Zypern: Papst gegen die «Last der Geschichte»
Aktualisiert

ZypernPapst gegen die «Last der Geschichte»

Papst Benedikt XVI. hat während seines Zypernbesuchs einen Dialog zwischen Christen und Muslimen gefordert.

Der Papst auf der Mittelmeerinsel Zypern.

Der Papst auf der Mittelmeerinsel Zypern.

Nur durch «geduldige Arbeit» könnten Vertrauen geschaffen und die «Last der Geschichte» überwunden werden, sagte der Papst am Samstag an einem Treffen mit der kleinen katholischen Gemeinde in einem Viertel von Nikosia.

Vertrauen sei die Grundlage, um dauerhaften Frieden zu schaffen. In Bezug auf die jüngsten Missbrauchsskandale in der Kirche betonte der Pontifex maximus die Notwendigkeit «heiliger und gut ausgebildeter Priester». Rund 2000 Menschen waren in der maronitischen Schule in Nikosia versammelt, um den Papst zu sehen.

Benedikt XVI. traf am Samstag auch den Erzbischof von Zypern, Chrysostomos II. An einem ökumenischen Gottesdienst in Paphos im griechischen Teil der Mittelmeerinsel hatte der Papst am Freitag für eine weitere Annäherung zwischen Katholiken und orthodoxen Christen geworben. Zudem rief er die Bevölkerungsgruppen der geteilten Insel zur Versöhnung auf.

Wie bereits im Vorfeld des ersten Papst-Besuches auf Zypern machten einige orthodoxe Metropoliten und Bischöfe deutlich, dass sie nichts mit dem «Häretiker» aus Rom zu tun haben wollten: Bei dem gemeinsamen Mittagessen mit Erzbischof Chrysostomos II. fehlten 5 der insgesamt 17 orthodoxen Vertreter. Für sie ist die katholische Kirche mitverantwortlich für die Geschichte der Spaltung der Christenheit.

Bischofssynode zum Nahen Osten

Anlässlich der Vorstellung eines Arbeitspapiers für die Bischofssynode zum Nahen Osten im Oktober ist am Sonntag in Nikosia ein weiterer Gottesdienst vorgesehen. Laut Medienberichten enthält das Papier deutliche Kritik an der Besetzung der Palästinensergebiete durch Israel.

In einer Messe am Abend in der Heiligkreuzkirche in Nikosia kam Benedikt auf die schwierige Lage vieler Kirchenleute in weiten Teilen des Heiligen Landes zurück. «Als Folge der Konflikte und der Spannungen in der Region entschliessen sich viele Familien, von dort wegzuziehen, und ihre Priester können versucht sein, es auch so zu machen», beklagte er.

Eröffnet hatte Benedikt den Besuchstag mit einem Plädoyer für eine Politik der Moral und der Wahrheit. Wenn die Politik national und international von den Eigeninteressen und parteilichem Druck gereinigt werden könnte, stünde sie auf einer festeren Grundlage, sagte er bei einem Treffen mit Diplomaten und politischen Vertretern. Die seit 1974 geteilte Insel kommt auf ihrem Weg zur Wiedervereinigung nicht entscheidend voran.

Treffen mit Vertreter der Muslime

Benedikt traf sich am Samstag kurz auch mit einem der religiösen Vertreter des muslimischen Nordteils der Insel, Scheich Nazim. Der 89-jährige Nazim ist der Führer einer Sufi-Brüderschaft.

Bereits am Vormittag hatte Vatikan-Sprecher Lombardi es klargestellt, der Papst verstehe seine Reise als religiös und nicht politisch.

(sda)

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