Papst erklärt sich - keine Entschuldigung

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Papst erklärt sich - keine Entschuldigung

Gestern hat Papst Benedikt XVI. persönlich sein Bedauern über den Unmut der islamischen Welt ausgedrückt. Für seine Äusserungen entschuldigt hat er sich nicht. Experten sehen den Papst im Visier islamistischer Terroristen.

Beim Angelusgebet in seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo bei Rom sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Sonntag, er sei «tief betrübt», dass eine Redepassage als «beleidigend für muslimische Gläubige» aufgefasst worden sei. Zugleich rief er erneut zum Dialog zwischen Islam und Christentum auf.

Wörtlich sagte der Papst zu seiner strittigen Redepassage: «Es handelte sich dabei um ein Zitat eines mittelalterlichen Textes, der in keiner Weise mein persönliches Denken widerspiegelt.»

In seiner kurzen Ausführung am Sonntag nahm der Papst aber keine Aussagen zurück und entschuldigte sich auch nicht, wie es muslimische Geistliche verlangt hatten. Er ging auch nicht über eine offizielle Erklärung des Vatikans vom Vortag hinaus.

Die wirkliche Bedeutung seiner Ausführungen zum Thema Islam an der Universität Regensburg sei «eine Einladung zum aufrichtigen und ehrlichen Dialog» gewesen, sagte Benedikt. Zugleich verwies der Papst auf die Vatikanerklärung vom Vortag: «Ich hoffe, diese kann die Seelen beruhigen und die wirkliche Bedeutung meiner Rede erklären.»

Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone hatte am Samstag in einer ausführlichen Erklärung die Wogen zu glätten versucht und das Interesse der Kirche am Dialog mit dem Islam betont. Das Kirchenoberhaupt bedauere sehr, «dass bestimmte Passagen seiner Rede verletzend für die Gefühle der Moslems geklungen haben können», wurde in der Erklärung betont.

Gemässigte Muslime befriedigt

In ersten Reaktionen zeigten sich muslimische Organisationen mit der Klarstellung durch den Papst und den Vatikan zufrieden. In der Türkei begrüsste der Chef des staatlichen Religionsamtes, Ali Bardakoglu, das Bedauern des Papstes als Zeichen seines Friedenswillens, wie er «Spiegel-Online» sagte.

Die türkische Regierung bekräftigte sowohl vor als auch nach dem weltweiten TV-Auftritt des Papstes, dass sich am Besuch des Papstes im November in der Türkei nichts ändere. Die Äusserungen seien zwar unglücklich gewesen, doch Ankara wolle verhindern, dass «ein Schatten auf den Dialog zwischen den Kulturen und Religionen fällt», sagte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland begrüsste die Klarstellung und rief Muslime in aller Welt auf, zu einer Beruhigung der Lage beizutragen. Beleidigungen und Androhungen von Gewalt gegen Papst Benedikt XVI. seien aufs Schärfste zu verurteilen.

Sicherheitsmassnahmen verstärkt

Aus Sorge vor Gewalt gegen den Papst waren laut italienischen Medienberichten vor dem Angelus-Gebet die Sicherheitsvorkehrungen an der Sommerresidenz des Papstes verstärkt worden. Irakische Extremisten hatten zuvor mit Anschlägen in Rom und gegen den Vatikan gedroht.

In Somalia wurde am Sonntag eine italienische Nonne erschossen. Die Angreifer seien in eine Klinik in der Hauptstadt Mogadischu eingedrungen und hätten das Feuer eröffnet, teilten Mitarbeiter mit. Nach italienischen Medienberichten soll die Tat im Zusammenhang stehen mit den Islam-Äusserungen des Papstes. (dapd)

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