Monika Ribar: Panalpina-Chefin tritt zurück
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Monika RibarPanalpina-Chefin tritt zurück

Nach sieben Jahren an der Spitze tritt die Konzernchefin von Panalpina, Monika Ribar, per Ende Mai zurück. Der Aktienkurs schnellt nach dieser Ankündigung in die Höhe.

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sza/sda
Monika Ribar will sich künftig auf Verwaltungsratsmandate und andere «nicht-exekutive Führungsaufgaben ausserhalb des Unternehmens» konzentrieren.

Monika Ribar will sich künftig auf Verwaltungsratsmandate und andere «nicht-exekutive Führungsaufgaben ausserhalb des Unternehmens» konzentrieren.

Die Schweizer Wirtschaft ist um eine weiblich Führungskraft ärmer: Panalpina-Chefin Monika Ribar tritt zurück. Ihre Nachfolge tritt Peter Ulber an. Damit verbleiben lediglich noch drei Frauen in Spitzenposition: Susanne Ruoff (Post), Jasmin Staiblin (Alpiq), Suzanne Thoma (BKW).

In krassem Widerspruch dazu steht der Umstand, dass in praktisch keinem anderen Land der Welt so viele Frauen erwerbstätig sind wie in der Schweiz – nämlich 77 Prozent. Das zeigt ein internationaler Vergleich des Beratungsunternehmens PWC. Davon arbeiten aber nur 55 Prozent Vollzeit. Die Schweiz rangiert damit im Mittelfeld. Der Vergleich zeigt aber auch: Die Schweiz hinkt beim Thema Lohngleichheit hinterher.

Familienmodell als Problem

«Dass die Frauen in der Schweiz immer noch deutlich weniger verdienen und in verhältnismässig wenig Spitzenpositionen anzutreffen sind liegt am aktuellen Familienmodell, das sich nur zögerlich verändert», sagt Edith Wieland vom Verband Wirtschaftsfrauen. Ein Modell, das bald ausgedient haben könnte.

Gemäss einer McKinsey-Studie könnte der für das Jahr 2040 prognostizierte Mangel von 24 Millionen Arbeitnehmenden in Europa theoretische auf drei Millionen verringert werden, hätten Frauen dieselbe Erwerbsquote wie Männer.

«Erfolgreiche Neuausrichtung»

Monika Ribar gehört seit 23 Jahren dem Panalpina-Management an. 2006 wurde sie an die Spitze des Konzerns berufen. Sie will sich künftig auf Verwaltungsratsmandate und andere «nicht-exekutive Führungsaufgaben ausserhalb des Unternehmens» konzentrieren, wie es in einer Medienmitteilung von Panalpina vom Mittwoch heisst.

Der Verwaltungsrat habe den Führungswechsel zusammen mit der abtretenden Konzernchefin «sorgfältig vorbereitet». Ribar habe den Konzern «durch eine der schwierigsten Phasen in seiner jüngeren Geschichte geführt und ihn erfolgreich auf die neuen Herausforderungen ausgerichtet», liess sich Verwaltungsratspräsident Rudolf Hug im Communiqué zitieren.

Ribars Nachfolger, Peter Ulber, stand in der Vergangenheit unter anderem in den Diensten der Konkurrentin Kühne Nagel, bevor er sich 2011 selbständig machte und das Unternehmen Charleston Enterprise Group LLC mitbegründete.

Führungswechsel beflügelt Kurs der Panalpina-Aktie

Der überraschende Führungswechsel bei Panalpina hat den Aktienkurs des Logistikunternehmens beflügelt. Der Wert der Aktie schnellte am Dienstag bis 10.30 Uhr in einem gut gehaltenen Markt um rund 12 Prozent nach oben.

Das Kursplus muss allerdings im Lichte der bisherigen Entwicklung des Aktienpreises im laufenden Jahr gesehen werden. Dieser lag bisher nur 2,6 Prozent höher als Anfang Januar, da seit der Präsentation der Zahlen zum Geschäftsjahr 2012 die Kurskurve nur abwärts ging. Ribar habe als Konzernchefin viel Aufräumarbeiten leisten müssen und ein «beispielhaftes Compliance-System» eingeführt, kommentierten die Analysten der Zürcher Kantonalbank (ZKB) den Wechsel. «Operativ war ihr Leistungsausweis aber bescheiden», lautet ihr Urteil weiter.

Vor allem die Vergangenheit von Ribars Nachfolger Peter Ulber beim deutlich erfolgreicheren Konkurrenzunternehmen Kühne Nagel wurde in der Analystengemeinde gut aufgenommen. Panalpina könnte mit diesem Schritt neues Leben eingehaucht werden, meinten zahlreiche Experten. (sda)

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