Covid-Zertifikat - Paare verschieben Hochzeit wegen Tanz-Restriktionen
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Covid-ZertifikatPaare verschieben Hochzeit wegen Tanz-Restriktionen

Hochzeiten hätten derzeit eigentlich Hochsaison, trotzdem verschieben viele ihre Feste – teils bereits zum vierten Mal. Ein Grund: Tanzen ist nur mit einer Covid-Zertifikatspflicht erlaubt.

von
Céline Krapf
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Viele Hochzeiten finden auch diesen Sommer nicht wie geplant statt aufgrund der Corona-Massnahmen.

Viele Hochzeiten finden auch diesen Sommer nicht wie geplant statt aufgrund der Corona-Massnahmen.

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«In den Sommermonaten haben 70 Prozent der Paare ihre Hochzeit verschoben», sagt Jane Finger, Geschäftsführerin von Jane4Wedding.ch.

«In den Sommermonaten haben 70 Prozent der Paare ihre Hochzeit verschoben», sagt Jane Finger, Geschäftsführerin von Jane4Wedding.ch.

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Nur mit Covid-Zertifikat darf laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) getanzt werden – und dies sei für die meisten Paare essentiell, sagen die Expertinnen. 

Nur mit Covid-Zertifikat darf laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) getanzt werden – und dies sei für die meisten Paare essentiell, sagen die Expertinnen.

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Darum gehts

  • Ein grosser Teil der Hochzeiten wird noch immer verschoben. Dies, obwohl viele Massnahmen gelockert wurden.

  • Grund ist vielfach das Tanzverbot, das ohne Covid-Zertifikat in Innenräumen herrscht.

  • Gleichzeitig kann das Zertifikat teils für Anspannungen in der Familie sorgen.

«In den Sommermonaten haben 70 Prozent der Paare ihre Hochzeit verschoben», sagt Jane Finger, Geschäftsführerin von Jane4Wedding.ch. Bei einigen Paaren sei es bereits das vierte Mal. Beim Marrytale Weddings & Events wurden gar 85 Prozent der Hochzeitsfeste verschoben, sagt Geschäftsführerin Zrinka Sanjic. Stattfinden würden die Hochzeiten nun hauptsächlich mit Zertifikatspflicht. Denn: Nur mit Covid-Zertifikat darf laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) getanzt werden – und dies sei für die meisten Paare essentiell, sagen die Expertinnen.

Denn das Zertifikat hebt zwar alle Massnahmen bis auf die Obergrenze von 1000 Personen auf und lässt Tanzen zu – doch nicht alle Gäste sind bereit, sich vor der Hochzeit testen oder gar impfen zu lassen. Das kann zu Ausgrenzung führen, sagt Soziologin Katja Rost von der Universität Zürich. «Allerdings werden die Leute nicht einfach durch die Gesellschaft ausgegrenzt, sondern sie grenzen sich bewusst selbst aus.» Politik werde dann stärker gewichtet als Freundschaft und Familie. «Solche Situationen können Unverständnis schaffen und freundschaftliche oder familiäre Situationen anspannen», sagt Rost. Und auch langfristige Folgen haben: «Oft halten derartige Fehden fünf Jahre oder länger.» Ihr Rat: «Politik aus der Familie halten.» Und akzeptieren, wenn jemand nicht kommen wolle.

Der Druck mit dem Covid-Zertifikat sei «heikel», sagt aber der emeritierte Konfliktforscher Ueli Mäder von der Universität Basel: «Der Bund macht es sich etwas einfach, auf solche Mittel zu setzen.» Man solle zuerst die freiwillige Motivation für die Impfung und Testung durch Auseinandersetzung und Überzeugung erhöhen – und nicht durch selektierende Massnahmen, sagt der Soziologe.

Das gilt laut BAG

Wann macht eine Zertifikatspflicht Sinn? Und wie kommt man zum Zertifikat? 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen.

Mit wie vielen Leuten kann ich momentan feiern?

Bei privaten Anlässen gilt noch immer eine Obergrenze von 30 Personen in Innenräumen und 50 Personen im Freien. Findet das Fest in einer öffentlich zugänglichen Einrichtung statt (etwa in einem Restaurant-Saal, einer Waldhütte oder einem Vereinslokal), dürfen drinnen maximal 250 Gäste dabei sein, draussen 500 Gäste. Aber: Es gilt ein Tanzverbot. Zudem muss ein Schutzkonzept erarbeitet und umgesetzt werden, das beispielsweise Vorgaben zur Maskenpflicht und Konsumation beinhaltet.

Was, wenn man Tanzen will?

Wenn alle Gäste ein Covid-19-Zertifikat haben, darf getanzt werden. Auch Kapazitätsbeschränkungen und Maskenpflicht sind dann aufgehoben.

Wie kommen meine Gäste zum Zertifikat?

Wer mit einem Impfstoff geimpft wurde, der in der Schweiz zugelassen ist, und bereits zwei Dosen erhalten hat, bekommt vom Impf-Kanton ein Zertifikat. Auch Personen, die von einer Covid-19-Erkrankung genesen sind, und dies mit einem PCR-Test belegen können, erhalten ein Zertifikat für 180 Tage ab dem 11. Tag des positiven Tests. Wer nicht geimpft oder genesen ist, erhält das Zertifikat mittels eines Antigenschnelltests, der 48 Stunden gültig ist. Ein PCR-Test wäre sogar 72 Stunden gültig, jedoch muss er selbst bezahlt werden, wenn keine Symptome vorliegen.

Was kosten diese Tests?

Alle Testkosten von Schnelltests werden vom Bund übernommen - unabhängig davon, ob sie wegen Symptomen oder auf Eigeninitiative durchgeführt werden. Seit Anfang Juli kann man sich kostenlos täglich gratis mit einem Schnelltest testen lassen. PCR-Tests für Reisen müssen aber immer selber bezahlt werden. Die Kosten sind sehr unterschiedlich, im Testzentrum in der Stadt Zürich zum Beispiel kostet ein Test 137 Franken. Am Flughafen Zürich werden Express-PCR-Tests für 380 Franken angeboten.

Gibt es genügend Testkapazitäten?

Aufgrund der Sommerferien hat die Nachfrage nach Tests stark zugenommen. Termine sollten möglichst bald reserviert werden. Am besten informiert man sich laufend über die Websites der Testorte - die Kapazitäten werden regelmässig aktualisiert und aufgestockt.

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