Twitter-Diskussion über Corona-Politik - «Panikmacher», «Analphabeten» – Mitte-Chef Pfister streitet mit Eltern
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Twitter-Diskussion über Corona-Politik«Panikmacher», «Analphabeten» – Mitte-Chef Pfister streitet mit Eltern

Mitte-Präsident Gerhard Pfister zoffte sich mit Twitter-Userinnen und -User, die ihm vorwarfen, seine Partei schere sich in Sachen Corona nicht um die Sicherheit der Schulkinder. Das seien «Dauerempörte» oder «Schneeflöcklein», ärgert er sich.

von
Bettina Zanni
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Er könne mit Panikmachern ebenso wenig anfangen wie mit anonymen Twitterern , twitterte Mitte-Chef Gerhard Pfister.

Er könne mit Panikmachern ebenso wenig anfangen wie mit anonymen Twitterern , twitterte Mitte-Chef Gerhard Pfister.

Tamedia AG
Dasselbe gelte für «Anonyme und Unanständige. Oder langweilige Dauerempörte. Oder Analphabeten», so Pfister.

Dasselbe gelte für «Anonyme und Unanständige. Oder langweilige Dauerempörte. Oder Analphabeten», so Pfister.

Tamedia AG
Auslöser war der Tweet einer Userin, die Pfister fragte, was Die Mitte mache, damit die Kinder in der Schule vor Corona-Ansteckung geschützt seien.

Auslöser war der Tweet einer Userin, die Pfister fragte, was Die Mitte mache, damit die Kinder in der Schule vor Corona-Ansteckung geschützt seien.

20min/Michael Scherrer

Darum gehts

  • Mitte-Chef Gerhard Pfister sah bei seiner Partei zum Schutze von Ansteckungen in den Schulen keinen Handlungsbedarf.

  • Darauf wurde ihm vorgeworfen, wegzuschauen und unliebsame Userinnen und User zu blockieren.

  • Er könne mit Panikmachern und Schneeflöcklein sowie Analphabeten nichts anfangen, konterte Pfister.

  • Ein Aktivist verlangt von ihm eine Entschuldigung und droht mit einer Anzeige.

Regelmässig machen besorgte Eltern und Aktivistinnen und Aktivisten auf Social Media ihrem Ärger über die Corona-Politik in den Schulen Luft. Kürzlich platzte Parteipräsident Gerhard Pfister (Die Mitte) der Kragen.

Er schaue nicht weg und traue der Schule mehr zu als andere, verteidigte sich Pfister. «Aber ich kann mit Panikmacherinnen und Panikmachern ebenso wenig anfangen wie mit anonymen Twitterern und Schneeflöcklein. Und nun lass ich es gut sein.»

Als ihm ein User vorwarf, «doch quasi jeden, der Sie kritisiert» zu blockieren, doppelte Pfister trotzdem nach: «Anonyme und Unanständige. Oder langweilige Dauerempörte. Oder Analphabeten.» Hier tummle sich einiges, auf dessen Bekanntschaft er keinen besonderen Wert lege, so der studierte Germanist und Gründer einer Tagesschule.

«Was macht Die Mitte?»

Auslöser war der Tweet einer Userin, die Pfister fragte, was Die Mitte mache, damit die Kinder in der Schule vor Corona-Ansteckung geschützt seien. Pfister antwortete, dass Parteipolitik in dieser Sache «nur schädlich» sei. Seinem Eindruck zufolge nähmen die zuständigen Behörden und die Lehrpersonen ihre Verantwortung sehr gut wahr. Ein weiterer User kreidete ihm daraufhin an: «Sie können natürlich wegschauen, um nicht sehen zu müssen, was an den Schulen bezüglich COVID abgeht.»

Einige Userinnen und User empörten sich über die Ausdrücke Pfisters und warfen dem Nationalrat vor, abgehoben zu sein. Kurze Zeit später posteten sie Screenshots, die zeigten, dass Pfister sie blockiert hatte.

Auch No-COVID-Aktivist Simon Gehren, der nach eigenen Angaben bereits letzten Dezember vom Politiker blockiert wurde, schaltete sich in den Streit ein. Solche Beleidigungen wie «Schneeflöcklein» oder «Analphabet» gegenüber Bürgerinnen und Bürgern seien Pfisters Amtes unwürdig. In einem Tweet forderte er Pfister auf: «Ich bitte Sie förmlich, sich dafür zu entschuldigen. Sonst werde ich eine entsprechende Klage in Betracht ziehen.»

«Sollte offenes Ohr haben»

Gehren bestätigt auf Anfrage von 20 Minuten, dass er eine Anzeige wegen Ehrverletzung gegen Pfister prüfe, sollte er sich für die Ausdrücke nicht entschuldigen. «Als Parteipräsident und Nationalrat sollte er besorgten Bürgerinnen und Bürgern gegenüber ein offenes Ohr haben, anstatt sie zu blockieren und zu beleidigen.» Er selbst könne nicht verstehen, warum Pfister ihn blockiert habe. «Ich war ihm gegenüber immer höflich.»

Auch in den eigenen Reihen wird Pfisters Attacke verurteilt. «Ich bin auch Mitte, betrachte dieses Verhalten des Parteipräsidenten aber zunehmend als echtes Problem», schrieb Edith Leibundgut, ehemalige Präsidentin der CVP Stadt Bern. Sie könne sich mit dieser Arroganz in keiner Weise identifizieren. «Habe das auch schon direkt und deutlich kommuniziert, leider absolut erfolglos.»

«Es hat mir weh getan, wie Herr Pfister auf die Sorgen einiger Menschen reagierte», sagt Leibundgut zu 20 Minuten. So habe er besorgten Eltern geantwortet: «Dann haben sie halt Angst». «In der Krise ist es umso wichtiger, dass Menschen an den politischen Schaltstellen sind, die verbindend wirken und nicht trennend.»

Wer sich anonym äussere, werde blockiert

Gerhard Pfister verteidigt auf Anfrage die Ausdrücke, mit denen er die Kritikerinnen und Kritiker bezeichnete. «Ich habe deutliche Worte gewählt, weil es absurd ist, dass man Lehrpersonen pauschal beschuldigt, sie würden die Sicherheit der Kinder gefährden.» Seit 1,5 Jahren täten die Lehrpersonen alles Mögliche, um die Kinder vor dem Virus zu schützen.

Entschuldigen werde er sich für die Bezeichnungen nicht, sagt Pfister. «Ich wüsste nicht bei wem und wofür.» Die angedrohte Anzeige nehme er zur Kenntnis. Twitter lebe von direkten Diskussionen. «Jedoch diskutiere ich gerade auf Twitter nur mit Leuten, die mit ihrem Namen aufscheinen und zu ihrer Meinung stehen.» Wer sich anonym äussere, müsse sich damit abfinden, dass er diese Userin bzw. diesen User blockiere.

Auch das General- und Fraktionssekretariat der Mitte stärkt dem Parteipräsidenten den Rücken. «Herr Pfister ist bekannt als Twitterer mit Ecken und Kanten», sagt Generalsekretärin Gianna Luzio. Pfister nutze den Account persönlich-privat und nicht im Namen der Partei.» Dazu verweist sie auf die Stellungnahme von Gerhard Pfister.

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Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Fachstelle Mobbing (kostenpflichtig)

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Hilfe bei Mobbing, Fachstelle für Schulen und Eltern (kostenpflichtig)

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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