Panik vor hohen Preisen führt zu Hamsterkäufen
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Panik vor hohen Preisen führt zu Hamsterkäufen

Pasta palettenweise, Einkaufswagen voller Eier und Supermarktregale ohne Salz: Aus Angst vor steigenden Preisen pünktlich zur EU-Erweiterung am Samstag sehen sich Zehntausende Menschen in den osteuropäischen Beitrittsländern zu massiven Hamsterkäufen genötigt.

Ausgerechnet der Anschluss an den Westen beschert ein Szenario, das an Ostblockzeiten vor dem Fall des Eisernen Vorhangs erinnert.

Regale binnen Minuten leer geräumt

In der estnischen Hauptstadt Tallinn wurde die fünffache Menge Zucker gekauft. Ein Beschäftigter der Kette SuperNetto berichtete kürzlich in einer Fernsehsendung, die Kunden hätten sich die Zuckerpakete gegenseitig aus den Händen gerissen, nachdem die Regale binnen Minuten leergeräumt worden seien.

In Litauen sorgte ein Fernsehbericht eines russischen Senders für Panik. Darin wurde behauptet, grobkörniges Salz zum Beizen oder Einlegen sei nach dem EU-Beitritt des baltischen Staates nicht mehr erhältlich. «Es war verrückt», kommentiert Henrijs Fogels von Kesko Foods rückblickend. «Einige Kunden verliessen das Geschäft mit mehr als 50 Kilogramm Salz. Ich weiss nicht, was sie damit anstellen wollen.»

«Alles wird teurer, nur unsere Renten bleiben gleich», sagt die 79 Jahre alte Maria Krajcovicova. Im Durchschnitt bekommt ein Rentner in der Slowakei weniger als 170 Euro monatlich. Krajcovicova belastet ihr schmales Budget dennoch mit dem Kauf von zehn Kilogramm Zucker und fünf Kilogramm Reis.

Sicherheitswärter Pavol Sutka steht im Tesco-Supermarkt in Bratislava und ist der Verzweiflung nahe. «Ich bin wohl zu spät gekommen. Die Preise sind schon nach oben geschossen», sagt er. Vor ihm im Regal wird ein Kilogramm Zucker für 29.90 Koruna (74 Cent) angeboten, 15 Prozent mehr als vor wenigen Wochen. Im benachbarten Tschechien erzählen die Händler von ähnlichen Sorgen ihrer Kunden.

Die grosse Hamsterwelle sei schon vorüber, sagt Libor Marton, Direktor eines Reis-Importeurs. Während des Höhepunktes hätten seine Abnehmer bis zu fünf Mal so hohe Mengen wie üblich bestellt. «Was wir sonst in einem Monat verkaufen, sind wir in einer Woche losgeworden.» In Polen sah sich eine Handelskette gezwungen, eine Höchstmenge von zehn Kilogramm Zucker pro Kunde festzusetzen.

(dapd)

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