Zeremonie in Rom: Papst Franziskus spricht Mutter Teresa heilig
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Zeremonie in RomPapst Franziskus spricht Mutter Teresa heilig

Papst Franziskus hat die Ordensfrau Mutter Teresa heiliggesprochen. Der Pontifex verlas auf dem Petersplatz die entsprechende Formel.

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pat
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Sie galt als «Engel der Armen»: Mutter Teresa starb am 5. September 1997 in Kolkata, Indien (Archivbild).

Sie galt als «Engel der Armen»: Mutter Teresa starb am 5. September 1997 in Kolkata, Indien (Archivbild).

Keystone/Evan Schneider
19 Jahre nach ihrem Tod ist sie nun von Papst Franziskus heiliggesprochen worden. (4. September 2016)

19 Jahre nach ihrem Tod ist sie nun von Papst Franziskus heiliggesprochen worden. (4. September 2016)

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Vor 100'000 Pilgern verlas Franziskus auf Latein die Heiligsprechungsformel, nach der die Friedensnobelpreisträgerin nun von Katholiken weltweit als Heilige verehrt werden kann.

Vor 100'000 Pilgern verlas Franziskus auf Latein die Heiligsprechungsformel, nach der die Friedensnobelpreisträgerin nun von Katholiken weltweit als Heilige verehrt werden kann.

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Sie galt als «Engel der Armen»: 19 Jahre nach ihrem Tod ist Mutter Teresa von Papst Franziskus heiliggesprochen worden. Bei einer Messe auf dem Petersplatz nahm das Oberhaupt der katholischen Kirche die Ordensfrau am Sonntag in das Verzeichnis der Heiligen auf. Vor 100'000 Pilgern verlas Franziskus auf Latein die Heiligsprechungsformel, nach der die Friedensnobelpreisträgerin nun von Katholiken weltweit als Heilige verehrt werden kann.

Mutter Teresa war bereits 2003 in einem Schnellverfahren seliggesprochen worden, nachdem ihr der Vatikan eine erste Wunderheilung zugeschrieben hatte. Ende 2015 wurde ein zweites Wunder mit der Nonne in Verbindung gebracht. Damit war der Weg frei für ihre Heiligsprechung.

1979 erhielt Mutter Teresa den Friedensnobelpreis

Mutter Teresa wurde 1910 als Agnes Gonxha Bojaxhiu in Skopje, der heutigen Hauptstadt Mazedoniens, geboren. Seit 1950 kämpfte sie gegen das Leid der Ärmsten der Armen im indischen Kolkata, wo sie den Orden der Missionarinnen der Nächstenliebe gründete. 1979 erhielt Mutter Teresa den Friedensnobelpreis.

Die Ordensfrau genoss weltweit hohes Ansehen, nicht nur unter Katholiken. Bereits zu Lebzeiten wurde sie als «Engel der Armen» oder «Heilige der Gosse» verehrt. Ihr Tod im Jahr 1997 löste grosse Anteilnahme aus.

Kritik war kein Thema

Doch trotz ihrer Beliebtheit ist die Heiligsprechung Mutter Teresas nicht unumstritten. Die Kritik an ihrer Arbeit, die nur die Symptome der Armut bekämpfte, nicht aber die Ursachen, oder die angeblich schlimmen Zustände in einigen Heimen ihres Ordens sowie die Intransparenz bei Spendengeldern waren auf dem Petersplatz am Sonntag bei strahlendem Sonnenschein kein Thema.

Auch die nach ihrem Tod bekannt gewordenen Zweifel Mutter Teresas an Gott sprach Franziskus nicht an. Dabei waren die Briefe der 1910 im heutigen Mazedonien geborenen Agnes Gonxha Bojaxhiu, in denen sie über ihre Zweifel, ein Gefühl der Verlassenheit und eine grosse Dunkelheit schrieb, ein gefundenes Fressen für die Kritiker.

Zweifel erlaubt

Der Papst thematisierte die Glaubenszweifel der Nonne in seiner Predigt nicht. Auch darin sehen Beobachter ein Zeichen. So vermittelt die Heiligsprechung von Mutter Teresa vielen Katholiken in heutigen Zeiten ein anderes Bild einer barmherzigen Kirche, in der Zweifel und Fragen durchaus erlaubt sind.

Es ist das Bild einer Kirche, in der selbst Heilige nicht perfekt sein müssen. «Sie hat gezeigt, dass das Böse vergeben und auch die grösste Dunkelheit überwunden werden kann», sagte der kanadische Pater Kolodiejchuk. Dass sie ihre eigenen Nöte und Glaubenszweifel nicht ausgespart habe, mache Mutter Teresa zu einer Heiligen für jeden.

Balkanländer stolz auf Mutter Teresa

Mutter Teresa stammte aus dem Kosovo. Die Balkanländer haben mit Stolz auf die Heiligsprechung von Mutter Teresa durch Papst Franziskus reagiert. «Kleine Nation – Grosse Heilige», schrieb Albaniens Aussenminister Ditmir Bushati am Sonntag auf Facebook.

Die Oper und das Staatsballett luden zu einem Festkonzert auf dem zentralen «Mutter-Teresa-Platz» im Zentrum der Hauptstadt Tirana. Die Wohltäterin hatte ihre Jugend im heutigen Albanien verbracht. «Unser Volk hat der Welt eine liebenswerte Mutter für alle Menschen geschenkt», sagte Kosovos Staatspräsident Hashim Thaci, der gemeinsam mit Regierungschef Isa Mustafa an den Feierlichkeiten in Rom teilnahm.

Das Verfahren zur Seligsprechung von Mutter Teresa war eines der schnellsten in der jüngeren Geschichte der katholischen Kirche. Papst Johannes Paul II. eröffnete bereits 1999 und damit zwei Jahren nach ihrem Tod ein entsprechendes Verfahren. Üblicherweise gilt eine Fünf-Jahres-Frist. Mehr als 800 Selige hat Papst Franziskus in seiner knapp dreieinhalb Jahre langen Amtszeit schon zu Heiligen gemacht. (pat/afp)

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