Aktualisiert 16.05.2007 16:19

Palästinenser wieder am Rande des Bürgerkriegs

Nur zwei Monate nach Bildung der Einheitsregierung stehen die Palästinenser erneut am Rande eines Bürgerkriegs. Die Gefechte zwischen den rivalisierenden Gruppen Hamas und Fatah haben sich heute weiter verschärft.

Auch Israel wurde in die Kämpfe hineingezogen: Als Reaktion auf den Beschuss der Stadt Sderot mit Raketen griff ein Kampfflugzeug ein Hamas-Gebäude im Süden des Gazastreifens an. Die Europäische Union rief alle Seiten zu einem sofortigen Gewaltverzicht auf. Auch die USA zeigten sich besorgt.

Es war der blutigste Tag seit dem Wiederaufflammen der Machtkämpfe vor vier Tagen. Bewaffnete Hamas-Anhänger stürmten in der Nacht das Haus eines Sicherheitschefs der Fatah in Gaza und töteten sechs seiner Leibwächter, wie palästinensische Beamte mitteilten. Später nahmen Polizisten der Fatah fünf Hamas-Mitglieder fest. Als sie mit ihnen durch Gaza fuhren, wurde das Fahrzeug von der Hamas angegriffen. Fünf Männer der Hamas und zwei von der Fatah kamen ums Leben. Die Fatah warf der Hamas vor, Gaza in «ein neues Somalia oder Darfur» verwandeln zu wollen, wie ein Sprecher sagte.

Zu heftigen Gefechten kam es am Mittwochmorgen auch in der Nähe des Amtssitzes von Präsident Mahmud Abbas von der Fatah, der in der Nacht mit Granaten angegriffen wurde. Abbas hielt sich nicht in dem Gebäude auf. Ein Krankenwagen geriet nach Angaben von Krankenhausmitarbeitern ins Kreuzfeuer, eine Krankenschwester wurde von einer Kugel am Kopf getroffen. Angehörige sagten, sie sei hirntot. Die Strassen von Gaza waren menschenleer, die Einwohner blieben in ihren Häusern. In Teilen der Stadt fiel der Strom aus.

«Was in Gaza geschieht, gefährdet nicht nur die Einheitsregierung, sondern das soziale Gefüge der Palästinenser, die palästinensische Sache und die palästinensische Strategie als Ganzes», sagte der palästinensische Unterhändler Sajeb Erakat. Präsident Abbas will nach Angaben seines Beraters Jassir Abed Rabbo am (morgigen) Donnerstag in Gaza mit Ministerpräsident Ismail Hanija von der Hamas über eine Beruhigung der Lage beraten. Eine Möglichkeit sei die Ausrufung des Notstands, sagte Rabbo. Dem neuerlichen Machtkampf zwischen den rivalisierenden palästinensischen Organisationen sind innerhalb von vier Tagen 41 Menschen zum Opfer gefallen.

Neuerliche Waffenruhe gescheitert

Hamas-Vertreter erklärten, die Gruppe habe am Mittwoch acht Raketen auf Israel abgefeuert. Am Tag zuvor waren es 20 gewesen, die in der Stadt Sderot 21 Israelis verletzt hatten. Die Hamas sprach von Vergeltung für israelische Gewalt. Es galt jedoch als wahrscheinlich, dass die Hamas nur Israel in den Konflikt hineinziehen will, um die Palästinenser im Kampf gegen den gemeinsamen Feind zu einen. Aus israelischen Sicherheitskreisen verlautete, als Reaktion auf den Raketenbeschuss sei keine grössere militärische Aktion geplant. Man wolle der Hamas nicht in die Hände spielen.

Ein israelisches Kampfflugzeug griff schliesslich ein Gebäude der Hamas in Rafah an. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben vier Hamas-Mitglieder getötet und 30 weitere verletzt.

Ein ägyptischer Vermittler erklärte, am Dienstagabend sei wieder eine Waffenruhe vereinbart worden - die dritte in drei Tagen. Wie bereits zuvor hielt auch diese nur wenige Stunden. (dapd)

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