Offensive gegen Taliban: Pakistan kämpft mit erfolgloser Taktik
Aktualisiert

Offensive gegen TalibanPakistan kämpft mit erfolgloser Taktik

Bei der gross verkündeten Schlacht um das Swat-Tal scheint sich das pakistanische Militär auf eine Taktik zu verlassen, mit der es schon früher gegen die Taliban im Grenzgebiet zu Afghanistan gescheitert ist.

von
Chris Brummitt
AP

Luftangriffe, Bombardements und Artilleriebeschuss, doch kein Nahkampf: So gingen die Streitkräfte schon bei früheren Offensiven vor, die in Städten und Dörfern zahlreiche Opfer forderten, die Bevölkerung in die Flucht trieben, und doch nichts Wesentliches änderten.

«Wenn die Regierung, wenn die Armee die Taliban unter Kontrolle bekommen und zerschlagen will, warum schicken sie dann keine Bodentruppen, um sie hinauszujagen?», fragt der 50-jährige Yar Mohammad, der aus dem Tal entkommen und in einem Flüchtlingslager gelandet ist. «Warum bombardieren sie bloss? Das trifft die Bevölkerung am schwersten und bringt sie gegen die Regierung auf.»

Besessen vom Feindbild Indien

Dabei findet Pakistan gerade jetzt so viel Unterstützung wie selten. Die USA haben Milliarden an Militärhilfe spendiert und den Truppen im Nordwesten Ausbilder zur Seite gestellt. Das verbessere die Möglichkeiten, doch müsse sich Pakistan auch von der Besessenheit mit dem Erzfeind Indien lösen, meinen Militärexperten.

Seit über 50 Jahren sind die Streitkräfte auf Krieg gegen Indien gepolt, nicht auf Häuserkampf gegen Aufständische im eigenen Land. An der afghanischen Grenze stehen derzeit über 100 000 der insgesamt 500 000 Soldaten, der grösste Teil der übrigen an der indischen Grenze. «Sie versuchen, die Prioritäten zu verschieben, aber die Denkweise ist immer noch an Indien ausgerichtet», erklärt der Experte und frühere General Talat Masood.

Bei den Kämpfen im Swat-Tal wurden nach Militärangaben Dutzende militante Islamisten getötet. Zu Opfern unter der Zivilbevölkerung gibt es keine offiziellen Zahlen. Nach jüngsten Angaben der Vereinten Nationen sind in den vergangenen Tagen im Nordwesten 500 000 Menschen geflohen, seit August insgesamt eine Million. Die Taliban im Swat-Tal sollen bis zu 7000 Kämpfer zählen, viele davon mit Ausbildung und Kampferfahrung, gerüstet mit Granaten, Sprengstoff und automatischen Waffen. Ihnen stehen rund 15 000 Regierungssoldaten gegenüber.

Kritik zurückgewiesen

Es ist die bisher umfänglichste Operation im Grenzgebiet, seit im März eine Offensive in den Distrikten Bajur und Mohmand beendet wurde. Dabei wurden viele Taliban getötet oder vertrieben, aber auch ganze Städte zerstört und hunderttausende Einwohner in die Flucht getrieben. Seitdem gab es in beiden Distrikten wieder mehrere Angriffe der Taliban.

Militärsprecher Generalmajor Athar Abbas weist Kritik am Vorgehen dort und in Swat zurück. Die Angriffe zielten auf Orte, an denen sich nachweislich Militante aufhielten. Zudem sei die Operation noch im Gange, und die Taktik werde fortentwickelt. Armeechef General Ashfaz Parvez Kayani versicherte am Donnerstag, es würden in der Swat-Offensive ausreichend Kräfte eingesetzt, um den Aufstand niederzuschlagen.

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