Beginn des Konklave: Papst-Countdown läuft - Koch als Geheimtipp
Aktualisiert

Beginn des KonklavePapst-Countdown läuft - Koch als Geheimtipp

Nach langen Vorberatungen wählen 115 Kardinäle ab morgen ein neues Oberhaupt für die katholische Kirche. Auch ein Schweizer hat Chancen.

von
fum/sda

Im Vatikan finden die letzten Vorbereitungen für das morgen beginnende Konklave statt: Sicherheitskräfte haben die Sixtinische Kapelle nach Wanzen abgesucht, um zu verhindern, dass Informationen nach aussen dringen. Und auf dem Dach wurde ein Schornstein installiert – auf diesen werden die Augen der Weltöffentlichkeit gerichtet sein.

An der Wahl nehmen 115 Kardinäle teil. Es dürfen nur diejenigen wählen, die jünger als 80 Jahre alt sind. Nach einem Gottesdienst im Petersdom ziehen sie sich am Dienstagnachmittag in die Sixtinische Kapelle zurück und bleiben von der Aussenwelt abgeschirmt. Am ersten Tag gibt es nur eine Wahl, an allen anderen Tagen werden in der Regel vormittags und nachmittags jeweils zwei Wahlen veranstaltet. Nach jedem Wahlgang werden die Stimmzettel verbrannt. Steigt schwarzer Rauch über der Sixtinischen Kapelle auf, ist die Wahl noch nicht entschieden. Steigt hingegen weisser Rauch auf, wurde ein neuer Papst gewählt.

Für das Konklave gelten traditionell strenge Regeln, bei deren Verletzung die Exkommunikation als Höchststrafe droht. Geheimhaltung als einen der wichtigsten Bestandteile des Regelwerks haben die Kardinäle bereits geschworen. Die absolute Verschwiegenheit gilt aber nicht nur für die Geistlichen, sondern auch für die zahlreichen Helfer, die während des Konklaves kochen, putzen oder als Ärzte bereitstehen. Zur Geheimhaltung gehört, keine Handys, Kameras oder Aufnahmegeräte mitzubringen. Auch das Schreiben und Empfangen von Briefen ist verboten.

Offene Ausgangslage

Die Entscheidung über den neuen Papst sei vollkommen offen, hört man aus Kirchenkreisen. Als Favorit geht nach Mediengerüchten der 71-jährige Mailänder Erzbischof Angelo Scola ins Konklave. Laut der römischen Tageszeitung «La Repubblica» kann er mit 40 Stimmen rechnen. Für die Wahl braucht es allerdings 77 Stimmen, was einer Zweidrittels-Mehrheit entspricht.

Als möglicher Gegenpart Scolas wird immer wieder der US-Kardinal Sean O'Malley aus dem veränderungsbereiten Lager genannt. Chancen werden ebenfalls dem aus Honduras stammenden Kardinal Oscar Andres Rodriguez Maradiaga eingeräumt, der als aufgehender Stern der lateinamerikanischen Kirche gefeiert wird. Die Befürworter einer strikten Kontinuität Roms betrachten wiederum den Brasilianer Odilo Scherer als ihren Favoriten. Der Erzbischof von São Paulo sitzt in der Kardinalskommission der Vatikanbank. Auch der Ghanaer Kodwo Appiah Turkson wird als möglicher Nachfolger von Papst Benedikt XVI. gehandelt.

Koch als Geheimtipp

Kardinal Kurt Koch, der einzige wahlberechtigte Schweizer Kardinal, hat Aussenseiterchancen. Der Theologe Walter Kirchschläger, der Koch seit langem begleitet, sagte gestern in der «SonntagsZeitung» jedoch: «Ich kann ihn mir sehr gut als Papst vorstellen, er hätte das Zeug dazu.»

Theoretisch kann das Konklave Monate dauern (siehe Infobox), Beobachter gehen aber davon aus, dass die Entscheidung in wenigen Tagen gefällt ist. Denn: Die Osterfeierlichkeiten sollen unbedingt vom neuen Papst geleitet werden.

20 Minuten Online ist vor Ort und berichtet laufend über die neusten Entwicklungen.

Konklave extrem - die spektakulärsten Papstwahlen

DAS ERSTE KONKLAVE: Die Wahl von Coelestin IV. im Jahr 1241 durch eingeschlossene Kardinäle in Rom gilt als erstes Konklave in der Papstgeschichte. Nach anderen Quellen beansprucht die mittelitalienische Stadt Perugia das erste Konklave für sich. Dort sollen sich bereits im Jahr 1216 Kardinäle - angeblich aus Angst vor Übergriffen durch die Bevölkerung - eingeschlossen und Honorius III. zum Papst gewählt haben.

DAS LÄNGSTE KONKLAVE: Es begann 1268 in Viterbo rund 100 Kilometer nordwestlich von Rom und dauerte zwei Jahre, neun Monate und zwei Tage. Die Kardinäle konnten sich auch nach einer drastischen Kürzung der Lebensmittel nicht auf einen Papst einigen. Erst als die Stadtväter das Dach über dem Wahlraum abtragen liessen und die Purpurträger unter freiem Himmel herbstlichem Regenwetter ausgesetzt waren, wurde im September 1271 Papst Gregor X. gewählt. Zuletzt gab es 1831 eine besonders lange Wahl, aus der Gregor XVI. erst nach 50-tägigem Konklave als Papst hervorging.

DAS KÜRZESTE KONKLAVE: Am 1. November 1503 war in Rom bereits nach wenigen Stunden - die genaue Zeit ist nicht überliefert - Papst Julius II. gewählt. Bestechung soll die Abstimmung beschleunigt haben. Mit einer Dauer von nur 20 Stunden zählt auch die Wahl von Pius XII. 1939 zu den kürzesten Konklaven der Geschichte. Bereits 26 Stunden nach dem Einzug des Kardinalskollegiums in die Sixtinische Kapelle wurde 2005 Benedikt XVI. gewählt.

DAS DRAMATISCHSTE KONKLAVE: Im Jahr 1314 eskalierte eine Papstwahl im südfranzösischen Carpentras. Ungeduldige Massen steckten den Bischofspalast in Brand, so dass die Purpurträger die Flucht ergreifen mussten. 1316 wurde die Wahlgesellschaft dann im Dominikanerkloster von Lyon eingeschlossen. Nach weiteren 40 Tagen wurde dann endlich am 7. August 1316 Johannes XXII. zum neuen Papst bestimmt. (sda)

Deine Meinung