Pakistan: Ex-Regierungschef Sharif zurückgekehrt

Aktualisiert

Pakistan: Ex-Regierungschef Sharif zurückgekehrt

Der frühere pakistanische Premierminister Nawaz Sharif ist acht Jahre nach seinem Sturz in seine Heimat zurückgekehrt. Im Vorfeld seiner Rückkehr waren wohl hunderte seiner Anhänger verhaftet worden.

Tausende bereiteten dem Chef der Muslim-Liga trotz eines Versammlungsverbots einen begeisterten Empfang. Auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt wurde er mit Spruchbändern, Parteifahnen und «Lang lebe Sharif!»-Rufen empfangen.

Sharif wandte sich per Megafon an seine Anhänger. «Ich bin gekommen, um die Diktatur zu beenden und die Demokratie in diesem Land wieder herzustellen», rief er.

Vor seiner Rückkehr hatten die Sicherheitskräfte nach Angaben der Muslim-Liga über 3000 Menschen festgesetzt. Die Polizei nannte die Zahl übertrieben. Mit Schlagstöcken vertrieben die Beamten aber Anhänger Sharifs, die in den Flughafen eingedrungen waren.

Die Sicherheitsmassnahmen waren vor der Ankunft des Politikers verschärft worden. Rund 5000 Beamte waren im Einsatz, um Attentate zu verhindern. Bei der Rückkehr von Oppositionspolitikerin Benazir Bhutto im Oktober waren bei Anschlägen in Karachi 139 Menschen getötet worden.

Sharifs zweiter Anlauf

Die Regierung von Präsident Pervez Musharraf will nach eigenen Angaben Sharif weder abzuschieben noch festzunehmen. Nach Medienberichten steht hinter der Einreiseerlaubnis eine Abmachung mit Musharraf, die auf Druck des Westens und Saudi-Arabiens zustande kam. In dem Land hatte Sharif sieben Jahre im Exil gelebt.

Der 57-Jährige reiste mit einem Flugzeug des saudi-arabischen Königs nach Pakistan. Nach seiner Ankunft bestritt Sharif, dass es einen Handel mit Musharraf gegeben habe. «Ich habe mit General Musharraf kein Abkommen geschlossen, ich werde mich nie mit ihm einigen», sagte er.

Sharif war bereits im September nach Pakistan gereist, aber umgehend wieder abgeschoben worden. Der Ex-Premier war im Dezember 2000 ins Exil geschickt worden, nachdem Musharraf in einem Militärputsch Sharifs Regierung gestürzt hatte.

Beobachtern zufolge hofft Musharraf, dass mit der Rückkehr Sharifs die Chefin der Pakistanischen Volkspartei PPP, Bhutto, in Schach gehalten werden kann. Musharraf hatte zunächst auf einen Deal mit Bhutto gesetzt und diese aus dem Exil zurückkehren lassen.

Sharif nimmt an Wahlen teil

Der zweimalige Regierungschef kündigte eine Teilnahme seiner Muslim-Liga an den für den 8. Januar vorgesehenen Parlamentswahlen an. «Wir werden unsere Papiere einreichen und all die Politiker demütigen, die die Diktatur unterstützten», sagte Sharif.

Vor seiner Rückkehr hatte er ein Ende des Anfang November verhängten Ausnahmezustandes gefordert. Auch Bhuttos Partei will an den Wahlen teilnehmen.

Am Samstag erklärte die Wahlkommission Musharraf offiziell zum Sieger der Präsidentenwahl vom Oktober. Zuvor hatte das Oberste Gericht, das seit der Verhängung des Ausnahmezustands mit Musharraf- treuen Juristen besetzt ist, alle Einwände gegen die Rechtmässigkeit seiner Wiederwahl zurückgewiesen.

Bei zwei Anschlägen auf die Armee in Rawalpindi wurden am Samstag nach verschiedenen Quellen zwischen 15 und 28 Menschen getötet. Rawalpindi ist ein Vorort der Hauptstadt Islambad. Neben dem Generalstab hat dort auch Musharraf seinen Amtssitz. (sda)

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