Zalando betrogen : Paar muss für ergaunerte Luxusgüter teuer bezahlen 

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Zalando betrogen Paar muss für ergaunerte Luxusgüter teuer bezahlen 

Ein Paar hat bei Zalando Ware zu fremden Leuten bestellt und diese jeweils aus deren Briefkasten rausgeholt. Es handelt sich um etwa 300 Bestellungen im Wert von rund 170’000 Franken. Der Fall landete vor Gericht. Das Urteil: 24 und 20 Monate bedingt.

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Ein Paar musste sich vor dem Kriminalgericht Luzern verantworten, weil es gemeinsam «auf betrügerische Art und Weise» im Internet bei Zalando Ware bestellte. 

Ein Paar musste sich vor dem Kriminalgericht Luzern verantworten, weil es gemeinsam «auf betrügerische Art und Weise» im Internet bei Zalando Ware bestellte. 

20min/Gianni Walther
Der Gesamtwert beträgt über 170’000 Franken.

Der Gesamtwert beträgt über 170’000 Franken.

Gerichte Luzern
Die Anzahl der deliktischen Bestellvorgänge über rund zehn Monate würde zeigen, dass die zwei Mittäter im Sinne eines eigentlichen Berufes oder im Sinne eines Nebenerwerbs handelten, so das Kriminalgericht. 

Die Anzahl der deliktischen Bestellvorgänge über rund zehn Monate würde zeigen, dass die zwei Mittäter im Sinne eines eigentlichen Berufes oder im Sinne eines Nebenerwerbs handelten, so das Kriminalgericht. 

Gerichte Luzern

Darum gehts 

  • Ein Paar, das im Kanton Luzern lebt, hat bei Zalando «auf betrügerische Art und Weise» Waren bestellt. 

  • Im Auge hatten sie luxuriöse Kleider, Schuhe, Schmuck, Kosmetik und Pflegeprodukte. 

  • Der Gesamtwert beträgt über 170’000 Franken.

  • Beide Beteiligten wurden zu bedingten Freiheitsstrafen verurteilt. Der Mann wird fünf Jahre des Landes verwiesen.  

  • Er hat gegen das Urteil Berufung eingelegt. 

Das im Kanton Luzern wohnhafte Paar bestellte jeweils Ware «auf betrügerische Art und Weise» im Internet bei Zalando. Laut dem Urteil des Kriminalgerichts Luzern handelt es sich bei den Bestellungen meistens um Kleider, Schuhe, Schmuck, Kosmetik und Pflegeprodukte auf Rechnung. Bezahlt wurden die bestellten und ausgelieferten Sachen jedoch nie. Der Gesamtwert beträgt über 170’000 Franken. Laut dem Gericht hatte das Paar von «Anfang an weder die Absicht noch die finanziellen Möglichkeiten, die Rechnungen für die bestellte Ware zu bezahlen.» In mehreren Fällen hätten sie die Bestellungen zwar abgeschlossen, die bestellten Produkte aber nicht geliefert bekommen.

Um dennoch an die Produkte zu gelangen, wurden bei diversen Personen Briefkästen oder Klingeln fotografiert. Danach bestellte das Paar unter den falschen Namen, Adressen und den neu erstellten Kundenkonten weitere Waren bei Zalando. Bei diesem Vorgehen handelt es sich um sogenannte Totalfälschungen. Weil sie für die Bestellungen auch falsche Namen und frei erfundene E-Mail-Adressen verwendeten, täuschten die beiden Zalando arglistig über ihren Zahlungswillen, ihre Zahlungsfähigkeit und über ihre Identitäten.

Pakete wurden abgefangen oder abgeholt 

Die Bestellungen im Webshop Zalando wurden durch Computersysteme automatisiert überprüft und nach erfolgter Freigabe wurde die bestellte Ware durch Lagermitarbeiter gemäss den Computerangaben verpackt und verschickt. Nach den Bestellungen im Namen von Drittpersonen loggten sie sich in den darauffolgenden Tagen regelmässig im neu erstellten Kundenkonto bei Zalando ein. Sobald die Bestellung von Zalando der Post übergeben wurde, konnten sie einen Link anklicken und die Postsendung verfolgen.

Auf diese Weise wussten sie jeweils, zu welchem Zeitpunkt die Bestellung an die jeweilige Adresse geliefert wird. Dann musste das Paar nur noch zur bestimmten Adresse gehen und die Pakete vor dem jeweiligen Hauseingang abfangen oder abwarten, bis jemand das Haus verliess, sodass sie das im Haus deponierte Paket mitnehmen konnten. Teilweise haben sie aber auch die Abholungseinladung an sich genommen und das Paket abgeholt. Die Ware verwendeten sie für ihren Eigengebrauch oder verschenkten sie an Drittpersonen. In einigen Fällen wurden Waren auch wieder retourniert. 

Innerhalb von 284 Tagen 300 Bestellungen aufgegeben

Die Anzahl der deliktischen Bestellvorgänge über rund zehn Monate würde zeigen, dass die zwei Mittäter im Sinne eines eigentlichen Berufes oder im Sinne eines Nebenerwerbs handelten. So wurden innerhalb von 284 Tagen 300 Bestellungen aufgegeben. Das Gericht sah die dominante Rolle aufgrund der Beweise beim Mann, der von seiner Freundin bei den Taten unterstützt wurde. Laut Urteil waren seine Taten «einzig und allein darauf ausgerichtet, sich Luxusgüter anzueignen, die er niemals hätte bezahlen können».

Das Kriminalgericht befand den Mann und die Frau des gewerbsmässigen betrügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage und der mehrfachen Urkundenfälschung für schuldig. Er wird zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten bedingt verurteilt, bei einer Probezeit von zwei Jahren. Angerechnet werden ihm 28 Tage Untersuchungshaft. Zudem erhält er eine ebenfalls bedingte Geldstrafe in der Höhe von 1050 Franken. Hinzu kommt ein Landesverweis von fünf Jahren. Der Mann hat gegen das Urteil Berufung eingelegt. Seine Partnerin wird zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten verurteilt, bedingt bei einer Probezeit auf zwei Jahre. 

Der Privatklägerin Zalando müssen die beiden solidarisch eine Schadenersatzforderung in der Höhe von rund 24’500 Franken bezahlen. Die Verfahrenskosten werden vom Paar aufgeteilt. So hat der Mann noch rund 8500 Franken zu bezahlen und die Frau 7500 Franken.  

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