Vererbung: Papa ist schuld, wenn Mann zu früh kommt

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VererbungPapa ist schuld, wenn Mann zu früh kommt

Wer zu früh kommt, den bestraft das Leben. Manche Männer können aber nichts dafür — der frühzeitige Samenerguss ist in ihren Genen festgeschrieben.

Der frühzeitige Samenerguss (Ejaculatio praecox) ist die häufigste sexuelle Störung beim männlichen Geschlecht — rund ein Drittel aller Männer soll darunter leiden. Bisher wurden praktisch ausschliesslich psychologische Faktoren dafür verantwortlich gemacht, doch eine Untersuchung unter der Leitung des Neurologen Marcel Waldinger an der Universität von Utrecht hat mit dieser Vorstellung aufgeräumt: Wie schnell der Akt für einen Mann vorbei ist, hängt unter anderem auch von seiner genetischen Struktur ab.

Zeitmessung beim Sex

Die Forscher nahmen 89 Niederländer, die unter primärer vorzeitiger Ejakulation leiden, genauer unter die Lupe, wie der britische Newsdienst BBC berichtet. Primäre vorzeitige Ejakulation bedeutet, dass die Männer schon seit ihrem ersten sexuellen Kontakt unter der Störung leiden.

Eine zweite Gruppe von 92 Männern diente als Kontrollgruppe. Die Partnerinnen der Testpersonen mussten während eines Monats bei jedem Geschlechtsakt die Zeit bis zum Samenerguss messen.

Schlüsselhormon Serotonin

Bei den Männern, die unter der lästigen Störung leiden, stellten die Wissenschaftler eine niedrigere Aktivität des Botenstoffs Serotonin zwischen den Nervenenden in jener Hirnregion fest, die den Samenerguss steuert. Die verminderte Aktivität des Hormons führt dazu, so Waldinger, dass Signale zwischen den Nervenzellen auf andere Weise übertragen werden.

Geregelt wird die Serotonin-Aktivität und damit die Schnelligkeit des Samenergusses von dem bereits früher entdeckten Gen 5-HTTLP. Es gibt drei Varianten des Gens; eine davon sorgt für eine bedeutend frühere Ejakulation: Die untersuchten Männer mit der Störung ejakulierten doppelt so schnell wie die Männer der Kontrollgruppe.

«Schnelle Reflexe»

Die britische Sexualtherapeutin Paula Hall sagte gegenüber der BBC, das Problem des vorzeitigen Samenergusses sei eindeutig nicht nur psychologischer Natur. Allerdings könne ein psychologisches Element mitspielen. Entscheidend sei die Frage, wie viel Kontrolle der Mann selber ausüben könne: «Wenn das Problem nur mit der Partnerin auftaucht, dann ist es wahrscheinlich eher psychologisch.»

Männer mit vorzeitigem Samenerguss hätten generell schnelle Reflexe, fügte Hall an. «Sie können exzellente Tennisspieler sein oder Computer-Gamer, zum Beispiel.»

(dhr)

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