Schweinegrippe: «Pandemie wird die Schweiz erreichen»
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Schweinegrippe«Pandemie wird die Schweiz erreichen»

Die massiv steigenden Infektionen mit dem Schweinegrippe-Virus H1N1 auf der Südhalbkugel werden im Herbst die Schweiz erreichen. Die Grippe breite sich rasend schnell aus, warnt das BAG. Die Sommerferien werden die Infektionsrate zusätzlich steigern.

von
kbr

71 Prozent der Schweizer Bevölkerung glaubt laut einer Umfrage im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) nicht, dass die Schweinegrippe Epidemie bis Winter die Schweiz erreichen könne. «Da sind wir klar anderer Meinung», sagte BAG-Direktor Thomas Zeltner heute Nachmittag vor den Medien in Bern, «die Pandemie wird die Schweiz mit Sicherheit erreichen.»

Grosser Ansturm auf die Spitäler so gut wie sicher

Das BAG erwartet wegen der Schweinegrippe im kommenden Herbst bis zu fünf Mal mehr Krankheitsfälle als bei einer Epidemie der saisonalen Grippe. Zum Vergleich: Die saisonale Grippe verursacht jährlich durchschnittlich zwischen 1000 und 5000 Hospitalisierungen. Es sei klar, dass Schweizer Ärzte und Spitäler auf den Ansturm vorbereitet werden müssen. Vor allem die Wirtschaft müsse sich darauf einstellen, trotz vieler krankheitsbedingter Ausfälle funktionsfähig zu bleiben.

«Der Winter kommt auch bei uns - und mit ihm die Pandemie»

Einen Grund dafür, dass vor allem die Südhalbkugel von steigenden Infektionsraten betroffen ist: In den südlichen Ländern hat der Winter Einzug gehalten, was die Ansteckungsgefahr erhöht hat. Spätestens im Winter werden darum auch die nördlichen Länder von der Pandemie erfasst. In Europa sind 10 000 Infizierte von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigt worden. Dreiviertel davon stammen aus Grossbritannien. Die Engländer rechnen laut Zeltner bis Anfang September mit zusätzlich 100 000 Fällen pro Tag. Das BAG hoffe, so Zeltner, dass man diese Situation in der Schweiz noch hinausschieben könne, aufzuhalten sei sie aber nicht mehr.

Sommerferien lassen Infektionsrate zusätzlich steigen

Die erhöhte Reisetätigkeit in den Sommerferien lässt laut Zeltner mehr Neuansteckungen in der Schweiz erwarten. In den meisten Fällen sei der Krankheitsverlauf wie bei einer normalen Grippe moderat. Doch auch wenn der Spuk nach einer Infektion innerhalb von 5 bis 7 Tagen vorbei sei, müsse man damit rechnen, dass auch in der Schweiz die Zahl der Fälle mit schweren Komplikationen ansteigen werde. Je grösser die Fallzahlen, sagte Zeltner, desto mehr Komplikationen seien zu erwarten.

Siegeszug des H1N1 Virus

Patrick Mathys, Leiter der Sektion Pandemievorbereitung spricht von einem Siegeszug des H1N1-Virus. Kaum ein Virus habe sich so schnell über die ganze Welt ausgebreitet wie das Schweinegrippevirus. Die Zahlen, die von der WHO veröffentlicht werden, seien nur die Spitze des Eisbergs, so Mathys: «Wir müssen von einem Vielfachen an Infizierten und Todesopfern ausgehen.» Das Meldesystem erfasse längst nicht alle Ecken der Welt und überfordere Behörden wie diese von Argentinien oder Chille, wo die Fallzahlen momentan explodieren würden.

Moderater Krankheitsverlauf - Gefahr von Komplikationen jedoch gross

Doch auch in der stärksten betroffenen Regionen sei der Krankheitsverlauf überwiegend moderat, betont Zeltner. Oft würde es reichen, zu Hause zu bleiben wie mit einer normalen Grippe, manchmal sei nicht einmal ein Arztbesuch nötig. Als problematisch erachtet Zeltner jedoch die Komplikationen, die vor allem in Form von Entzündungen der Atemwege auftreten können. Besonders betroffen seien die Jüngsten der Gesellschaft: Schwere Komplikationen seien vor allem bei Kleinkindern und Jugendlichen zu beobachten. Auch schwangere Frauen seien im besonderen Masse von einer Infektion durch das H1N1-Virus betroffen.

Erste Impfungen gegen das Virus sind für den Herbst in Aussicht gestellt. Das BAG hat im Auftrag des Bundesrats Verträge mit GlaxoSmithKline und Novartis abgeschlossen, um über genügend Impfstoff zu verfügen, damit sich alle Einwohnerinnen und Einwohner, die es wünschen, gegen das Pandemievirus impfen lassen können. Das BAG wird nun zusammen mit der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF) Empfehlungen ausarbeiten.

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