Papst in Nahost: Papst betritt Moschee mit seinen Schuhen

Aktualisiert

Papst in NahostPapst betritt Moschee mit seinen Schuhen

Wer eine Moschee betritt, muss aus Respekt vor Allah die Schuhe ausziehen. Nicht so der Papst: Bei seinem Besuch der Al-Hussein-bin-Talal-Moschee in Amman hat Benedikt XVI. seine Schuhe anbehalten.

Dies sei jedoch kein Zeichen für den mangelnden Respekt des katholischen Kirchenoberhaupts vor dem Islam, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi am Samstag. Vielmehr hätten die Organisatoren der Visite die Strecke so ausgewählt, dass es dem 82-jährigen Papst erspart blieb seine Schuhe auszuziehen.

Benedikts Vorgänger, Papst Johannes Paul II., hatte 2001 in Damaskus beim ersten Moschee-Besuch eines katholischen Kirchenoberhaupts überhaupt seine Schuhe ausgezogen. Auch Benedikt XVI. hielt sich bei seinem ersten Besuch einer Moschee 2006 in Istanbul an den muslimischen Brauch.

Dass er dieses Mal nicht auf Strümpfen gehen musste, bezeichnete Prinz Ghasi bin Mohammed als «Geste des guten Willens». Es solle als Zeichen verstanden werden für den «gegenseitigen Respekt zwischen Muslimen und Christen», sagte der Cousin und aussenpolitische Berater von Jordaniens König Abdullah II., der den Papst durch die Moschee geführt hatte.

Besinnung auf gemeinsame Werte

Benedikt XVI. hat Christen und Muslime zur Überwindung ihrer Spannungen aufgerufen. Beide Religionsgemeinschaften sollten sich auf gemeinsamen Wurzeln und Werte besinnen, sagte er am Samstag während eines Besuchs der grössten jordanischen Moschee in Amman.

Bei seinem Besuch der Al-Hussein-bin-Talal-Moschee räumte das Oberhaupt der katholischen Kirche bestehende Spaltungen zwischen «Mitgliedern der verschiedenen religiösen Traditionen» ein. Zusätzlich geschürt würden diese oftmals durch «ideologische Manipulation», um zu politischen Zwecken Gewalt zu provozieren.

Doch sei es falsch, die Religion grundsätzlich als «Ursache der Spaltung unserer Welt» anzusehen, sagte Benedikt XVI. weiter. Gerade aufgrund der Last ihrer gemeinsamen Geschichte, die so oft von «Unverständnis» geprägt gewesen sei, sollten sich Muslime und Christen «ihres gemeinsamen Ursprungs und der Würde aller Menschen» bewusst sein.

Es war das zweite Mal, dass der Papst eine Moschee besuchte. Doch anders als 2006 in Istanbul, als er unmittelbar nach seiner umstrittenen Regensburger Rede demonstrativ in der Blauen Moschee gebetet hatte, verzichtete er diesmal auf ein Gebet.

Beziehung belastet

Obwohl der Papst inzwischen sein Bedauern für das Missverständnis geäussert hat, belasten die Äusserungen bis heute seine Beziehung zum Islam. Auch am Samstag wurde er an die Irritationen erinnert.

Ein Cousin des Königs von Jordanien, Prinz Ghasi bin Muhammad bin Talal, sprach in dem Zusammenhang von «Schmerzen». Der Papst hatte in der damaligen Rede einen byzantinischen Kaiser zitiert, der den Islam als irrational und gewalttätig beschrieben hatte.

Ghasi erklärte, die muslimische Welt habe die anschliessende Klarstellung des Vatikan akzeptiert, dass der Papst nicht seine eigene Meinung, sondern ein historisches Zitat wiedergegeben habe. Der Prinz gehört zur Gruppe «Gemeinsames Wort» von muslimischen Gelehrten, die sich für einen Dialog mit dem Christentum einsetzen.

Vor seinem Besuch der Moschee in Amman hatte Benedikt auf dem Berg Nebo zur weiteren «Versöhnung» zwischen Christen und Juden aufgerufen. Der Berg Nebo ist für beide Religionen wichtig. Von ihm aus soll der Bibel zufolge Moses das Heilige Land erblickt haben bevor er starb.

Katholische Universität

Der 82-jährige Pontifex hatte zudem in der Stadt Madaba nahe des Berges den Grundstein für eine katholische Universität gelegt. Die Hochschule im überwiegend von Muslimen bewohnten Jordanien werde Generationen von qualifizierten Männern und Frauen christlicher, muslimischer und anderer Religionen hervorbringen, sagte er.

Am Sonntag wollte der Papst unter anderem die Stelle am Jordan besuchen, an der nach der Überlieferung Jesus getauft wurde. Auch eine Messe im Stadion von Amman stand auf dem Programm. Am Montag reist der Papst weiter nach Israel und in die Palästinensergebiete. (sda)

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