Anschlag in Olten: Paketbombe explodierte bei AKW-Verband
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Anschlag in OltenPaketbombe explodierte bei AKW-Verband

Beim Anschlag gegen das AKW-Konsortium Swissnuclear in Olten wurden zwei Frauen verletzt. Die heftige Explosion hinterliess ein Chaos in den Räumen, ein Opfer ist immer noch im Spital.

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amc/meg/meo

Kurz nach 8 Uhr ist in einem Geschäftsgebäude in Olten eine Paketbombe explodiert. Dabei wurden zwei Frauen verletzt. «Sie haben die explosive Sendung geöffnet», sagt Thalia Schweizer, Sprecherin der Kantonspolizei Solothurn. Beide Frauen erlitten ein Gehörtrauma, eine Frau erlitt zudem Verletzungen im Brustbereich und an den Armen, teilte die Polizei vor Ort mit. Die beiden Opfer wurden ins Spital gebracht, eine Frau konnte die Klinik wieder verlassen. Die Wucht der Explosion räumte einen Tisch ab und hinterliess gemäss Polizei ein Chaos. Die Explosion sei auch in der angrenzenden UBS-Filiale deutlich zu hören gewesen, so ein UBS-Mitarbeiter gegenüber 20 Minuten Online. Das Gebäude habe gezittert.

Der Anschlag galt entgegen ersten Meldungen nicht der UBS, sondern hat ganz offensichtlich einen politischen Hintergrund: Die explosive Sendung war an Swissnuclear adressiert. Der Zusammenschluss der Schweizer AKW-Betreiber setzt sich «für den sicheren und wirtschaftlichen Betrieb der Kernkraftwerke in der Schweiz» ein, wie es auf der Homepage heisst. Sie ist im selben Gebäudekomplex wie die UBS an der Froburgstrasse 17 einquartiert. Für eine Stellungnahme war bislang niemand erreichbar. Gemäss Polizei wurden die Angestellten des betroffenen Büros evakuiert. Insgesamt befanden sich fünf Personen in den Büroräumlichkeiten im sechsten Stock. Das Gebäude wurde zwischenzeitlich abgeriegelt, inzwischen haben die restlichen Firmen den Betrieb wieder aufgenommen.

Greenpeace demonstriert gegen AKW-Betreiber

Seit dem frühen Morgen demonstriert Greenpeace in Olten gegen den AKW-Betreiber Alpiq. Die Polizei prüft, ob es einen Zusammenhang gibt. Der Umweltverband betonte, dass er damit nichts zu tun habe. «Wir sind selber schockiert», sagt Sprecher Yves Zenger gegenüber der «Aargauer Zeitung». Greenpeace stehe für absolute Gewaltfreiheit. «Wir verurteilen den Anschlag gegen Swissnuclear aufs Schärfste.»

Der Stadtpräsident von Olten hat rund eine Stunde nach der Explosion vom Anschlag erfahren. «Ich bin fassungslos», so Ernst Zingg.

Er könne über eine solche Tat nur den Kopf schütteln. «In der Atomdebatte ist aber im Moment ganz offensichtlich mit allem zu rechnen», so Zingg weiter. Um so wichtiger sei es, dass der Anschlag nun schnell aufgeklärt werde und die Bevölkerung Klarheit erhalte über die Hintergründe und die Täter.

Im Büro von Swissnuclear ist der kriminaltechnische Dienst der Kantonspolizei mit der Spurensicherung beschäftigt. Zur Verstärkung der Ermittlungen ist der forensische Dienst aus Zürich eingetroffen. Die Polizei erhofft sich aufgrund des Sprengmaterials und der Bauart des Zünders Anhaltspunkte auf die Urheber. «Es gibt bisher kein Bekennerschreiben», sagt Polizeisprecherin Schweizer.

Leuthard: «Keine falschen Schlüsse daraus ziehen»

Energieministerin Doris Leuthard mochte sich an einer Medienkonferenz in Bern nicht zum Anschlag äussern. Darauf angesprochen sagte sie: «Ich kann dazu noch nichts sagen.» Sie sei auf dem Weg zur Medienkonferenz darüber informiert worden, dass Online darüber berichtet werde, wolle aber nicht falsche Schlüsse ziehen.

Der Anschlag stiess aufgrund der aktuellen Atomdebatte weltweit auf grosses Interesse: Online-Portale von Österreich über Deutschland bis in die USA und Dubai berichteten über den Anschlag.

(amc/meg/meo/sda)

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Anschlag wird verurteilt

höchst feige und verachtenswert und haben absolut nichts mit der Anti-AKW-Bewegung in der Schweiz und in anderen Ländern zu tun», halten die Grünen fest. Sie hoffen, dass es nicht zu weiteren solchen Angriffen kommt und dass die Untersuchungsbehörden die Schuldigen so schnell wie möglich zur Verantwortung ziehen können.

konstruktive energiepolitische Diskussion geführt werden kann».

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