Aktualisiert

Immunologe über Corona«Panik macht das Virus erst recht gefährlich»

Die steigenden Corona-Zahlen führen zu einem Run auf die Notfallstationen und zu Hamsterkäufen. Jetzt erinnern Experten daran, dass die Krankheit meist harmlos verlaufe.

von
nk/daw

So waschen Sie die Hände richtig. (Video: SDA)

Nach der massiven Reaktion der Leute auf die Corona-Fälle in der Schweiz hat der Bund am Wochenende einen eindringlichen Appell an die Bevölkerung gerichtet. Man solle ruhig bleiben, um die wirklich gefährdeten Personen zu schützen. Das sind die wichtigsten Aussagen und Fakten.

Gefährlichkeit

«In den allermeisten Fällen verläuft die Krankheit milde, harmlos», sagt Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit. Die Krankheit sei gefährlich für die ältere Bevölkerung und sie kursiere vor allem unter der älteren Bevölkerung. «Wenn wir die Zahlen aus China anschauen, die die WHO so bestätigt hat, dann ist es wirklich so: Kinder sind praktisch nicht betroffen.» Laut Immunologe Beda Stadler ist die Todesrate seit dem ersten Ausbruch in Wuhan stetig gesunken. «Derzeit geht man davon aus, dass sie unter 2 Prozent fallen wird. Bei der saisonalen Grippe liegt die Todesrate zwischen 0,02 und 0,2 Prozent. In absoluten Zahlen ist sie aber viel tödlicher, da es insgesamt mehr Erkrankte gibt.» Weltweit haben sich fast 87'000 Personen mit dem Coronavirus infiziert – die Mehrheit in China. Davon sind bereits über 42'500 wieder gesund.

Notfall

«Wir müssen mit Ansteckungen in der Schweiz rechnen. Dann werden wir es nicht schaffen, jeden einzelnen Fall zu testen und zu isolieren, wenn er nur etwas hustet», sagt Koch. Und weiter: «Es ist wichtig, dass nicht alle Leute, die eine leichte Erkältung haben, jetzt ins Spital rennen.» Nur so hätten die Spitäler genügend Ressourcen und Tests für die schweren Fälle, also Ältere oder geschwächte Personen. Auch Stadler sagt: «Panik macht das Virus erst richtig gefährlich. Sie richtet grösseren Schaden an, als es das Coronavirus allein jemals könnte.» So sorgten überfüllte Notfallstationen für eine grössere Vermischung zwischen Kranken und Gesunden, was die Ausbreitung des Virus weiter begünstige.

Hamsterkäufe

«Schutzmasken zu hamstern, ist das Dümmste, was man tun kann. Diese fehlen nun Menschen, die am Coronavirus erkrankt sind und eine bräuchten», sagt Stadler. Aber nicht nur ihnen: Einige Krebspatienten seien ebenfalls auf Masken und Desinfektionsmittel angewiesen. «Deren Leben wird ebenfalls gefährdet.» Es sei unsinnig, als gesunde Person eine Maske zu tragen, so Stadler. Viel wichtiger sei, dass Kranke eine Maske haben, damit sich das Virus nicht weiter ausbreite: «Ein Infizierter mit einer Maske schützt seine Mitmenschen, ein Gesunder mit einer Maske nicht mal sich selbst wirklich.»

Was man wirklich tun soll

Die Hygieneregeln wie häufiges Händewaschen oder das Niesen in die Armbeuge befolgen. Wer in ein Risikogebiet gereist ist, sollte Menschenansammlungen meiden, wer Symptome wie Fieber oder Husten hat, zuhause bleiben. «Das Wichtigste ist: Niemanden im Spital besuchen, wenn man nicht ganz sicher ist, dass man selbst kerngesund ist», sagt Stadler. Ein wirksames Mittel ist die sogenannte soziale Distanzierung. Der Bundesrat hat darum Grossveranstaltungen verboten. Empfehlungen an die Bevölkerung dürften folgen: «Der Verzicht auf Begrüssungsküsse ist eine Massnahme, die ernsthaft in Betracht gezogen werden sollte», sagte Gesundheitsminister Alain Berset in der «SonntagsZeitung».

Warum die Angst auch verständlich ist

Die Situation in Italien ist auch für das BAG beunruhigend. Auch Stadler sagt: «Ich kann die Angst verstehen, denn genau so funktionieren wir: Unser Hirn denkt oft in Mustern, das ist lebenswichtig für uns. Deshalb handeln wir bei wahrgenommener oder tatsächlicher Gefahr nicht rational.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.