sofort bei uns», sagt Aurelia Kindler. Das Paar ist bereit, für das neue Zuhause bis zu einer halben Million Franken zu bezahlen. 

«Alle sagen, die vielen Hunde seien das Problem»

Diverse Immobilien-Webseite haben sie abgeklappert und über hundert Objektbesichtigungen gemacht. «Wir stossen nur auf taube Ohren», sagt Kindler. Immer wieder bekommen die beiden die gleiche Antwort: Die vielen Hunde seien ein Problem. Die Hundeliebhaber können das nicht verstehen. «Wir alle haben doch ein Recht auf ein Zuhause. Unser Leben widmen wir den Hunden. Wir beurteilen andere auch nicht nach ihrem Lebensstil.» 

Die jungen Frauen hoffen, dass sie im Umkreis von knapp hundert Kilometern von Ostermundigen ein Haus beziehen können, da beide in dieser Region berufstätig sind. Auf den Job sind sie angewiesen, da sie mit den Hunden kein Geld verdienen. «Ich habe vor 14 Jahren meinen Beruf zum Hobby gemacht. Ich züchtete Windhunde. Heute aber nicht mehr. Es handelt sich also nicht um eine Hundezucht. Noch viel weniger handelt es sich jedoch um animal hoarding», sagt die diplomierte Tierpflegerin. Um den Tieren gerecht zu werden, sind beide bewusst als Schichtarbeiterinnen tätig. Die Hunde seien dadurch nie unbeaufsichtigt. 

Tierschutzorganisation zeigt sich skeptisch

Der Dachverband Berner Tierschutzorganisationen hat keine Kenntnisse über die aktuelle Situation von Aurelia und Regine Kindler. Angesprochen darauf, äussert sich der Präsident des Verbands skeptisch. «Die Haltung von 26 Hunden ist schwierig. Erst recht, wenn dafür nur zwei Personen aufkommen müssen», sagt Rolf Frischknecht. Die Tiere brauchen mindestens eine Stunde Auslauf pro Tag. Ob die Halterinnen den Anforderungen gerecht werden, könne er nicht beurteilen. «Gut jedoch ist, dass die eine der Frauen entsprechende Fachkenntnisse aufgrund ihrer Ausbildung aufweisen kann. Wir würden es begrüssen, wenn eine tierschutzkonforme Lösung gefunden wird», sagt Frischknecht.

Findest du es problematisch 26 Hunde in einem Haushalt zu halten?

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel.  079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00


Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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