Pädophilie-Affäre: Bischöfe gehen über die Bücher

Aktualisiert

Pädophilie-Affäre: Bischöfe gehen über die Bücher

Der Fall des Schweizer Priesters unter Pädophilieverdacht zieht weitere Kreise. Nachdem die katholische Kirche am Wochenende eine Mitschuld eingestand, überprüft nun die Schweizerische Bischofskonferenz (SBK) ihre internen Richtlinien.

Der Fall des 67-jährigen Priesters sei noch unübersichtlich, sagte SBK-Sprecher Walter Müller am Montag gegenüber Schweizer Radio DRS. Die Bischofskonferenz werde aber auf jeden Fall ihre 2002 erlassenen Richtlinien für den Umgang mit pädophilen Priestern überprüfen und eventuell anpassen.

Am Wochenende hatten hohe katholische Repräsentanten eingestehen müssen, dass die katholische Kirche eine Mitschuld trage. Dem Bistum von Lausanne, Genf und Freiburg war nämlich seit 1989 bekannt, dass der heute 67-jährige Priester mindestens ein Kind sexuell missbraucht hatte.

Kirche gesteht Mitschuld ein

Der Offizial des Bistums, Nicolas Betticher, sprach in einem Interview mit der Westschweizer Zeitung «Le Matin dimanche» von «geheimem Einverständnis». Die zivilen Gerichte seien nie informiert worden.

Stattdessen sei der heute 67-Jährige nach Frankreich disloziert worden. Dort habe er sich jedoch erneut an einem Kind vergangen, sagte Betticher, der als Offizial im katholischen Kirchengericht tätig ist. Es tue ihm weh, von geheimem Einverständnis zu reden, doch diese Bezeichnung sei zutreffend.

Betticher plädierte in Interviews mit den Westschweizer Tageszeitungen «24 heures» und «Tribune de Genève» vom Montag zudem für die Schaffung einer internationalen Datenbank. Die weltliche Justiz müsste dabei einbezogen werden, denn diese besitze Mittel, welche die Kirche nicht habe.

Auch der Verantwortliche der Schweizer Kapuziner, Ephrem Bücher, gab eine Mitschuld seines Ordens zu. «Wir sind als Kapuziner dafür verantwortlich, was geschehen ist», sagte er gegenüber Radio Suisse Romande. «Wir haben damals nicht so reagiert, wie wir hätten sollen.»

Heute anders handeln

Gegenüber der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens sagte Betticher, heute würde das Bistum anders reagieren. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die Richtlinien für pädophile Priester.

Diese sehen vor, dass der Bischof Opfer von pädophilen Priestern anhört. Für Schadenersatz wäre zuerst der verdächtige Priester zuständig. Geht das nicht, wird auch der Bischof reagieren.

Teilweise geständig

Der 67-jährige Kapuzinerpriester ist geständig, seinen 12-jährigen Neffen im Jahr 1992 missbraucht zu haben. Weiter sagte er, in Frankreich sei es lediglich ein Mal zu Zärtlichkeiten mit einem Knaben gekommen.

Der heute im Delsberger Kloster Montcroix lebende Priester war auf Ersuchen der französischen Behörden vom jurassischen Generalstaatsanwalt verhört worden. Ihm werden von Frankreich sexuelle Handlungen mit Minderjährigen vorgeworfen.

Parallel dazu untersuchen die jurassischen Behörden, ob der Priester in der Schweiz Übergriffe begangen hat, die noch nicht verjährt sind. Der verdächtigte Priester lebt seit zwei Jahren in Delsberg, nachdem er über zehn Jahre in Frankreich gelebt hatte. Verhaftet wurde er bisher nicht. (sda)

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