Trotz Verurteilung : Pädophiler nahm an Lager mit 230 Kindern teil
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Trotz Verurteilung Pädophiler nahm an Lager mit 230 Kindern teil

Ein verurteilter Kinderschänder nahm trotz Kontaktverbot zu Kindern an einem Pfingstlager mit 230 Minderjährigen teil. Er wurde zu einer Geldstrafe von 9000 Franken verurteilt.

von
mon
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Ein verurteilter Kinderschänder nahm an einem Pfingstlager mit 230 Mädchen und Buben teil. (Symbolbild)

Ein verurteilter Kinderschänder nahm an einem Pfingstlager mit 230 Mädchen und Buben teil. (Symbolbild)

iStock/Coldsnowstorm
Das Pfingstlager auf dem Thaynger Heerenberg hatte die Freie Evangelische Gemeinde Thayngen organisiert.

Das Pfingstlager auf dem Thaynger Heerenberg hatte die Freie Evangelische Gemeinde Thayngen organisiert.

Obwohl ein heute 24-jähriger Mann vom Kantonsgericht Schaffhausen wegen mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern und wegen Schändung verurteilt worden war, nahm er am Pfingstlager auf dem Thaynger Heerenberg mit 230 Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis 16 Jahren teil.

Dabei hatte ihm das Gericht 2015 ein zehnjähriges Berufs- und Tätigkeitsverbot mit Minderjährigen auferlegt und eine unbedingte zweijährige Haftstrafe, die zugunsten einer ambulanten Therapie aufgeschoben wurde, ausgesprochen.

Informationen aus dem Umfeld des Opfers

Organisatorin dieses Pfingstwochenendes im Mai war die Freie Evangelische Gemeinde Thayngen (FEG). Auch nachdem jemand aus dem Umfeld des früheren Opfers die Lagerleitung darüber informiert haben soll, dass ein verurteilter Kinderschänder vor Ort sei, habe der 24-Jährige bleiben dürfen, wie die «Schaffhauser AZ» schreibt. Der Schaffhauser soll sich schon lange in den freikirchlich-evangelikalen Kreisen der Region bewegen und eine Lehre in der Industrie absolviert haben.

Laut Boris Grunau, Pastor und Hauptverantwortlicher des Pfingstlagers, sei mit dem Informanten vereinbart worden, dass der 24-Jährige nach seiner Aufgabe den Platz jeweils umgehend verlasse. «Die Präsenzzeit der betreffenden Person am Pfingstlager betrug insgesamt 30 Minuten – dreimal zehn Minuten», erklärt Gruner. Zudem sollen die 30 Minuten an den drei Tagen weder Betreuungsaufgaben noch sonstigen näheren Kontakt zu den Teilnehmern beinhaltet haben.

Wegen «Missachtung eines Tätigkeitsverbots» verurteilt

Die Schaffhauser Staatsanwaltschaft sah das Ganze kritischer und leitete nach dem Pfingstlager eine Untersuchung ein. «Wir nehmen die Stellungnahme zur Kenntnis, halten aber in aller Deutlichkeit fest, dass sich der Beschuldigte an mehreren Tagen im Lager befand, bei einem Theaterstück mitgespielt hat, beim Auf- und Abbau mithalf und dabei auch Kontakt mit Kindern hatte», sagte der leitende Staatsanwalt Peter Sticher.

Dabei soll es zwar zu keinen strafbaren Handlungen mit Kindern gekommen sein. Trotzdem wurde der 24-Jährige im September wegen «Missachtung eines Tätigkeitsverbots» zu einer unbedingten Geldstrafe von insgesamt 9000 Franken verurteilt.

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