Aktualisiert 24.05.2007 08:19

Pandemie als «Schock-Szenario»

Eine Pandemie gehört für die Privatversicherer zu den grössten «Schock-Szenarien». Um im Falle einer Grippe-Pandemie gerüstet zu sein, hat der Schweizerische Versicherungsverband an einer Tagung in Bern heute Gefahren und mögliche Vorkehrungen diskutiert.

Die Versicherungsbranche sieht sich gemäss einer Mitteilung des SVV im Falle einer Pandemie einem Risiko mit vielfältigen Auswirkungen konfrontiert. Viele verschiedene Versicherungsprodukte und auch die Finanzmärkte würden tangiert, heisst es. Sollte es tatsächlich zu einer Grippe-Pandemie kommen, müsste mit einer Zunahme der Krankheits- und Todesfälle gerechnet werden. Dabei stützt sich der SVV auf Daten des Bundesamtes für Gesundheit. Dieses geht von gegen zwei Millionen Erkrankungen und rund 10.000 Todesfällen aus, falls sich heute eine Grippe von gleicher Stärke wie die Spanische Grippe von 1918 ausbreiten würde. Diese Zahlen gelten aber nur, wenn keine Massnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit getroffen würden.

Gemäss SVV könnten die Versicherer im Bereich der Lebensversicherung eine Erhöhung der Mortalitätszahlen verkraften. Und auch bei den privaten Krankenversicherungen rechnet der Verband nicht mit ausserordentlichen Problemen, da die Krankenversicherungen jedes Jahr eine oder mehrere Grippewellen zu bewältigen hätten. «Der Unterschied zu einer Pandemie liegt primär darin, dass letztere regional nicht beschränkt ist», heisst es weiter. Zudem werde das Pandemie-Szenario sowohl in der Leben- wie in der Krankenversicherung im Rahmen der Solvenzprüfungen berücksichtigt.

Kaum betroffen wäre dagegen der Sach- und Vermögensversicherungsbereich, nicht zuletzt, da Betriebsunterbrechungen auf Grund krankheitsbedingter Absenzen einer grossen Zahl der Belegschaft nicht gedeckt seien. Die Versicherungsgesellschaften suchen aber auch Massnahmen, um im Pandemiefall die Geschäftstätigkeit im eigenen Unternehmen weiterführen zu können. So prüfen laut SVV verschiedene Versicherer die Möglichkeit, dass die Mitarbeitenden ihre Arbeit von Zuhause aus verrichten könnten.

Ein weiteres mögliches Szenario ist die Ausbreitung der Vogelgrippe. Hier weist der Verband darauf hin, dass Notschlachtungen bei Geflügel grundsätzlich kaum gedeckt wären. Betroffene Berufsgruppen wie Tierzüchter, Bauern oder Metzger bräuchten eine spezielle Epidemieversicherung. Einer staatlichen Subventionierung von Prämienzahlungen für Landwirte, die sich gegen Seuchen versichern, wie dies in der EU derzeit geprüft wird, steht der SVV jedoch kritisch gegenüber. (dapd)

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