Pilotprojekt auf Autobahn: Pannenstreifen-Test ein Erfolg

Aktualisiert

Pilotprojekt auf AutobahnPannenstreifen-Test ein Erfolg

Seit Mitte Januar gibt die Polizei auf dem Autobahnstück zwischen Ecublens und Morges in Stosszeiten den Pannenstreifen als dritte Fahrspur frei. Nach knapp einem Monat fällt eine erste Bilanz positiv aus. Der Weg zur Nutzung des Pannenstreifens in der ganzen Schweiz ist aber noch lang - und teuer.

Bremsen, hupen, wieder bremsen, Spurwechsel, beschleunigen - hektisch und gefährlich geht es normalerweise während den Stosszeiten auf der Autobahn zwischen Ecublens und Morges zu und her. Der Teilabschnitt zwischen Lausanne und Genf gehört zu den meistbefahrenen in der Schweiz. Täglich quälen sich über 90 000 Fahrzeuge durch das Nadelöhr.

Seit dem 18. Januar diesen Jahres hat sich die Situation erheblich beruhigt. Verantwortlich dafür ist ein neu eingeführtes Verkehrsregime, das der Polizei erlaubt, die Autofahrer auf dem Pannenstreifen fahren zu lassen. Während Holland und Deutschland den Pannenstreifen als zusätzliche Fahrspur bereits nutzen, ist dies für die Schweiz eine Premiere.

Drei grüne Pfeile

In der Verkehrsleitzentrale bei Lausanne wird der Verkehr genauestens beobachtet: auf zwölf grossen, an der Wand hängenden Bildschirmen. Mit deren Hilfe überwachen speziell ausgebildete Operateure 24 Stunden am Tag das Waadtländer Autobahnnetz - inklusive dem gut fünf Kilometer langen Teilstück zwischen Ecublens und Morges.

Werden auf dieser Strecke mehr als 35 Fahrzeuge pro Kilometer gezählt, kann der Operateur den Pannenstreifen für den Verkehr freigeben. Berücksichtigt wird zudem das Tempo der Autos und der Fahrzeugtyp - massgebend ist die Anzahl Lastwagen. Sind die Bedingungen erfüllt, erscheint eine entsprechende Notiz auf dem Bildschirm des Operateurs.

Den Pannenstreifen frei schalten muss dieser aber von Hand, «eine Sicherheitsmassnahme», erklärt Polizeisprecher Jean-Christophe Sauterel. Es müsse nämlich sicher gestellt sein, dass nicht gerade ein Fahrzeug auf dem Pannenstreifen stehe. Ab dem Moment, an dem die drei grünen Pfeile auf den Schalttafeln über der Autobahn aufleuchten, dürfen die Fahrzeuglenker auf dem Pannenstreifen fahren. Dann gilt gleichzeitig auf allen drei Spuren nur noch Tempo 100.

Bis jetzt weniger Unfälle verzeichnet

Nach knapp einem Monat zieht Sauterel eine positive Bilanz: «Die Verkehrsteilnehmer haben sich schnell und gut der neue Situation angepasst.» Zurzeit nutzen rund ein Viertel der Fahrzeuglenker den Pannenstreifen. Ziel sei jedoch, dass künftig mindestens ein Drittel die zusätzliche Spur nutzten, sagt Sauterel.

Die Verantwortlichen hoffen zudem, dass auch die Zahl der Unfälle gesenkt werden kann. Die aktuellen Zahlen sind vielversprechend: Seit das neue Verkehrsregime in Betrieb genommen wurde, hat es auf der Sorgenstrecke zwischen Ecublens und Morges lediglich einen Unfall gegeben. Im vergangenen Jahr waren es 62 - im Durchschnitt also mindestens einen pro Woche.

Pilotversuch kostete Bund knapp 35 Millionen

Damit der Pannenstreifen überhaupt genutzt werden kann, waren entsprechende Anpassungen nötig: Etwa mussten Kameras, Ultraschall- Geräte und Schalttafeln installiert werden, damit die Strecke lückenlos überwacht werden kann. Zusätzlich wurden sechs Ausstellplätze für Notfälle gebaut - drei auf jeder Seite.

Und weil die normalen Pannenstreifen in der Regel nur gerade 2,5 Meter breit und damit zu schmal für Lastwagen sind, mussten diese verbreitert werden. Kurzerhand zwackte man den beiden 4 Meter breiten Fahrspuren je 50 cm ab und fügte sie dem Pannenstreifen hinzu: Neu sind alle drei Spuren 3,5 Meter breit. Die Kosten beliefen sich insgesamt auf knapp 35 Millionen Franken - alles vom Bund bezahlt.

Der Versuch läuft noch mindestens bis Ende Jahr. Dann werde man die gesammelten Daten auswerten, sagt Silva Müller Devaud vom Bundesamt für Strassen (ASTRA). Erst dann könne man entscheiden, ob der Pannenstreifen auch in anderen Kantonen zur Entlastung stark befahrener Autobahnabschnitte genutzt werden könne. Auf die Frage, ob einzelne Kantone bereits ihr Interesse beim ASTRA anmeldet hätten, winkt Müller ab: «Das ist noch viel zu früh.» (sda)

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