Panalpina: Geschäfts-Stopp in Nigeria
Aktualisiert

Panalpina: Geschäfts-Stopp in Nigeria

Der Basler Speditionskonzern Panalpina zieht Konsequenzen aus den Korruptionsuntersuchungen der US- Behörden im Öl- und Gasgeschäft. Er stellt einen Teil seines Dienstleistungsangebots in Nigeria ein. Der Aktienkurs brach ein.

Zusammen mit den möglichen Folgen für Verträge mit Öl- und Gaskunden dürfte die Einstellung den Betriebsgewinn (EBITDA) im laufenden Geschäftsjahr um 20 bis 30 Mio. Fr. schmälern, teilte der Konzern am Donnerstag mit. An der Börse stürzte die Panalpina-Aktie zeitweise bis zu 23 Prozent ab.

Rechtslage unklar

Bei dem eingestellten Geschäft gehe es um temporäre Einfuhren nach Nigeria, sagte Panalpina-Sprecher Robert Cathomas gegenüber der Nachrichtenagentur SDA: Panalpina führte dabei etwa Ölplattformen oder Versorgungsschiffe für ein bis zwei Jahre in das westafrikanische Land ein.

Panalpina teile die Einschätzung der US-Behörden, dass in diesem Geschäft die Rechtsgrundlagen in Nigeria sehr unklar seien, sagte Cathomas: «Das ist ein grosser Graubereich.» Mit der Einstellung habe man bereits auch einige Kunden an die Konkurrenz verloren.

Seine finanziellen Ziele für 2007 sieht Panalpina aber nicht gefährdet. 2008 könnte der EBITDA noch um 30 bis 50 Mio. Fr. geschmälert werden, wenn das Nigeria-Geschäft eingestellt bleibt, so der Sprecher. 2006 hatte Panalpina bei einem Nettoumsatz von 7,735 Mrd. Fr. einen EBITDA von 313 Mio. Fr. erwirtschaftet.

US-Untersuchung

Der Basler Konzern hatte im Juli mitgeteilt, dass das US- Justizministerium eine Untersuchung gegen Panalpina-Kunden eingeleitet hatte. Dabei geht es um Korruptionszahlungen in Nigeria, Kasachstan und Saudi-Arabien.

Der Speditionskonzern war von den US-Behörden aufgefordert worden, Unterlagen über Speditionsdienstleistungen für Kunden nach Ölförderländern herausgeben. Gegen Panalpina selbst sei aber weiterhin keine Anklage erhoben, betonte Cathomas.

Interne Untersuchung

Das Unternehmen hatte daraufhin auch eine externe Anwaltskanzlei und Buchprüfungsexperten mit einer internen Untersuchung beauftragt. Hinweise auf «ungebührliche Zahlungen» durch Panalpina- Mitarbeitende habe die Untersuchung bisher aber nicht ergeben, sagte Cathomas.

Panalpina will nun auch seine Compliance-Organisation verstärken. Dabei gehe es nicht nur um die Verstärkung der Programme und Schulungen für regelkonformes Verhalten: «Wir wollen in diesem Bereich 'best in class' werden», sagt Cathomas. Möglich sei ein Ausbau des Bereichs zu einer eigenen Abteilung.

Aktienkurs stürzt ab

An der Börse wurden die Neuigkeiten des Basler Konzerns schlecht aufgenommen: Zwischenzeitlich stürzte der Kurs um fast 23 Prozent auf ein Tagestief von 185 Franken ab. Bis gegen 13.30 Uhr lag die Aktie mit 205,10 Fr. noch um 14,4 Prozent unter dem Kurs des Vortages.

Finanzanalysten hatten sich vom Schritt der Panalpina überrascht gezeigt, habe sich dies doch zuletzt in den Diskussionen mit dem Unternehmen nicht abgezeichnet. Der Logistikkonzern, der bisher durch positive Nachrichten aufgefallen sei, bekomme damit einige Kratzer ab, heisst bei den Analysten einer Bank.

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