Aktualisiert 19.08.2009 12:25

Empörung in IsraelPalästinenser werden angeblich für Organe getötet

Andeutungen in einem schwedischen Zeitungsbericht, dass israelische Soldaten Palästinenser getötet und ihnen Organe entnommen hätten, haben in Israel für Empörung gesorgt.

von
Matti Friedman/AP

Der mit der Überschrift «Unsere Söhne werden wegen ihrer Organe geplündert» veröffentlichte Text sei «unverhohlen rassistisch» und könnte zu rassistisch motivierten Gewalttaten anstacheln, erklärte das israelische Aussenministerium am Mittwoch. Die schwedische Botschaft in Tel Aviv sprach von einem schockierenden Artikel.

Verschwörungstheorie

Der Text wurde am Montag von der grössten schwedischen Tageszeitung «Aftonbladet» veröffentlicht. Er legt eine Verbindung zwischen den genannten Anschuldigungen und der Festnahme eines Juden in den USA wegen Organhandels nahe. Die mit «Aftonbladet» konkurrierende Zeitung «Sydsvenskan» schrieb dazu, der Bericht folge «der üblichen Schablone einer Verschwörungstheorie».

Zusammen mit dem Text wurde am Montag das offenbar nach einer Autopsie aufgenommene Foto eines getöteten Palästinensers veröffentlicht, über dessen Oberkörper eine genähte Wunde verläuft. Ausserdem waren Bilder von Steine werfenden Jugendlichen zu sehen sowie eine Aufnahme des Rabbiners, der im vergangenen Monat von der US-Bundespolizei FBI festgenommen wurde. Ihm wird vorgeworfen, er habe eine Niere von einem Israeli kaufen und für 160.000 Dollar an einen amerikanischen Patienten verkaufen wollen.

Zeugen aus Autonomiegebieten zitiert

Der Autor des «Aftonbladet»-Artikels, Donald Bostrom, schrieb von einem Mangel an Spenderorganen in Israel und einer Kampagne der Regierung im Jahr 1992, um neue Spender zu gewinnen. «Zur selben Zeit, als diese Kampagne lief, sind junge Palästinenser verschwunden und fünf Tage später nachts in ihre Dörfer zurückgebracht worden, tot und aufgeschnitten», schrieb Bostrom.

Der Geschichte liegen Zeugenaussagen von Palästinensern im Westjordanland und im Gazastreifen zugrunde, die Bostrom lediglich mit dem Vornamen nannte. Ausserdem wird ein israelischer Militärsprecher zitiert, der die Vorwürfe zurückweist und erklärt, bei von den Truppen getöteten Palästinensern werde routinemässig eine Autopsie durchgeführt. Er wisse nicht, ob die genannten Anschuldigungen wahr seien, sagte Bostrom am Mittwoch in einem Interview des israelischen Rundfunks.

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