«Schweinegrippe» vs. «H1N1»: Panik sorgt für günstiges Schweinefleisch
Aktualisiert

«Schweinegrippe» vs. «H1N1»Panik sorgt für günstiges Schweinefleisch

Die Schweinefleisch-Preise sinken. Schuld daran ist die Schweinegrippe. Doch nicht die Konsumenten haben Angst. In Panik verfallen sind die Schweinezüchter. Sie fluten den Markt mit Schweinen.

von
Amir Mustedanagic

Die Schweinefleischpreise in der Schweiz geraten unter Druck: «Wir haben vergangene Woche bereits die ersten Preisabschläge hinnehmen müssen», sagt Beat Wandeler vom Schweinezüchter-Verband Suisseporcs. Die Schlachthöfe und Fleischverwerter bezahlten nur noch Preise unter dem empfohlenen Richtpreis.

Tatsächlich liegen die Schweinfleischpreise im Zwischenhandel derzeit rund 10 Prozent tiefer als im Vorjahr (siehe Infokasten), wie die Richtwerte vom Fleischverband Proviande zeigen. Erhielten die Züchter im vergangenen Mai noch 5.30 Franken pro Kilogramm, sind es derzeit 60 Rappen weniger. Dies, obwohl der Mai erfahrungsgemäss die Spitzensaison für Schweinefleisch ist.

Mit der latenten Gefahr der Schweingrippe hat dies aber nichts zu tun – zumindest nicht beim Endkonsument: «Wir haben überhaupt keinen Rückgang des Schweinefleischverkaufes festgestellt», sagt Coop-Sprecher Nicolas Schmied. Anders als bei der Vogelgrippe merke man, dass «sauber und rechtzeitig» zum Thema Schweinegrippe informiert wurde. Diese Meinung teilt auch Migros-Sprecher Urs Peter Naef: «Die Leute wissen, dass es unbedenklich ist, Schwein zu essen, und tun dies auch.» Die Verkaufszahlen seien stabil und auf normalem Niveau. Geht es nach Denner, werden sie in den nächsten Tagen gar noch steigen: «Sobald das Wetter wieder schöner wird, wird auch mehr grilliert und mehr Fleisch gegessen», sagt Sprecherin Grazia Grassi.

Züchter versuchen Schweine loszuwerden

Schweinegrippe-Panik herrscht aber dennoch – bei den Züchtern selbst. Grund dafür scheint der Begriff Schweinegrippe zu sein. Suisseporcs verlangte erst anfangs Woche, dass nur noch von der Grippe A (H1N1) die Rede ist (20 Minuten Online berichtete). Sollten sich die Medien nicht daran halten, will der Verband sogar klagen. «Wir werden uns ein Medium herauspicken und ein Exempel statuieren», so Wandeler gegenüber 20 Minuten Online. Der Schritt sei extrem, aber die Folgen der negativen Verbindung zwischen Schweinen und der latenten Gefahr könne man nicht einfach hinnehmen.

«Die Züchter versuchen bereits jetzt ihre Schweine möglichst schnell loszuwerden», sagt Wandeler. Die Entwicklung führe zu einem Überangebot auf dem Markt und setze letztlich die Preise weiter unter Druck. Für den Zwischenhändler Bell kommt die Entwicklung nicht überraschend. Die Preise seien gesunken, weil sie zuvor zu hoch gewesen seien, sagt Sprecher Davide Elia. «Dass nun noch mehr Schweine auf den Markt kommen, wirkt sich zusätzlich negativ für die Züchter aus», so Elia.

«Züchter sollten kühlen Kopf bewahren»

Dessen ist sich auch Wandeler bewusst: «Einigen Schweinezüchtern und –fleischproduzenten würde es tatsächlich gut tun, einen kühlen Kopf zu bewahren», gibt Wandeler zu. Die Berichterstattung von der Schweinegrippe habe wohl auch bei ihnen für Angst gesorgt. Den Endkonsumenten darf das egal sein. Sie profitieren von der Entwicklung, wie Bell-Sprecher Elia prophezeit. «Sollte sich der Abwärtstrend in den nächsten Wochen bestätigen, wird das Schweinefleisch auch für den Endkonsumenten günstiger.»

Schweinefleischpreis in der Wochenentwicklung 2008 / 2009

200914.40kein Wert24.404.6034.504.5044.604.5054.604.3064.604.3074.704.3084.804.4094.804.50104.804.60114.804.70124.904.80134.904.80144.904.80155.004.80165.104.80175.104.80185.204.80195.204.70205.304.70215.30–225.30–235.30–245.30–255.30–

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