Es brodelt auf Ibiza: Pacha-Urgestein will Ibiza revolutionieren
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Es brodelt auf IbizaPacha-Urgestein will Ibiza revolutionieren

Horrende DJ-Gagen, monotone Musik und Konkurrenzdruck: Pacha-Patriarch Ricardo Urgell gab Top-DJs den Laufpass. Ist die Partyinsel reif für einen Imagewechsel?

von
Anne-Sophie Keller

Der Pacha-Club dominiert das spanische Partyparadies Ibiza seit den 70er-Jahren. Die Inseldisco mit ihren nächtelangen Partys wurde zu einem globalen Symbol hedonistischen Glamours und vom renommierten DJ Mag zum drittbesten Club der Welt gekürt (tilllate.com berichtete). Durch die zunehmende Popularität elektronischer Musik sind auch die Gagen der DJs enorm gestiegen.

«Die DJ-Löhne sind Missbrauch»

Der 75-jährige Pacha-Patriarch Ricardo Urgell hat aber die Nase voll und feuerte bereits letztes Jahr den langjährigen Musikverantwortlichen Danny Whittle. Nun wurde der Vertrag mit DJ-Urgestein Erick Morillo nicht verlängert. Zuvor erhielten schon Headliner wie Tiësto, Luciano und Pete Tong den Laufpass.

«Die DJs wollten mehr Geld und weniger spielen», offenbart Urgells Bruder José nun der «New York Times». «Es war Missbrauch. Wir mussten alle unsere Pläne neu kalkulieren», so der 74-Jährige weiter. «Wenn Guetta bei einem Mega-Festival 120 000 Franken verdient, ist das etwas anderes. Aber es gibt schon DJs, bei denen man sich fragt, ob diese Gagen gerechtfertigt sind», sagt auch die Schweizer Ibiza-Ikone Ulises Braun auf Anfrage von tilllate.com.

Las Vegas als Konkurrenz-Stadt

Doch nicht nur horrende Lohnforderungen machen dem Club zu schaffen: So ist beispielsweise Tiësto diesen Sommer überhaupt nicht in Ibiza anzutreffen. «Es war Zeit für eine Veränderung. Ich freue mich unglaublich auf meine Residencies in Las Vegas», liess er verlauten. Längst hat das Spielerparadies in der Wüste Nevadas das lukrative Geschäft mit der elektronischen Musik entdeckt; wo früher alternde Popstars auftraten, legen heute Superstar-DJs auf.

Während sich Las Vegas also zunehmend zur Party-Destination mausert, beginnt das dekadente Image Ibizas zu bröckeln. Denn: Elektronische Musik hat die Insel zwar gross gemacht, durch die Kommerzialisierung aber auch deren Besucherstruktur verändert: Wo früher Szenenkenner feierten, eskalieren heute hunderttausende junge Feierwütige. Zeit für einen Imagewechsel?

Back to the roots

Als Lösung versucht das Pacha nun einen Schritt zurück zu seinen Wurzeln: Als das Lokal in den 70ern und zu Zeiten des Diktators Francisco Franco öffnete, bot es Künstlern, Hippies und anderen Freigeistern einen Zufluchtsort. Aus diesem Grund wird diesen Sommer die wöchentliche «Flower Power»-Party erneuert. Ausserdem folgen mehr Underground-Acts wie der Israeli Guy Gerber. «Ich will Nächte kreieren, die an das Ibiza vor 30 Jahren erinnern», so der 38-jährige DJ letzte Woche.