Aktualisiert 26.07.2010 20:43

AfghanistanPakistans Geheimdienst und die Taliban

Die Wikileaks-Veröffentlichungen offenbaren die immer noch bestehenden Verbindungen der Taliban zum pakistanischen Geheimdienst. Dies ist jedoch kaum erstaunlich.

In einer Studie der London School of Economics heisst es, trotz der laufenden Militäroffensive unterstütze der pakistanische Geheimdienst Inter-Services Intelligence (ISI) die Aufständischen in Afghanistan weiterhin operativ und strategisch «bis hinein in die höchste Führungsebene».

Verantwortlich dafür soll eine weitgehend autonom agierende Unterabteilung des ISI sein. Pakistan bestreitet dies vehement. Hinweise darauf finden sich aber auch in den von WikiLeaks veröffentlichten Unterlagen der US-Armee.

Der ISI galt lange als verlängerter Arm der CIA in Afghanistan. Mit Hilfe der offiziell dem Militär unterstellten Organisation unterstützte die US-Regierung in den achtziger Jahren afghanische Mudschaheddin im Kampf gegen die sowjetische Besatzungsmacht. So erhielten die Widerstandskämpfer militärisches Training, Waffen und Geld.

Einige der damals von der CIA unterstützten Kriegsherren sind heute noch aktiv - wie der Islamist Gulbuddin Hekmatyar, der zu den erbitterten Feinden des Westens zählt.

Bürgerkrieg und Chaos

Nach dem Abzug der Roten Armee 1989 verloren die USA das Interesse an der Region. Wenig später eskalierten die Rivalitäten zwischen den Mudschaheddin-Gruppen. Das Land versank in Bürgerkrieg und Chaos.

Vor diesem Hintergrund entstanden 1994 im Süden Afghanistans die Taliban (persisch für: Schüler/Studenten). Die bewaffnete radikal- islamische Bewegung um Mullah Omar, die sich vor allem aus Studenten fundamentalistischer Koranschulen rekrutierte, gewann schnell an Stärke. Gefördert wurde das von der pakistanischen Regierung.

Die ISI-Agenten formten aus den Gotteskriegern eine schlagkräftige militärische Kraft. Ende 1996 marschierten die Taliban in die afghanische Hauptstadt Kabul ein und übernahmen die Macht. Pakistan war 1997 der erste Staat, der das Regime offiziell anerkannte.

Der Einmarsch internationaler Truppen nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA brachte die Taliban-Regierung zu Fall - und zwang auch Pakistan, seine Politik zu ändern.

Offiziell reihte sich das Land in die Koalition gegen den Terrorismus ein. Inoffiziell - und aus alter Verbundenheit - gewährte es aus Afghanistan fliehenden Taliban-Kämpfern und Al-Kaida- Angehörigen Unterschlupf. Erst als auch in Pakistan immer neue Anschläge verübt wurden, begann das Militär in der Grenzregion massiv gegen die Extremisten vorzugehen.

(sda)

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