Aktualisiert 15.02.2018 18:51

Hochzeits-PossePaar muss wegen Hochzeitsfilm zum Verhör

Ein Brautpaar drehte mit Freunden ein Hochzeitsvideo in Kaltbrunn SG, leider im Naturschutzgebiet. Also folgten für die Beteiligten Anzeigen und schliesslich Bussen.

von
tso

Die Filmcrew ist mit dem Brautpaar befreundet und drehte den Film als Hochzeitsgeschenk. (Video: Tamedia Webvideo mit Material von Mauve Pictures)

Das Hochzeitsvideo von Björn und Larissa Häsler ist ein halber Spielfilm: Die Braut im cremefarbenen Kleid reitet durch die sonnenbeschienene Landschaft, ihr fällt ein Schuh vom Fuss. Der Bräutigam, bekleidet mit einem Gilet auf dem sonst nackten Oberkörper, findet den Schuh. Offenbar ist der Film an das Märchen vom Aschenputtel angelehnt.

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Mit wehendem Haar reitet die Braut über das Kaltbrunner Riet...

Mit wehendem Haar reitet die Braut über das Kaltbrunner Riet...

Screenshot Mauve Pictures/Tonio Krüger
...und verliert dabei ihren Schuh.

...und verliert dabei ihren Schuh.

Screenshot Mauve Pictures/Tonio Krüger
«Wer wird ihn wohl finden?»...

«Wer wird ihn wohl finden?»...

Screenshot Mauve Pictures/Tonio Krüger

Inzwischen musste sich auch die St. Galler Staatsanwaltschaft mit den romantischen Szenen befassen, wie die «Zürichsee Zeitung» schreibt. Reiten ist im Naturschutzgebiet Kaltbrunner Riet nämlich verboten. Zudem standen Autos im Fahrverbot und wurden die markierten Wege missachtet. Da ein Rietbesucher den Videodreh mitbekam und Pro Natura meldete, wurden Brautpaar und Filmcrew angezeigt. Geschehen ist der Vorfall im Oktober 2017. Es folgten Strafbefehle, die dieser Tage rechtskräftig geworden sind, wie Roman Dobler von der Staatsanwaltschaft St. Gallen auf Anfrage bestätigt.

In den sechs Strafbefehlen, die 20 Minuten vorliegen, lauten die Bussen inklusive Verfahrenskosten auf 400 Franken. Etwas härter trifft es den Chef der Filmcrew, der 550 Franken bezahlen muss.

Unschöne Szenen im Riet

Pro Natura St. Gallen-Appenzell bestätigt, dass der Vorfall durch einen Anwohner gemeldet wurde. «Der Mann hat die Gruppe auf die Verbotstafeln aufmerksam gemacht und gebeten, das Gebiet zu verlassen», so Geschäftsführer Christian Meienberger zu 20 Minuten. Die Gruppe habe sich aber uneinsichtig gezeigt und das Riet partout nicht verlassen wollen. «Aufgrund der Fotos und Beschreibungen des Besuchers haben wir uns dann entschieden, Anzeige zu erstatten.» Hätten Braut und Bräutigam mit sich reden lassen, wäre es nie zu einer Anzeige gekommen, versichert Meienberger. Man habe im Nachhinein versucht, Druck auf Pro Natura auszuüben, um die Anzeigen zu verhindern, sagt er. Später seien E-Mails gefolgt, mit dem Vorschlag, die Sache gütlich zu regeln. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte sich aber bereits das Untersuchungsamt Uznach mit dem Fall.

Das inzwischen vermählte Paar aus dem Zürcher Oberland hat alle Bussen bezahlt. «Wir haben eine Übertretung begangen und stehen dafür gerade», sagt Ehemann Björn Häsler am Mittwoch gegenüber 20 Minuten. Auch die Filmcrew, alles Freunde des Brautpaars, sehe dies ein. «Wir alle wurden von der Polizei befragt und verhielten uns kooperativ.» Am Vorgehen des Rietbesuchers hingegen stört er sich: «Der Mann war aggressiv und aufgebracht und drohte uns von Anfang an mit einer Anzeige», so Häsler. Ein klärendes Gespräch sei nicht möglich gewesen. «Weil wir also sowieso mit einer Anzeige rechnen mussten, haben wir das Video noch schnell fertig gestellt», räumt Häsler ein. Ihm sei es wichtig zu betonen, dass dabei die Natur überhaupt nicht zu Schaden kam. «Wir sind selber grosse Natur- und Tierfreunde», hält er fest. Man habe nur da gedreht, wo unmittelbar vorher auch ein Bauer mit schwerer Mähmaschine zugegen war.

Exempel statuiert?

Auch dass man auf Pro Natura Druck ausgeübt habe, sei nicht richtig: «Wir haben sogar Spenden und Arbeitseinsätze angeboten», sagt Häsler. Für ihn sehe es so aus, als habe der Besucher ein Exempel statuieren wollen. Wie 20 Minuten weiss, stört sich dieser offenbar schon länger daran, dass im Kaltbrunner Riet immer wieder Hündeler die Regeln missachten.

Dass der Bräutigam im Video lediglich ein Gilet trägt, war übrigens keine Absicht. Man habe das Hemd schlicht zuhause vergessen, sagt Häsler.

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