Pädophile Priester: Generalvikar kritisiert Medien
Aktualisiert

Pädophile Priester: Generalvikar kritisiert Medien

In einem offenen Brief hat der Generalvikar des Bistums Basel, Roland Trauffer, Medienberichte über mutmassliche sexuelle Missbräuche durch katholische Priester kritisiert.

Im Fall der katholischen Kirche gelte wegen «auflagenträchtiger Denkschablonen» seit geraumer Zeit die «Schuldvermutung, bis zum Erweis der Unschuld». Dies hält Trauffer in einem offenen Brief fest, den er heute veröffentlichte. Neu sei das «Mass an Schamlosigkeit», mit dem «gewisse Medien den Applaus ihrer Leserschaft» suchten. «Die Richter sitzen in den Redaktionsstuben», schrieb er ausserdem.

Vorverurteilungen unentschuldbar

Jede Form sexuellen Missbrauchs sei selbstverständlich etwas Unentschuldbares und gehöre rechtlich geahndet. Das Verurteilen einer möglicherweise unschuldigen Person ohne klare Beweise sei jedoch ebenso unentschuldbar. Trauffer vertritt derzeit den Basler Bischof Kurt Koch, der sich auf Anraten der Ärzte eine dreiwöchige Auszeit nahm.

«Tickende Kinderschreck-Zeitbomben»

In den Berichten einzelner Medien werden laut dem Generalvikar «alle katholischen Priester als potenzielle Kinderschänder betrachtet». Dies allein deshalb, weil sie durch ihren Entscheid zum Zölibat keine eigene Familie gründeten und Enthaltsamkeit gelobten.

Pädophile vor allem «ausserhalb der Priesterstuben»

Tausende von Menschen, die sich ein Leben lang in der Seelsorge engagierten, würden auf «tickende Kinderschreck-Zeitbomben» reduziert. Es müsse über den Ort gesprochen werden, «in dem Pädophilie wirklich ein grosses Problem ist, nämlich in der Welt ausserhalb der Priesterstuben», schrieb Trauffer.

Neben verschiedenen Medienberichten wird im offenen Brief auch das «Wort zum Sonntag» im Schweizer Fernsehen vom 2. Februar kritisiert.

(sda)

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