Aktualisiert 02.11.2011 13:30

G20-Gipfel in Cannes

Papandreou steht mit dem Rücken zur Wand

Das G20-Gipfeltreffen wird für den griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou kein Sonntagsspaziergang werden. Derweil sind die Börsen unter Spannung.

Für einmal wird in Cannes Weltgeschichte statt Filmgeschichte geschrieben.

Für einmal wird in Cannes Weltgeschichte statt Filmgeschichte geschrieben.

Nächstes Spitzentreffen zur Griechenland-Rettung: Nach dem Paukenschlag in Athen wollen die internationalen Geldgeber am Mittwoch in Cannes die Lage beraten und den G20-Gipfel vorbereiten. Für Ministerpräsident Papandreou dürfte es ungemütlich werden.

Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou hat derzeit nichts zu lachen: Daheim zunehmend politisch isoliert, muss er am Mittwochabend in Cannes seinen internationalen Geldgebern Rede und Antwort stehen. Auf dem kurzfristig angesetzten Krisengipfel an der Côte d'Azur soll sich Athen abermals zu seinen Sparversprechen bekennen, über die Papandreou aber erst noch seine Landsleute abstimmen lassen will.

Börsen unter Spannung

Die Finanzmärkte blieben derweil - nach den Schockwellen des Vortages - am Mittwoch unter Spannung: Frühe Gewinne am Aktienmarkt gingen bis zum Mittag verloren. Der SMI startete mit rund einem halben Prozent im Plus, stand kurz nach 13 Uhr mit 0,08 Prozent indes bereits wieder im Minus.

Auch die am Dienstag arg gebeutelten Finanztitel schafften es nicht, die Verluste des Vortages aufzuholen. Die Aktie der Grossbank CS stand im gleichen Zeitraum lediglich 1,02 Prozent im Plus auf 23,74 Franken. Am Vortag hatte das Papier 8,2 Prozent eingebüsst. UBS-Aktien notierten nach dem Einbruch von 4,9 Prozent am Vortag am Mittwoch kurz nach 13 Uhr bei 10,76 Franken und damit 0,94 Prozent höher.

Papandreou stellt Vertrauensfrage

Die Anleger lechzen in diesen unsicheren Zeiten nach Stabilität. Ob sie ihnen auch geboten werden kann, steht aber noch in den Sternen. Denn: Die jüngsten Beschlüsse des Brüsseler Euro-Gipfels zu den Milliarden-Hilfen für Athen drohen wieder zu kippen, weil die dortige Regierung wackelt.

Papandreou hatte angekündigt, seinen extrem unpopulären Sparkurs und die Milliarden-Hilfszusagen dem Volk zur Abstimmung vorzulegen. Ausserdem hat er die Vertrauensfrage gestellt. Die Abstimmung soll am späten Freitagabend stattfinden. Seine Partei hat nur noch eine knappe Mehrheit von zwei Stimmen im 300-köpfigen Parlament.

Krisensitzung in Athen

Unklar ist, welche Möglichkeiten Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sowie EU, EZB und IWF eigentlich haben, um den in Griechenland unpopulären Sparkurs durchzusetzen.

In Athen war in der Nacht zum Mittwoch eine Krisensitzung des Ministerrates ohne dramatische Ergebnisse zu Ende gegangen. Im Mittelpunkt der Unterredungen stand nach Angaben eines Regierungssprechers der Referendums-Plan des Regierungschefs. «Das Referendum wird eine klare Nachricht für den Euro sein», versicherte Papandreou.

Bisher rechnen Beobachter damit, dass die Abstimmung selbst frühestens im Januar abgehalten werden könnte. Die konservative griechische Partei Nea Dimokratia (ND) lehnt das geplante Referendum zum Hilfsprogramm für Griechenland ab und verlangt weiter Neuwahlen.

Griechenland-Milliarden liegen auf Eis

Damit stehen die jüngsten Brüsseler Gipfel-Beschlüsse auf wackligen Beinen: So hat etwa der deutsche Bankenverband erklärt, der freiwillige Forderungsverzicht der privaten Geldgeber Griechenlands liege jetzt bis zu dem dortigen Referendum auf Eis.

Die 17 Staats- und Regierungschefs der Euroländer hatten in der vergangenen Woche unter anderem ein neues 100-Milliarden-Euro-Paket für Athen beschlossen. Private Gläubiger wie Banken und Versicherer hatten angekündigt, auf die Hälfte ihrer Forderungen zu verzichten. Anfang 2012 sollten nach dem ursprünglichen Plan alte gegen neue griechische Anleihen getauscht werden.

Auch Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi rudert unter dem Druck der Finanzmärkte und der EU und sucht weiterhin eine rasche Umsetzung der in Brüssel zugesagten Reformen und Sanierungen. Berlusconi kam erneut mit seinen Fachministern zu einer Krisensitzung zusammen. Gemäss italienischen Medien will die Regierung die Massnahmen noch vor dem G20-Gipfel am Donnerstag auf den Weg bringen.

(sda)

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