Keine Drogen: Pablo Escobars Sohn baut jetzt Häuser
Publiziert

Keine DrogenPablo Escobars Sohn baut jetzt Häuser

Juan Pablo Escobar wuchs als Sohn des Drogenkönigs Escobar in Medellín auf. Heute nennt er sich Sebastián und ist Architekt.

von
M. Steiger
1 / 4
Das ist Sebastian Marroquin, geboren als Juan Pablo Escobar, Sohn des berüchtigten kolumbianischen Drogenbarons und Oberhaupt des Medellìn-Kartells.

Das ist Sebastian Marroquin, geboren als Juan Pablo Escobar, Sohn des berüchtigten kolumbianischen Drogenbarons und Oberhaupt des Medellìn-Kartells.

Sebastian Marroquin
Und das ist eines der Anwesen, die er designt hat: Die Casa Clau in Kolumbien.

Und das ist eines der Anwesen, die er designt hat: Die Casa Clau in Kolumbien.

Sebastian Marroquin
Sein Stil ist sehr geometrisch, mit klaren Linien und viel Stein.

Sein Stil ist sehr geometrisch, mit klaren Linien und viel Stein.

Sebastian Marroquin

Als Sebastián Marroquín noch ein Kind war, hiess er Juan Pablo Escobar und war der Sohn des berüchtigsten Drogenbarons von Südamerika: Pablo Escobar, dessen Leben gerade in der Netflix-Serie «Narcos» thematisiert wird. Marroquín wuchs auf einer 20 Quadratkilometer grossen Ranch auf, mit mehreren Swimmingpools und einem ganzen Zoo mit exotischen Tieren.

Eine Kindheit zwischen Luxus und Gangrivalität

«Ich war zwar nie auf Michael Jacksons Neverland Ranch, aber ich bezweifle, dass es auch nur ansatzweise an das Haus meiner Kindheit rankommt» sagt der 39-Jährige gegenüber «The Independent». Das Anwesen der Escobars war für den jungen Marroquín ein einziger grosser Spielplatz.

Als er älter wurde begleitete Marroquín seinen Vater und das Medellín-Kartell. Sie flohen vor der Polizei, legten sich mit anderen Gangs an und der junge Marroquín sah schnell die Risiken, die eine kriminelle Laufbahn mit sich bringt.

Architektur statt Drogenhandel

Nachdem Pablo Escobar in Medellín auf einem Hausdach erschossen worden war, flohen Marroquín, seine Mutter und seine Schwester erst nach Mosambik, dann nach Argentinien. «Dort hatte ich viel Zeit zum Nachdenken» sagt Marroquín gegenüber dem Architekturmagazin «ArchPaper».

«Ich habe einen neuen Sinn gesucht und mich entschieden, Architektur zu studieren. Architektur hat mein Leben gerettet. Es hat mir gezeigt, dass auch aus kaputten Dingen etwas Schönes und Neues entstehen kann. Das hilft mir nicht nur bei der Architektur, sondern grundsätzlich als Lebenseinstellung.»

Architektur und Design im Blut

Zwar schlug sein Vater eine kriminelle Laufbahn ein, in Marroquíns Familie gab es aber viele Künstler und Designer: Sein Grossvater war Förster und Schreiner, designte und baute viele Möbel selbst. Seine Tanten sind alle künstlerisch begabt, zeichnen und machen Skulpturen. Und: Seine Mutter ist Innenarchitektin. Nicht zuletzt habe sein Vater Architektur für Verstecke genutzt: geheime Türen, versteckte Keller.

Seine Arbeit lässt sich vor allem in Südamerika bewundern: In Kolumbien hat Marroquín zwei grosse Anwesen designt und gebaut, ein drittes steht in Argentinien. Eines der Häuser hat sogar, zusätzlich zur Küche, eine eigene Bäckerei. «Ich frage die Auftraggeber, ob Sie einen Panikraum oder so wollen – Kolumbien ist nun mal nicht besonders sicher. Und alle wollen, dass der Sohn von Pablo Escobar ihnen zeigt, wie man sich versteckt», sagt Marroquín und schmunzelt.

Von der Vergangenheit eingeholt

Das erste Haus, das Marroquín baute, war ein Mysterium: Er traf den Besitzer nie, war nie auf der Baustelle. Er bekam per Post Pläne und Anweisungen und führte diese aus. Entsprechend gross war der Schock, als Marroquín am Ende zum fertigen Haus eingeladen wurde und sah, wer sein Auftraggeber war.

«Der Besitzer des Hauses war ein Typ, der 1988 700 Kilo Dynamit in unser Haus gefahren hatte! Es war ein Wunder, das wir das überhaupt überlebten – es war damals die erste Autobombe in der Geschichte von Kolumbien. Ich habe also ein Haus für einen Mann gebaut, der mich als Kind umbringen wollte», erzählt Marroquín. «Auf absurde Art war es wohl ein Friedensangebot. Der Wind hat gedreht in Kolumbien. Wir wollen Frieden.»

Trotz Namensänderung immer ein Escobar

Heute arbeitet Marroquín an einem grossen Spa in Argentinien. Er sagt aber, für ihn sei es nicht leicht, Aufträge als Architekt zu bekommen. Wenn ein Auftraggeber die Wahl habe, dann würde er immer den Architekten nehmen, der nicht der Sohn des berüchtigten Drogenbarons sei.

Natürlich ist Marroquín auch bereit, daraus Profit zu schlagen: Er schrieb gerade sein zweites Buch über sein Dasein als Sohn von Pablo Escobar und über die Schwierigkeiten, die das mit sich bringt. «Es ist so schade, dass die Menschen mich wegen der Taten meines Vater verurteilen. Ich möchte kein Koksdealer sein. Ich wüsste zwar, wie man Koks dealt, aber ich will das nicht. Ich will auch gar nicht Millionär sein, damit macht man sich nur Feinde.»

Sie suchen ein Haus in der Schweiz? Hier finden Sie Angebote für Mietobjekte in Ihrer Nähe:

Interview mit Sebastián Marroquín

Sebastián Marroquín ist der Sohn von Drogenbaron Pablo Escobar. Mit 20 Minuten sprach er über über den Mythos rund um seinen Vater und die Legalisierung von Drogen.

Deine Meinung