Aktualisiert 25.02.2008 10:55

Pakistan legt YouTube weltweit lahm

Das Videoportal YouTube war am Sonntag während mehr als einer Stunde in weiten Teilen der Welt nicht erreichbar. Ursache war eine Anweisung der pakistanischen Regierung, den Zugang zur beliebten Site zu blockieren.

«Wir wurden angewiesen, YouTube sofort zu blockieren, und zwar bis auf Weiteres», sagte Wahaj-us-Siraj von der Vereinigung der pakistanischen Internet-Provider am Sonntag. Als Grund nannte die Regierung die dänischen Mohammed-Karikaturen. Sie waren zu Beginn des Monats erneut in Zeitungen publiziert worden, nachdem ein Mordkomplott gegen einen der Zeichner aufgeflogen war. Die Karikaturen hatten in der islamischen Welt gewaltsame Proteste ausgelöst und sind offenbar auch auf YouTube zu sehen.

Die Anweisung sorgte für einen unliebsamen Nebeneffekt. Für mehr als eine Stunde war der Zugang zu YouTube nicht nur in Pakistan, sondern in weiten Teilen der Welt gestoppt. Die Ursache liegt gemäss Recherchen der britischen «BBC» bei PCCW, dem Inter-Provider von Pakistan Telecom. Dieser habe die IP-Adresse von YouTube «gekapert» und an andere Provider weitergeleitet, damit diese die YouTube-Verbindung umleiten konnten. Irgendwie seien diese Informationen ins Internet gesickert und der Zugang zum Videoportal weltweit durch Provider blockiert worden.

User sind sauer

Behoben wurde die Panne, als PCCW durch YouTube alarmiert wurde. «Offensichtlich hat ein Techniker bei Pakistan Telecom einen Fehler gemacht. Es gibt keine Anhaltspunke, dass böswillige Absicht dahinter steckt», zitiert die «BBC» einen Internet-Experten. In Pakistan hat die YouTube-Blockade für Ärger gesorgt. «Die User sind sauer, sie greifen die Provider an, die gar nichts dafür können», sagt Wahaj-us-Siraj, der die Anweisung der Regierung kritisiert.

In der Blogger-Szene wird heftig über die Gründe spekuliert. Manche sehen in den Mohammed-Karikaturen nur einen Vorwand; es gehe in Wirklichkeit um Videos, die Unregelmässigkeiten bei den Parlamentswahlen in Pakistan von letzter Woche dokumentieren. In den Weblogs kursieren auch zahlreiche Tipps, wie man die Blockade der Provider umgehen kann.

(pbl)

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