Porno-Praktiken: «Paare sollten offen über ihre Sex-Wünsche reden»
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Porno-Praktiken«Paare sollten offen über ihre Sex-Wünsche reden»

Zuhause wollten die Männer vermehrt hart zur Sache gehen, sagt eine Expertin für Frauen im Sexgewerbe. Die Praktiken aus Pornofilmen verlockten sie dazu.

von
bz
Frauen und Männer sind sich im Bett nicht immer einig: «Die Männer können gewisse Phantasien mit ihren Partnerinnen nicht ausleben», sagt Susanne Gresser.

Frauen und Männer sind sich im Bett nicht immer einig: «Die Männer können gewisse Phantasien mit ihren Partnerinnen nicht ausleben», sagt Susanne Gresser.

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Susanne Gresser, im Buch «Männermanieren» beschweren sich Prostituierte darüber, dass die Freier von Internetpornos versaut seien. Angeblich verlangen die Kunden immer schnelleren, härteren und extremeren Sex. Wie sieht es im Schlafzimmer der Männer aus?

Auch wir hören von unseren Sexarbeiterinnen ab und an, dass die Freier immer härtere Praktiken verlangen. Zum Beispiel wollen sie dann Kaviar oder Natursekt (Anmerk. d. Red: Spiele mit Fäkalien). So etwas ist im eigenen Schlafzimmer natürlich weniger willkommen.

Gehen die Männer also ins Puff, weil sie mit solch üblen Wünschen sofort aus dem eigenen Schlafzimmer spediert würden?

Ja. Die Männer können gewisse Phantasien und Wünsche mit ihren Partnerinnen nicht ausleben, oder sie trauen sich nicht, solche Wünsche anzubringen. Die Partnerinnen weigern sich in der Regel, sich auf solche Praktiken und anderen harten Sex einzulassen. Sogar unsere Sexarbeiterinnen, die das machen, erzählen es uns nicht, weil sie sich schämen. Wir erfahren es nur von ihren Kolleginnen.

Wie kommt es, dass die Männer heute vermehrt solche Bedürfnisse haben?

Die Männer müssen nicht mehr in einen Laden gehen und sich als Pornokonsumenten outen. Sie können die wüstesten DVDs anonym im Internet bestellen. Die Pornos machen den Männern vermehrt Lust auf harten und versauten Sex. Pornofilme wirken wie Werbung. Wenn sie gewisse Praktiken sehen, wollen sie das Dargestellte unbedingt auch selber ausprobieren.

Und mit welchen Augen betrachten sie die Prostituierten?

Sie sehen die Prostituierte nur noch als Objekt und gehen davon aus, dass sie mit einer Nutte alles machen können. Vor allem bei den jungen Männern gilt: Tür auf, reingehen, bumsen, zahlen und gehen. Sexarbeiterinnen, die einen kleineren Busen haben als angeblich im Inserat beschrieben, werden zudem oft als «Lügnerinnen» betitelt.

Sind eigentlich viele Männer pervers?

Das glaube ich nicht. Vielmehr ist der harte Sex ein Ventil, die Leistungsgesellschaft setzt die Männer heute stark unter Druck. Oft schlägt sich das in der Sexualität nieder. Um zu Hause eine erfüllende Sexualität zu leben, sollten die Paare über ihre Wünsche reden. Das wird auch heute in unserer sexualisierten Gesellschaft immer noch viel zu wenig gemacht.

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