Vier Wochen lang alles zu: Panik vor dem 3. Lockdown – vor Paris bilden sich Staus auf 350 Kilometern
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Vier Wochen lang alles zuPanik vor dem 3. Lockdown – vor Paris bilden sich Staus auf 350 Kilometern

Angesichts der Überlastung vieler französischer Spitäler hat die Regierung für den Grossraum Paris einen neuen Lockdown verhängt. Das führt nun dazu, dass viele Pariser überstürzt die Stadt verlassen.

von
Karin Leuthold
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Die Menschen wollen noch vor Mitternacht die Stadt verlassen, um den Corona-Massnahmen, die ab dem 20. März gelten, zu entkommen.

Die Menschen wollen noch vor Mitternacht die Stadt verlassen, um den Corona-Massnahmen, die ab dem 20. März gelten, zu entkommen.

Strassenverkehrsdienst Sytadin
Vor den Hauptstrassen, die aus Paris führen, (im Bild: Porte d'Orleans) bilden sich kilometerlange Staus.

Vor den Hauptstrassen, die aus Paris führen, (im Bild: Porte d'Orleans) bilden sich kilometerlange Staus.

AFP
Wer nicht mit dem Auto wegfährt, tut es mit dem Zug.

Wer nicht mit dem Auto wegfährt, tut es mit dem Zug.

AFP

Darum gehts

  • Wegen stark gestiegener Corona-Infektionszahlen verhängt Frankreich zum dritten Mal einen Lockdown über den Pariser Grossraum und anderen Landesteilen.

  • Ab Mitternacht müssen für mindestens vier Wochen alle Geschäfte des nicht täglichen Bedarfs schliessen.

  • Hunderttausende Pariser haben sich entschlossen, aus der Stadt zu flüchten.

In der Nacht auf Samstag beginnt über dem Pariser Grossraum und anderen Regionen Frankreichs der dritte strenge Lockdown seit Beginn der Corona-Pandemie. Alle Geschäfte des nicht täglichen Bedarfs müssen schliessen, die Bewegungsfreiheit von rund 20 Millionen Bürgern wird erneut eingeschränkt. «Mist, ein Monat», titelte am Freitag die Zeitung «Libération» zum neuen Lockdown.

Aus Angst vor den strengen Corona-Regeln flüchten hunderttausende Pariser seit Freitagnachmittag überstürzt aus der Stadt. Laut dem Strassenverkehrsdienst Sytadin bildeten sich zahlreiche Staus mit einer Gesamtlänge von über 350km rund um die französische Hauptstadt. Autofahrer waren zum Teil mehrere Stunden lang in unendlichen Staus gefangen, die Bahnhöfe überfüllt mit Menschen, die noch im letzten Moment aus der Metropole entkommen wollten. Die meisten werden die nächsten vier Wochen auf dem Land verbringen.

Strenge Regeln, aber nicht so sehr wie im Herbst

Ab dem Wochenende sind Fahrten zwischen den betroffenen Regionen untersagt, ausser es gibt einen zwingenden Grund dafür. Zum Verlassen ihrer Häuser und Regionen brauchen die Menschen erneut einen Passierschein.

Im Vergleich zu den Lockdowns des vergangenen Jahres lockert die Regierung die Ausgangsbeschränkungen aber: So dürfen die Menschen etwa im Umkreis von zehn Kilometern um ihre Wohnung Sport treiben oder Spazieren gehen, vorher war zeitweise nur ein Kilometer erlaubt. Die Schulen bleiben diesmal offen.

«Wenn ich in Paris bleibe, werde ich eine Depression haben»

Dennoch war für viele Stadtbewohner die Ankündigung von Frankreichs Premierminister Jean Castex am Donnerstagabend ein Schock. Die 22-jährige Studentin Clara erzählt gegenüber Le Figaro, wie sie keine Minute gezögert habe, als sie von den Massnahmen erfuhr. «Ich kaufte mir sofort ein Zugbillet», sagt sie. Der schnelle Entscheid war richtig, denn die Züge sind rappelvoll. Wer am Abend noch fortreisen will, hat wohl keine Chance mehr.
Auch die Studentin Julie wollte nicht in Paris bleiben. «Ich hatte lange geplant, dieses Wochenende nach Rom zu fahren. Als die Infektionszahlen so stark stiegen, sagte ich die Reise ab. Nun erfahre ich, dass wir hier eingesperrt sein werden. Also fahre ich nach Rennes in die Bretagne. Denn wenn ich in Paris bleibe, werde ich eine Depression haben.»

Höchststand von November überschritten

Vom neuen Lockdown betroffen sind die Hauptstadtregion Ile de France und die an Belgien grenzende Region Hauts-de-France. Zudem gelten die verschärften Auflagen in den Départements Alpes-Maritimes um Nizza sowie in den Verwaltungsbezirken Seine-Maritime und Eure im Norden Frankreichs.

In den betroffenen Gebieten schlagen viele Spitäler wegen Überbelegung der Intensivstationen Alarm. Im Pariser Grossraum sei mit fast 1200 Intensivpatienten sogar «der Höchststand der zweiten Welle im November überschritten», sagte Premierminister Jean Castex. Dort war die Wochen-Inzidenz zuletzt auf fast 450 Neuinfektionen pro 100’000 Einwohner gestiegen, fast das Doppelte des landesweiten Schnitts.

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Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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