11.08.2015 22:23

RauchstoppPac-Man-Bakterie macht Rauchen sinnlos

Pflaster, Kaugummi und Kampagnen: Es wird viel unternommen, Rauchern das Aufhören zu erleichtern. Ein US-Institut geht nun einen völlig neuen Weg.

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Es gibt eigentlich nichts, was für das Rauchen spricht.

Es gibt eigentlich nichts, was für das Rauchen spricht.

Keystone/AP/Dave Martin
Deshalb bemühen sich verschiedenste Stellen, den Nikotinsüchtigen das Aufhören zu erleichtern. So werden beispielsweise immer mehr rauchfreie Zonen errichtet.

Deshalb bemühen sich verschiedenste Stellen, den Nikotinsüchtigen das Aufhören zu erleichtern. So werden beispielsweise immer mehr rauchfreie Zonen errichtet.

Keystone/Gaetan Bally
Hinzu kommt ein grosses Angebot an sogenannten Entwöhnungshilfen.

Hinzu kommt ein grosses Angebot an sogenannten Entwöhnungshilfen.

Colourbox.com

Rauchen ist schlecht für die Gesundheit und auch für das Aussehen. Trotzdem greifen laut der Weltgesundheitsorganisation WHO weltweit rund eine Milliarde Menschen regelmässig zum Glimmstängel. Rund die Hälfte davon wird an ihrer Sucht sterben, prognostiziert die WHO.

Deshalb wird mit aller Macht versucht, die Raucher zum Aufhören zu bewegen – etwa mittels Rauchverboten, Entwöhnungshilfen oder Hypnose. Einen ganz neuen Weg gehen Forscher des Scripps Research Institutes im kalifornischen La Jolla: Sie haben ein Bakterium identifiziert, das in der Lage ist, das in Zigaretten enthaltene Nikotin unschädlich zu machen. Und zwar bevor es das Gehirn erreicht und dort seine – für den Raucher angenehme – Wirkung entfaltet (siehe Box 1).

Ein Bakterium wie Pac-Man

Das Team um Kim Janda entdeckte das Bakterium (Pseudomonas putida, kurz NicA2), das sie auch als Pac-Man-Bakterium (siehe Box 2) bezeichnen, in den Böden von Tabakfeldern. Dort nimmt es sämtliches Nikotin auf, um daraus den Kohlen- und Stickstoff zu ziehen, den es zum Leben braucht. «Es zieht seine Kreise und frisst Nikotin», so Janda in einer Pressemitteilung.

In einer Studie konnten die Wissenschaftler zeigen, dass NicA2 die Halbwertszeit des Nikotins von durchschnittlich drei Stunden auf rund 15 Minuten reduziert – und das ohne Nebenwirkungen. Sie gehen davon aus, dass chemische Veränderungen des Bakteriums die Überlebensdauer des Tabakstoffs weiter reduzieren können und so verhindert werden kann, dass das Nikotin das Gehirn überhaupt erreicht. So könnte das Nikotin seine Wirkung gar nie entfalten, wodurch das Rauchen seinen Reiz verlieren würde.

Das berichten Janda und seine Kollegen im «Journal of the American Chemical Society». Sie hoffen, dass das modifizierte NicA2 dereinst als Impfung verabreicht werden kann.

Warum Pac-Man?

Pac-Man ist ein Arcade- und Videospiel, das 1980 veröffentlicht wurde. Der Name leitet sich von der japanischen Lautmalerei paku paku für «wiederholt den Mund öffnen und schliessen» und der Puck-förmigen Gestalt der Hauptfigur ab. Diese muss Punkte in einem Labyrinth fressen, während sie von Gespenstern verfolgt wird. Sind alle Punkte gefressen, gelangt man in das nächste Level. Dieses unterscheidet sich vom vorigen im Wesentlichen nur durch die höhere Spielgeschwindigkeit. Die Steuerung erfolgt per Joystick.

So wirkt Nikotin

Nikotin erreicht über die Lunge und das Blut innerhalb von etwa zehn Sekunden nach dem Einatmen das Gehirn. Dort bindet es sich an die sogenannten Acetylcholin-Rezeptoren – für bestimmte biochemische Signalprozesse spezialisierte Zellen. Es regt beispielsweise eine Steigerung der Dopamin-Produktion an, was mit einem unmittelbaren Wohlgefühl beziehungsweise dem Gefühl von Beruhigung einher geht. Der Raucher wird quasi belohnt.

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