Papst Benedikt XVI. kritisiert Schweiz

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Papst Benedikt XVI. kritisiert Schweiz

Papst Benedikt XVI. hat das Schweizer Partnerschaftsgesetz kritisiert und das Gesetz zur Forscherung mit Stammzellen kritisiert.

Er äusserte die Kritik bei der Übergabe des Beglaubigungsschreibens des Schweizer Botschafters im Vatikan, Jean-François Kammer.

Wie auch andere europäische Länder habe die Schweiz unter dem Einfluss des technologischen Wandels und der öffentlichen Meinung eines Teils ihrer Bürger neue Gesetze erlassen, die an den Respekt vor Familie und Leben rührten, sagte der Pontifex gemäss der Nachrichtenagentur afp.

Diese Gesetze beträfen schwierige Fragen wie die Fortpflanzung, Krankheit, Tod und eben auch Ehe und Familie. Die päpstliche Kritik richtete sich neben dem am 5. Juni gutgeheissenen Partnerschaftsgesetz auch gegen das Stammzellenforschungsgesetz, das der Souverän im November 2004 annahm.

Diese erlaubt die Forschung an künstlich gezeugten Embryonen, welche nicht für eine Schwangerschaft gebraucht werden. Weiterer Kritikpunkt war die die Sterbehilfe in der Schweiz. Passive Sterbehilfe, der Verzicht auf lebensverlängernde Massnahmen also, ist in der Schweiz zugelassen.

Der Papst forderte die Schweiz im Weiteren auf, ein weltoffenes Land zu bleiben, ihren Platz in Europa zu wahren und ihre Stärken zu Gunsten der Menschheit zu nutzen. Auch solle das Land für alle offen bleiben, die in ihm Zuflucht oder Arbeit suchten, sagte der Papst bei der Audienz weiter.

Erst seit einem Jahr «normale» Beziehungen

Der 59-jährige Jean-François Kammer ist seit Januar 2005 Botschafter in Prag und vertritt die Schweizer Interessen auch im Vatikan-Staat. Er trat die Nachfolge von Hansrudolf Hoffmann an, der seit Mai 2004 die Schweiz ebenfals von Prag aus beim Papst vertrat.

Die Schweiz normalisierte ihre diplomatischen Beziehungen zum Vatikan erst 2004. Anlässlich des Besuches von Papst Johannes Paul II. gab der Bundesrat bekannt, dass der bisherige «Botschafter in Sondermission», Hoffmann, zum offiziellen Botschafter ernannt wird.

Bis dahin hatte die Schweiz keine eigene Vertretung beim Vatikan unterhalten. Der Vatikan war 1579 durch einen päpstlichen Gesandeten (Nuntius) in der Schweiz vertreten. Dieser wurde aber 1873 ausgewiesen - erst 1920 wurde wieder eine Nuntiatur eröffnet.

Aus Rücksicht auf die protestantische Bevölkerung verzichtete der Bundesrat aber auf die Eröffnung einer schweizerischen Vertretung im Vatikan.

Erst Ende 1991 wurde Botschafter Jeno Staehelin im Zusammenhang mit der Auseinandersetzungen um den Churer Bischof Wolfgang Haas zum Botschafter in Sondermission beim Vatikan ernannt. Später wurden Botschafter in Wien respektive in Prag mit der Sondermission beim Vatikan beauftragt.

(sda)

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