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Pandemie kommt, fragt sich nur wann?

Eine Grippe-Pandemie unter Menschen ist nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht mehr abzuwenden. Auch die spanische Grippe sei von einer Vogelgrippe ausgelöst worden.

Bei einer Expertenkonferenz in Genf verwies WHO-Chef Lee Jong Wook auf die «unerbittliche Verbreitung» der Vogelgrippe unter Zugvögeln und Hühnern. Dies werde nicht ohne Folgen für den Menschen bleiben. Die Europäische Union stellte Asien für den Kampf gegen die Seuche 30 Millionen Euro in Aussicht.

Lee warnte, dass der mutierte Erreger einer Vogelgrippe bereits die Spanische Grippe von 1918 und 1919 ausgelöst habe. Diese kostete nach Schätzungen der WHO 40 bis 50 Millionen Menschen das Leben. Der aktuelle Erreger H5N1 ist mittlerweile bei Vögeln in 15 europäischen und asiatischen Ländern aufgetreten. Laut Lee ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis dieser oder ein anderer Virustyp von Mensch zu Mensch übertragbar werde.

Margaret Chang, die für die WHO die Vogelgrippe beobachtet, wertete es immerhin als Chance, dass sich die Menschheit gut auf eine etwaige Pandemie vorbereiten könne. Dieser Pflicht dürfe sich niemand entziehen.

Die Weltbank schätzt den wirtschaftlichen Schaden einer etwaigen Grippe-Pandemie auf mindestens 800 Milliarden Dollar (675 Milliarden Euro). Der Wirtschaftswissenschaftler Milan Brahmbhatt sagte den Delegierten in Genf, das weltweite Bruttoinlandsprodukt werde in diesem Fall um zwei Prozent oder mehr sinken lassen. Er bezog sich mit seinen Schätzungen auf die Auswirkungen der Lungenkrankheit SARS auf die Weltwirtschaft.

Die EU-Unterstützung im Umfang von 30 Millionen Euro gab Gesundheitskommissar Markos Kyprianou bei einem Besuch in Vietnam bekannt. Über die Verteilung des Geldes werde nach der dreitägigen WHO-Konferenz in Genf entschieden. Kyprianou will auch noch Thailand, Kambodscha und Indonesien besuchen. Seit Ende 2003 kostete die Vogelgrippe in Asien mehr als 60 Menschen das Leben. Gut 100 Millionen Vögel wurden vorsorglich getötet. Am schwersten betroffen war Vietnam mit 41 Todesopfern und 45 Millionen getöteten Vögeln.

Die chinesischen Behörden bemühten sich unterdessen weiter um die Klärung von Verdachtsfällen. Ob der Tod eines zwölfjährigen Mädchens auf Vogelgrippe zurückzuführen ist, blieb zunächst unklar. Zwei potenziell Erkrankte befanden sich auf dem Weg der Besserung. In China wurden wegen des jüngsten Ausbruchs der Vogelgrippe sechs Millionen Vögel getötet. Alle 168 Geflügelmärkte in Peking blieben am Montag geschlossen.

In Japan wurde derweil eine weitere Geflügelfarm überprüft. Bei ersten Tests wurde ein Virus der H5-Familie isoliert. Ob sich die Tiere mit einer gefährlicheren Variante des Vogelgrippevirus angesteckt haben könnten, blieb zunächst unklar. Die betroffene Farm mit 950.000 Tieren befindet sich in Präfektur Ibaraki nordöstlich von Tokio. Dort wurden in der vergangenen Woche auf anderen Farmen bereits 180.000 Hühner getötet (dapd)

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