Anstalten voll: Pädophiler trotz hoher Rückfallgefahr frei
Aktualisiert

Anstalten vollPädophiler trotz hoher Rückfallgefahr frei

Wegen hohem Rückfallrisiko soll der verurteilte Kinderschänder Christoph Egger weggesperrt werden. Trotzdem ist er auf freiem Fuss. Grund: In den Anstalten ist kein Platz frei.

von
Tanja Bircher

Vor 20 Jahren hat Christoph Egger mehrere Jungen im Alter zwischen 9 und 15 missbraucht und oral befriedigt. «Mein Jagdgebiet waren Rummelplätze», erzählt er in der knapp 30-minütigen Doku «Leben als Pädophiler» des Filmers Alain Godet. Wegen seiner Taten musste er für 8 Jahre in Haft, wurde während 6 Jahren auf einer geschlossenen Therapie behandelt. Zwischen 2008 und 2009 wurde er rückfällig: In Chats bandelte er mit Buben an und befriedigte sich vor der Web-Cam. Auch dieses Mal kam man dem Pädophilen auf die Schliche. Egger beschloss daraufhin, sich durch eine Trieb hemmende Therapie chemisch kastrieren zu lassen.

«Urteil seit 14. März rechtskräftig»

Im Juli 2011 wurde er zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt, kam nach Anrechnung der U-Haft frei – mit zwei Auflagen: Die Trieb hemmende Lucrin-Therapie lebenslänglich weiterzuführen und seine ambulante Psychotherapie zu besuchen. Er hielt sich daran, der Basler lebt seither in einer Blockwohnung mit seinem 30-jährigen Partner und einer Katze zusammen.

Doch nach zweieinhalb Jahren kamen die Behörden zum Schluss, dass von Egger immer noch Gefahr ausgeht. Er kam wieder vor Gericht, eine sogenannte «kleine Verwahrung» in Form einer mehrjährigen stationären Therapie wurde angeordnet. Begründung: Egger wird eine hohe Rückfallgefahr attestiert. Das Urteil ist seit dem 14. März 2013 per Bundesgerichtsentscheid rechtskräftig. Trotzdem ist Egger nach wie vor auf freiem Fuss. Man warte auf einen freien stationären Therapieplatz, heisst es von Seiten der Behörden.

«Das ist ein absoluter Skandal»

Wie es möglich ist, dass ein verurteilter Pädophiler mit hoher Rückfallgefahr seit Monaten frei herumläuft, kann in Basel auf zahlreiche Anfragen hin niemand erklären. Die Staatsanwaltschaft, das Zwangsmassnahmengericht, das Appellationsgericht und die Vollzugsbehörde reichen die Verantwortung im Kreis herum.

Politiker zeigen sich schockiert: «Das sind unhaltbare Zustände», sagt CVP-Nationalrat Jakob Büchler. «Es kann nicht sein, dass man für einen brandgefährlichen Menschen keinen Platz findet.» Vor allem wenn man bedenke, was kürzlich in Genf passiert sei, als ein Vergewaltiger auf einem Spaziergang seine Therapeutin ermordete. «Die Justiz scheint ihre Arbeit gemacht zu haben, aber es liegt jetzt in der Verantwortung der Kantone, eine Lösung zu finden», so Büchler. Dieser Mann müsse umgehend verwahrt werden, und wenn man ihm einen Platz in der Untersuchungshaft geben müsse.

Auch der Basler SVP-Nationalrat Sebastian Frehner kann es kaum fassen: «Das ist ein absoluter Skandal, es kann doch nicht sein, dass das reichste Land der Welt keinen Platz für einen verurteilten und offenbar gefährlichen Pädophilen findet.» Die wichtigste Aufgabe des Staates sei, für die Sicherheit der Bürger zu sorgen, in diesem Fall tue er das Gegenteil. «Wir wissen doch, dass diese Menschen jederzeit wieder ein schwerwiegendes Delikt begehen könnten, das ist unhaltbar.» Der Staat kümmere sich weiss Gott um viel Unsinn, da sei es unglaublich, dass er sich hier völlig hilflos benehme.

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