Gebäude evakuiert: Panik nach Beben an US-Ostküste
Aktualisiert

Gebäude evakuiertPanik nach Beben an US-Ostküste

Nach einem Erdbeben der Stärke 5,8 in der Umgebung von Washington musste das US-Verteidigungsministerium geräumt werden. Zwei Atomreaktoren sind automatisch abgeschaltet worden, die Kathedrale wurde beschädigt.

von
aeg

Die Ostküste der Vereinigten Staaten ist am Dienstag von einem Erdbeben der Stärke 5,8 erschüttert worden. Nach jüngsten Angaben des US Geological Survey befand sich das Epizentrum in 800 Meter Tiefe rund 60 Kilometer nordwestlich von Richmond, der Hauptstadt des US-Staates Virginia.

Zunächst war von einem Beben in sechs Kilometern Tiefe die Rede gewesen. Berichte über grössere Schäden gab es zunächst nicht. Jedoch war das Beben in grossen Teilen des Landes zwischen den Staaten Georgia im Süden und Massachusetts etwa 45 Sekunden lang zu spüren.

In Washington und New York City schwankten Häuser, in Manhatten unter anderem das 26 Stockwerke hohe Bundesgerichtsgebäude. Menschen liefen auf die Strasse. Viele fürchteten zunächst einen Anschlag. In wenigen Tagen jährt sich der Anschlag auf das World Trade Center zum zehnten Mal.

In New York mussten sogar Veranstaltungen abgebrochen wurden, darunter die Pressekonferenz des Staatsanwalts Cyrus Vance zum Fall Dominique Strauss-Kahn.

Evakuierungen in Washington

In Washington wurden Teile des Weissen Hauses, des Pentagons und des Kapitols evakuiert. Auch in North Carolina wurden Gebäude geräumt. Eine Tsunami-Warnung gaben die Behörden nicht heraus, da sich das Epizentrum unter dem Land befand und die Ostküste der USA ohnehin nicht als tsunamigefährdet gilt.

«Die Erde hat mehr als 40 Sekunden gebebt», berichtete eine Augenzeugin in Washington der Nachrichtenagentur dpa. Tausende Menschen seien ins Freie gelaufen. «Die Erde hat ganz kräftig gewackelt. Die Ampeln und Telefone sind zum Teil ausgefallen.»

Zwei AKW schalteten sich ab

Zwei Reaktoren des Atomkraftwerks North Anna schalteten sich automatisch ab. Vier Dieselgeneratoren übernahmen nach Angaben der Atomaufsichtsbehörde die Notstromversorgung. Schäden an dem Atomkraftwerk wurden nicht festgestellt.

Auf der Insel Martha's Vineyard in Massachusetts, wo Präsident Barack Obama Urlaub macht, war das Beben ebenfalls zu spüren. Obama hatte gerade eine Runde Golf zu spielen begonnen. Das Erdbeben ereignete sich nur einen Tag, nachdem am Montag im US-Staat Colorado ein schwaches Erdbeben registriert worden war. Dort und im benachbarten Staat New Mexico wurden nur geringe Sachschäden gemeldet.

National Cathedral in Washington beschädigt

Die Kathedrale der US-Hauptstadt Washington ist bei dem Erdbeben beschädigt worden. Ein Sprecher der Episkopal-Kirche sagte, drei der vier Turmspitzen des Hauptturmes seien herabgestürzt. Der Turm selbst scheine sich leicht zu neigen. Die zweitgrösste Kathedrale der USA - traditionell Schauplatz von Trauerfeiern für verstorbene Präsidenten - wurde unmittelbar nach dem Erdbeben evakuiert. Verletzt worden sei niemand. Steinmetze hätten bereits mit Reparaturarbeiten begonnen.

Polizeiaufgebot in New York:

In Washington mussten die MEnschen auf der Strasse ausharren:

(aeg/sda/dapd)

Twitterer spotten über das Beben in den USA

Nur kurz nachdem in den USA die Erde gebebt hat, nutzten Tausende in den USA den Kurznachrichtendienst Twitter, um sich auf zum Teil amüsante Art und Weise mit dem Naturereignis auseinanderzusetzen. «Standard and Poor's stuft Erdbeben auf 2,0 herab», twitterte ein Nutzer in Anspielung auf die Ratingagentur, die kürzlich die USA schlechter als üblich bewertet hatte.

Opfer von Kurzmitteilungen in 140 Zeichen wurde die republikanische Politikerin Michele Bachman, die der konservativen Tea-Party-Bewegung nahesteht: Sie würde lediglich eine Erdbebenstärke von 2,9 zulassen, twitterte ein Nutzer. Er zielte ab auf Bachmans Ankündigung, die Gaspreise senken zu wollen. Über den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Rick Perry machte sich ein anderer Twitterer lustig: «Rick Perry streitet Erdbeben ab.»

Auch Präsident Obama wurde von den Twitter-Fans nicht ausgespart in ihrem Spott. Im Hinblick auf das Ringen um den Schuldenstand in den USA hieß es in einem Tweet: «Erdbeben bei 5,8 - Obama wollte 3,4, die Republikaner 5,8 - Kompromiss bei 5,8.»

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